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Nahrungsergänzung beim Fasten: Was wirklich sinnvoll ist und was Du Dir sparen kannst
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 23.06.2026
Magnesium, Elektrolyte, ein Vitaminpräparat zur Sicherheit: Sobald Du Dich für eine Fastenzeit entscheidest, taucht früher oder später die Frage auf, ob Dein Körper jetzt eine zusätzliche Unterstützung braucht. Die Regale sind voll, die Versprechen groß, und beim Fasten verzichtest Du ja bewusst auf feste Nahrung. Liegt es da nicht nahe, fehlende Nährstoffe einfach zu ergänzen? In diesem Artikel erfährst Du, was Dein Körper während einer Fastenzeit wirklich benötigt, warum Elektrolyte dabei die zentrale Rolle spielen und welche Präparate Du Dir in den meisten Fällen sparen kannst.
Warum die Frage beim Fasten so oft aufkommt
Beim Heilfasten nach Buchinger nimmst Du über mehrere Tage kaum Kalorien zu Dir. Auf dem Speiseplan stehen Wasser, Kräutertee, eine klare Gemüsebrühe und verdünnte Säfte. Da liegt der Gedanke nahe, dass dem Körper dabei Vitamine und Mineralstoffe fehlen könnten. Tatsächlich ist die Antwort differenzierter, als die Werbung vermuten lässt: Manches gleicht Dein Körper über eigene Reserven aus, anderes solltest Du im Blick behalten.
Welche Reserven Dein Körper mitbringt
Ein gesunder Körper ist auf Phasen ohne Nahrung gut vorbereitet. Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K werden in der Leber und im Fettgewebe gespeichert, oft für Wochen bis Monate. Auch Vitamin B12 legt der Körper über lange Zeit an. Eine klassische Fastenwoche von wenigen Tagen leert diese Speicher nicht. Anders sieht es bei den Elektrolyten aus, denn die kann der Körper nur begrenzt zurückhalten.
Elektrolyte: der entscheidende Punkt
Elektrolyte sind Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Magnesium, die im Körper als geladene Teilchen vorliegen. Sie steuern den Wasserhaushalt, die Muskelarbeit und die Reizweiterleitung in den Nerven. Gerade in den ersten Fastentagen verlierst Du davon mehr als sonst. Der Grund liegt im Stoffwechsel: Sobald Du keine Kohlenhydrate mehr zuführst, sinkt der Insulinspiegel. Ein niedriger Insulinspiegel veranlasst die Nieren, vermehrt Natrium und Wasser auszuscheiden. Dieser als Natriurese des Fastens bekannte Effekt erklärt auch, warum Du in den ersten Tagen so schnell an Gewicht verlierst: Es ist zu einem großen Teil Wasser. Mit dem Natrium gehen zudem Kalium und Magnesium verloren.
Daran erkennst Du einen Elektrolytmangel
Wenn der Mineralhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät, macht sich das oft mit unspezifischen Beschwerden bemerkbar:
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsprobleme (oft als Brain Fog beschrieben)
- Kopfschmerzen
- Muskelkrämpfe, Muskelschwäche und Muskelzucken
- in schwereren Fällen Kreislaufprobleme, Verwirrtheit oder Herzrhythmusstörungen
Viele der typischen Fastenbeschwerden, die gern pauschal als Entgiftung abgetan werden, hängen in Wahrheit mit dem Flüssigkeits- und Mineralhaushalt zusammen. Wer hier achtsam gegensteuert, kommt deutlich angenehmer durch die Fastenzeit.
Gemüsebrühe: die natürliche Elektrolytquelle
Es ist kein Zufall, dass die klassische Gemüsebrühe seit jeher fester Bestandteil des Heilfastens ist. Eine warme, gut gesalzene Brühe liefert genau die Mineralstoffe, die Dein Körper in dieser Phase vermehrt verliert, allen voran Natrium, dazu Kalium und etwas Magnesium. Sie ist damit oft die einfachste und natürlichste Form der Ergänzung. Trinke über den Tag verteilt ausreichend, idealerweise zwei bis drei Tassen, und nutze für die Salzkomponente ruhig ein hochwertiges Speisesalz. Auch ein stilles Mineralwasser mit hohem Magnesium- und Natriumgehalt kann unterstützen. Ein Blick auf das Etikett lohnt sich, denn die Gehalte schwanken von Marke zu Marke stark.
