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Fasten und Medikamente: Was Du vor dem Fasten mit dem Arzt klären musst
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 04.08.2026
Du fastest zum ersten Mal, nimmst aber jeden Tag Tabletten, zum Beispiel gegen hohen Blutdruck oder Diabetes. Darfst Du dann überhaupt fasten? Kurz gesagt: Fasten und Medikamente schließen sich nicht grundsätzlich aus, aber viele Präparate wirken beim Fasten stärker und müssen in der Dosis angepasst oder vorübergehend abgesetzt werden. Das entscheidet immer Deine Ärztin oder Dein Arzt, niemals Du selbst. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb nicht allein fasten. In diesem Artikel erfährst Du, welche Medikamente beim Fasten besonders wichtig sind, warum sich ihre Wirkung verändert und wie Du Dich Schritt für Schritt richtig vorbereitest.
Warum verändert Fasten die Wirkung von Medikamenten?
Beim Fasten stellt Dein Körper den Stoffwechsel um: Der Blutzucker sinkt, der Blutdruck geht zurück, und der Flüssigkeits- sowie Mineralhaushalt verschiebt sich. Genau darin liegt oft der erwünschte Effekt einer Fastenkur, doch für Deine Medikamente bedeutet es, dass dieselbe Dosis, die vorher gepasst hat, plötzlich zu stark wirken kann. Ein anschauliches Beispiel ist der Blutdruck: In der Fastenmedizin ist gut dokumentiert, dass er während des Fastens deutlich fällt, in einem beschriebenen Fall von 170/100 auf 120/80 mmHg, und das ganz ohne Medikamente. Wer weiter unverändert Blutdrucksenker einnimmt, riskiert dann Schwindel und einen zu niedrigen Blutdruck. Ganz ähnlich ist es beim Blutzucker. Deshalb geht es beim Fasten mit Medikamenten fast nie ums Weglassen der Kur, sondern ums richtige Anpassen der Dosis.
Welche Medikamente müssen beim Fasten angepasst werden?
Nicht jedes Medikament ist gleich kritisch. Besonders genau hinschauen solltest Du bei Mitteln, die in denselben Werten eingreifen, die sich beim Fasten ohnehin verändern: Blutdruck, Blutzucker und Blutgerinnung.
Blutdrucksenker und Entwässerungstabletten
Weil der Blutdruck beim Fasten von allein sinkt, werden Entwässerungstabletten (Diuretika) in der Fastentherapie in der Regel ganz abgesetzt, um Störungen im Mineralhaushalt wie einen Natriummangel (Hyponatriämie) oder Kaliummangel (Hypokaliämie) zu vermeiden. Bei ACE-Hemmern und Sartanen solltest Du zusammen mit Deiner Ärztin auf Zeichen eines Natriummangels achten, etwa Schwäche, Schwindel oder Übelkeit. Wie stark Fasten den Blutdruck senken kann und was das für Dich bedeutet, liest Du im Beitrag Fasten und Bluthochdruck.
Medikamente gegen Diabetes und Insulin
Hier ist besondere Vorsicht gefragt. Blutzuckersenkende Medikamente müssen beim Fasten in der Regel reduziert oder ganz abgesetzt werden, sonst drohen eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) und im schlimmsten Fall eine Ketoazidose. Bei Diabetes Typ 2 lässt sich das Insulin je nach Blutzuckerwert deutlich reduzieren, aber immer erst nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam. Von einem strengen Heilfasten bei Insulintherapie wird dagegen abgeraten. Menschen mit Diabetes Typ 1 müssen weiter Insulin spritzen, in angepasster Dosis, und dürfen nur unter ärztlicher ambulanter oder stationärer Aufsicht fasten.
Blutverdünner (Vitamin-K-Antagonisten)
Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon (bekannt als Marcumar) wirken nur zuverlässig, wenn Deine Vitamin-K-Zufuhr über die Nahrung möglichst konstant bleibt. Eine einseitige Kost oder eine starke Ernährungsumstellung, und Fasten ist eine radikale Umstellung, kann die INR-Einstellung und damit die Wirkung verschieben. Sprich deshalb vor einer Fastenkur unbedingt mit Deinem Arzt, lass den INR-Wert engmaschiger kontrollieren und setze Blutverdünner niemals eigenmächtig ab.
Weitere Dauermedikamente
Auch Schilddrüsenhormone, Psychopharmaka, Mittel gegen Epilepsie oder Rheuma können beim Fasten anders wirken oder den Magen belasten. Eine feste Regel gilt für alle: Wer Medikamente einnimmt, darf nicht allein fasten, weil viele Präparate während des Fastens mit Augenmaß angepasst werden müssen.
Bei welchen Erkrankungen solltest Du gar nicht fasten?
