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Fastenkrise überwinden: Was beim Fastentief am zweiten und dritten Tag wirklich hilft
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 25.06.2026
Du fastest seit zwei Tagen, und plötzlich pocht der Kopf, die Beine fühlen sich schwer an und die Laune ist im Keller. Keine Sorge: Das ist die Fastenkrise, und sie ist sogar ein gutes Zeichen. Sie zeigt, dass Dein Körper gerade vom Zucker- auf den Fettstoffwechsel umschaltet. Meist dauert dieses Fastentief nur ein bis zwei Tage, und mit den richtigen Maßnahmen kommst Du gut hindurch. In diesem Artikel erfährst Du, warum die Fastenkrise entsteht, wann sie typischerweise auftritt und was Dir akut wirklich hilft.
Was ist die Fastenkrise überhaupt?
Als Fastenkrise oder Fastentief bezeichnet man eine vorübergehende Phase mit körperlichen und seelischen Beschwerden, die viele Fastende in den ersten Tagen erleben. Dahinter steckt ein Stoffwechselwechsel: In den ersten rund 24 bis 48 Stunden verbraucht Dein Körper seine Zuckerreserven, das gespeicherte Glykogen. Sind diese aufgebraucht, stellt er auf die Fettverbrennung um und bildet sogenannte Ketonkörper als Ersatztreibstoff fürs Gehirn. Genau diese Umstellung kostet Kraft und löst die typischen Beschwerden aus. Wie dieser Umschaltprozess im Detail abläuft, liest Du in unserem Beitrag dazu, was im Körper beim Fasten passiert.
Wann kommt das Fastentief?
Die Fastenkrise zeigt sich bei den meisten Menschen am zweiten, dritten oder vierten Fastentag, also genau dann, wenn die Umstellung auf den Fettstoffwechsel in vollem Gange ist. Das ist völlig normal und gehört für erfahrene Fastenleiter fest zum Ablauf. Sobald sich der Stoffwechsel angepasst hat, kippt die Stimmung bei vielen ins Gegenteil: Ab etwa Tag vier oder fünf berichten Fastende häufig von einem klaren Kopf, mehr Energie und guter Laune. Wie stark das Tief ausfällt, ist sehr individuell. Manche spüren kaum etwas, andere brauchen einen ruhigen Tag.
Woher kommen Kopfschmerzen, Müdigkeit und schlechte Laune?
Hinter den Beschwerden steckt selten eine einzige Ursache, sondern meist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Koffeinentzug: Wer von heute auf morgen Kaffee und schwarzen Tee weglässt, bekommt oft pochende Kopfschmerzen. Das ist die häufigste Ursache für Kopfschmerzen beim Fasten.
- Niedriger Blutzucker: Durch die sehr geringe Energiezufuhr sinkt der Blutzuckerspiegel, was Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gereiztheit begünstigt.
- Verschobener Mineralstoffhaushalt: Beim Fasten scheidet der Körper vermehrt Wasser und Mineralstoffe aus, allen voran Natrium. Ein Natriummangel kann Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufprobleme auslösen.
- Niedriger Blutdruck: Der Kreislauf fährt herunter, der Blutdruck sinkt. Daher das flaue, schwindelige Gefühl, vor allem beim schnellen Aufstehen.
- Schlaf und Psyche: Auch innere Unruhe, Reizbarkeit und ein leichterer Schlaf gehören in den ersten Tagen oft dazu.
Was hilft akut gegen die Fastenkrise?
Die gute Nachricht: Du kannst eine Menge tun, um Dir das Fastentief zu erleichtern. Diese Maßnahmen haben sich bewährt:
- Genug trinken: Zwei bis drei Liter Wasser und ungesüßter Kräutertee über den Tag verteilt sind die wichtigste Maßnahme. Schon ein leichter Flüssigkeitsmangel verstärkt Kopfschmerzen.
- Gemüsebrühe nutzen: Eine warme, klare Gemüsebrühe liefert etwas Natrium und weitere Mineralstoffe. Das stützt den Kreislauf und lindert genau die Beschwerden, die durch den Salzverlust entstehen.
- Ruhe gönnen: Plane für die Tage der Umstellung bewusst weniger ein. Ein Mittagsschlaf, ein gutes Buch oder einfach Nichtstun sind jetzt keine Faulheit, sondern Teil der Kur.
- Sanfte Bewegung an frischer Luft: Ein gemütlicher Spaziergang bringt den Kreislauf in Schwung und hebt die Stimmung, ohne den Körper zu überfordern. Intensiver Sport ist im Tief dagegen fehl am Platz.
- Für Wärme sorgen: Warme Füße, eine Wärmflasche oder ein warmer Leberwickel werden in der Fastentradition gern eingesetzt und tun vielen einfach gut. Auch ein warmes Bad entspannt.
- Langsam aufstehen: Bei Schwindel hilft es, morgens nicht ruckartig aufzustehen. Wechselduschen und sanftes Trockenbürsten bringen den Kreislauf zusätzlich in Gang.
Wie beugst Du der Fastenkrise vor?
Vieles entscheidet sich schon vor dem ersten Fastentag. Wer den Körper gut vorbereitet, erlebt das Tief oft deutlich milder:
- Koffein ausschleichen: Reduziere Kaffee und schwarzen Tee in den vier bis fünf Tagen vor dem Fasten schrittweise, statt abrupt aufzuhören. Das nimmt den Entzugskopfschmerzen die Spitze.