Magnesium, Kalium und Natrium: ein nüchterner Blick auf die Werte
Wer über Präparate nachdenkt, sollte die Größenordnungen kennen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene folgende Richtwerte für die tägliche Zufuhr:
- Magnesium: rund 300 Milligramm für Frauen und 350 Milligramm für Männer pro Tag
- Kalium: ein Schätzwert von etwa 4.000 Milligramm pro Tag
- Natrium: ein Schätzwert von etwa 1.500 Milligramm pro Tag
Bei Magnesium ist außerdem die Obergrenze für Präparate wichtig: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 250 Milligramm pro Tag zuzuführen und diese Menge auf zwei Einnahmen zu verteilen. Höhere Dosen führen häufig zu Durchfall, was Deinen Mineralhaushalt beim Fasten zusätzlich belasten würde. Bei Kalium ist Zurückhaltung angebracht: Über die normale Ernährung ist die Zufuhr bei gesunden Nieren unbedenklich, konzentrierte Kalium-Präparate solltest Du dagegen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, weil sie in kurzer Zeit sehr hohe Mengen liefern.
Das kannst Du Dir meist sparen
Hochdosierte Vitamincocktails, Multipräparate oder teure Detox-Kapseln versprechen oft mehr, als sie halten. Für eine gut geplante Fastenwoche bei einem ansonsten gesunden Menschen sind sie in aller Regel überflüssig. Der Begriff Entschlackung suggeriert, dass sich Schlacken im Körper ansammeln, die man hinausspülen müsse. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, denn Deine Ausscheidungsorgane wie Leber und Nieren erledigen diese Arbeit ohnehin. Konzentriere Dich lieber auf das, was nachweislich hilft: ausreichend trinken, Elektrolyte über Brühe und Mineralwasser im Blick behalten und Deinem Körper Ruhe gönnen.
Wann ärztlicher Rat zählt
Fasten ist nicht für jeden geeignet, und das gilt besonders, sobald Nahrungsergänzung ins Spiel kommt. Sprich vor einer Fastenzeit unbedingt mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, wenn einer der folgenden Punkte auf Dich zutrifft:
- Du nimmst regelmäßig Medikamente, etwa zur Entwässerung, gegen Bluthochdruck oder zur Blutverdünnung
- Du hast eine Erkrankung der Nieren, des Herzens oder des Stoffwechsels, zum Beispiel Diabetes
- Du bist schwanger oder stillst
- Du hast oder hattest eine Essstörung
- Du möchtest Mineralstoffpräparate höher dosieren, als auf der Packung angegeben
Bestehende Präparate solltest Du nicht eigenmächtig absetzen oder verändern, sondern mit Deinem Therapeuten besprechen. Wer unter fachkundiger Begleitung fastet, etwa in einem Fastenhotel oder unter ärztlicher Aufsicht, ist hier ohnehin auf der sicheren Seite.
Das Wichtigste in Kürze
Für die allermeisten gesunden Menschen braucht eine Fastenwoche keine Schublade voller Präparate. Deine fettlöslichen Vitaminspeicher reichen problemlos über diese Zeit. Worauf es wirklich ankommt, ist der Elektrolythaushalt, denn Natrium, Kalium und Magnesium verlierst Du in den ersten Tagen vermehrt. Eine gut gesalzene Gemüsebrühe, mineralstoffreiches Wasser und ausreichend Flüssigkeit decken diesen Bedarf in den meisten Fällen ab. Greifst Du zu Präparaten, dann gezielt und in vernünftiger Dosierung, bei Magnesium nicht mehr als 250 Milligramm täglich. Und sobald Vorerkrankungen, Medikamente oder eine Schwangerschaft im Spiel sind, gehört die Entscheidung in ärztliche Hände.