Manche Menschen sollten unabhängig von einzelnen Medikamenten grundsätzlich nicht fasten. Zu den anerkannten Gegenanzeigen gehören:
- Auszehrung (Kachexie) und Magersucht (Anorexie), weil die Reserven zu gering sind
- fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz
- eine aus dem Ruder gelaufene Schilddrüsenüberfunktion (dekompensierte Hyperthyreose)
- eine Demenz, weil das Mitmachen und Beobachten schwerfällt
- Schwangerschaft und Stillzeit
Diese Punkte stammen aus den Hinweisen der ärztlichen Fachgesellschaft für Fastentherapie. Bei chronischen Erkrankungen oder Essstörungen gehört die Frage, ob Fasten für Dich geeignet ist, in jedem Fall vorab in ärztliche Hände. Einen ausführlichen Überblick, wann ärztlicher Rat nötig ist, findest Du unter Wer sollte nicht fasten.
Wie bereitest Du Dich mit Medikamenten richtig vor?
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung ist ein sicheres Fasten für viele Menschen mit Medikamenten möglich. Diese Schritte helfen Dir dabei:
- Vereinbare vor dem Fasten einen Termin bei Deiner Ärztin und bring eine vollständige Liste all Deiner Medikamente mit.
- Rechne mit einer Blutuntersuchung: Medikamentös vorbehandelte Patienten brauchen vor Beginn der Fastentherapie immer eine Laborkontrolle.
- Miss Blutdruck und, falls Du Diabetes hast, Deinen Blutzucker regelmäßig und schreib die Werte mit.
- Setze nichts eigenmächtig ab und reduziere nichts auf eigene Faust: Jede Änderung entscheidet Dein Behandlungsteam.
- Faste bei Vorerkrankungen oder Dauermedikation nicht allein zu Hause, sondern möglichst begleitet.
Gerade wenn Du Medikamente nimmst, ist ein begleitetes Heilfasten die sicherere Wahl, oft in der klassischen Form nach Buchinger. In einem darauf spezialisierten Fastenhotel wird Dein Befinden täglich beobachtet, und die Fastenleitung arbeitet mit Deinem Arzt zusammen. Solche Häuser findest Du zum Beispiel unter den Fastenhotels in Baden-Württemberg. Ein reines Fastenhaus mit langjähriger Erfahrung ist etwa das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald, in dem Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten unter Begleitung angeboten werden.
Zusammengefasst: Fasten und Medikamente vertragen sich in vielen Fällen gut, wenn Du zwei Dinge beachtest. Erstens gehört jede Dosisänderung in ärztliche Hand, besonders bei Blutdrucksenkern, Diabetesmitteln und Blutverdünnern. Zweitens ist begleitetes Fasten für Menschen mit Dauermedikation deutlich sicherer als der Alleingang zu Hause. So kannst Du die wohltuenden Seiten des Fastens erleben, ohne Deine Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
Häufige Fragen
Darf ich meine Tabletten einfach weglassen, wenn ich faste?
Nein. Setze Medikamente niemals auf eigene Faust ab. Wer Medikamente einnimmt, sollte nicht allein fasten, und jede Anpassung, egal ob Reduktion oder Pause, entscheidet ausschließlich Deine Ärztin oder Dein Arzt.
Ich habe Diabetes Typ 2. Darf ich trotzdem fasten?
Oft ja, aber nur mit angepasster Medikation und ärztlicher Begleitung. Das Insulin lässt sich bei Typ 2 je nach Blutzucker deutlich reduzieren, und die Werte müssen engmaschig kontrolliert werden. Bei Diabetes Typ 1 ist von strengem Heilfasten abzuraten, und Fasten ist nur unter ärztlicher Aufsicht denkbar.
Kann Fasten meinen Blutdruck so weit senken, dass ich Medikamente reduzieren kann?
Fasten senkt den Blutdruck häufig spürbar. Ob und wann Deine Medikation deshalb angepasst wird, entscheidet aber Dein Arzt anhand Deiner gemessenen Werte, nicht Du selbst. Entwässerungstabletten werden dabei oft ganz abgesetzt.
Ich nehme Blutverdünner. Was muss ich beim Fasten beachten?
Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon reagieren empfindlich auf starke Ernährungsumstellungen, weil diese die INR-Einstellung verschieben können. Sprich vor der Fastenkur mit Deinem Arzt, plane häufigere INR-Kontrollen ein und setze das Medikament auf keinen Fall selbst ab.
Kann ich zu Hause allein fasten, wenn ich Medikamente nehme?
Besser nicht. Wer Medikamente einnimmt, sollte nicht allein fasten, weil die Dosierung während des Fastens laufend mit Augenmaß angepasst werden muss. Ein begleitetes Fasten in einem Fastenhotel oder einer Fastenklinik gibt Dir hier deutlich mehr Sicherheit.
Quellen
- Häufige Fragen zum Heilfasten: Kontraindikationen und Medikamenteaerztegesellschaft-heilfasten.de ↗
- Fasten bei Diabetes und arterieller Hypertonienatuerlich.thieme.de ↗
- Menschen mit Diabetes sollten beim Fasten einige Regeln beachtendiabetes-news.de ↗
- Fasten: Wie Menschen mit Diabetes profitierenapotheken-umschau.de ↗
- Blutgerinnungshemmer: Vorsicht bei Lebensmitteln mit Vitamin Kapotheken-umschau.de ↗