- Entlastungstage einlegen: Ein bis zwei leichte Tage mit Obst, Gemüse und etwas Reis stimmen den Körper sanft auf das Fasten ein.
- Auf die Darmentleerung achten: Eine gründliche Entleerung des Darms zu Beginn, beim Heilfasten klassisch mit Glaubersalz, reduziert das Hungergefühl und macht den Einstieg spürbar leichter.
- Die passende Form wählen: Wer das Fasten mit täglichen Spaziergängen verbinden möchte, für den ist Fastenwandern eine schöne Option, denn die sanfte Bewegung stützt Kreislauf und Stimmung. Auch mildere Formen wie das Basenfasten kommen oft ganz ohne ausgeprägtes Tief aus.
Fällt das Fastentief in Begleitung leichter?
Für viele macht eine fachkundige Begleitung den entscheidenden Unterschied. In einer Beobachtungsstudie mit über 1.400 Teilnehmenden wurde mehrtägiges Fasten unter täglicher ärztlicher Begleitung gut vertragen, ernsthafte Nebenwirkungen blieben die Ausnahme. Wer in einem Fastenhotel fastet, hat erfahrene Fastenleiter an der Seite, die das Tief einordnen, mit Brühe, Wärmeanwendungen und einem ruhigen Tagesablauf gegensteuern und im Zweifel zur Stelle sind. Das nimmt gerade beim ersten Mal viel Unsicherheit.
Ein Beispiel für ein reines Fastenhaus ist das Hotel Therme in Bad Teinach, mitten im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Dort begleiten erfahrene Fastenleiter unter anderem klassisches Heilfasten und Fastenwandern. Wenn Du tiefer in die bekannteste Methode einsteigen möchtest, findest Du die Details in unserem Artikel zum Heilfasten nach Buchinger.
Wann ist es mehr als nur eine Fastenkrise?
Ein normales Fastentief ist unangenehm, aber harmlos und vergeht von allein. Es gibt jedoch Warnzeichen, bei denen Du das Fasten beenden und ärztlichen Rat einholen solltest:
- anhaltendes oder heftiges Erbrechen
- Herzrasen, Herzstolpern oder ein Engegefühl in der Brust
- Ohnmacht, starker anhaltender Schwindel oder Sehstörungen
- Beschwerden, die sich trotz ausreichendem Trinken und Ruhe über Tag und Nacht nicht bessern
Grundsätzlich gilt: Fasten ist nicht für jeden geeignet. Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit Essstörungen oder Untergewicht sollten nicht fasten. Auch bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen, bei der Einnahme von Medikamenten oder bei psychischen Erkrankungen gehört das Fasten vorab mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen. Im Zweifel ist begleitetes Fasten unter fachlicher Aufsicht die sichere Wahl.
Die Fastenkrise ist kein Rückschlag, sondern ein Wendepunkt: Sie zeigt, dass Dein Stoffwechsel auf die Fettverbrennung umschaltet. Mit genug Flüssigkeit, etwas Gemüsebrühe, Ruhe, sanfter Bewegung und Wärme kommst Du in aller Regel gut durch das Tief, und danach wartet bei vielen die vielzitierte Leichtigkeit des Fastens. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, fastet das erste Mal am besten in fachkundiger Begleitung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Fastenkrise?
Meist ein bis zwei Tage. Das Tief beginnt häufig am zweiten oder dritten Fastentag und klingt ab, sobald sich der Körper auf den Fettstoffwechsel eingestellt hat, bei vielen schon ab Tag vier oder fünf.
Was hilft schnell gegen Kopfschmerzen beim Fasten?
Trinke zuerst ein bis zwei Gläser Wasser, denn oft steckt schlicht ein Flüssigkeitsmangel dahinter. Eine Tasse warme Gemüsebrühe liefert etwas Natrium und stabilisiert den Kreislauf. Frische Luft, Wärme im Nacken und Ruhe helfen zusätzlich. Da Koffeinentzug eine Hauptursache ist, lohnt es sich, Kaffee schon vor dem Fasten auszuschleichen.
Sollte ich bei der Fastenkrise abbrechen?
Ein normales Tief ist kein Grund zum Abbrechen, es geht mit Ruhe und ausreichend Trinken vorbei. Bei Warnzeichen wie Herzrasen, anhaltendem Erbrechen oder Ohnmacht solltest Du das Fasten dagegen beenden und ärztlichen Rat einholen.
Kann ich die Fastenkrise ganz vermeiden?
Ganz ausschließen lässt sie sich nicht, denn die Stoffwechselumstellung gehört zum Fasten dazu. Eine gute Vorbereitung mit Entlastungstagen, schrittweisem Koffeinverzicht und ausreichend Trinken macht das Tief aber oft so mild, dass Du es kaum bemerkst. Sanftere Methoden wie das Basenfasten kommen häufig ganz ohne ausgeprägte Krise aus.
Warum habe ich beim Fasten schlechte Laune?
Der sinkende Blutzucker, der Koffeinentzug und der veränderte Mineralstoffhaushalt schlagen vielen aufs Gemüt. Das ist vorübergehend. Sobald der Körper auf Ketonkörper umgestellt hat, berichten viele Fastende sogar von einer besonders klaren, gehobenen Stimmung.











