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Fasten und Entzündungen: Kann Fasten Entzündungen im Körper senken?

Autor: Reiner Wettcke

Veröffentlicht am: 03.09.2026

Du hast oft gehört, dass Fasten den Körper „reinigt“ und Entzündungen lindern soll, und fragst Dich, ob da wirklich etwas dran ist? Die kurze Antwort: Ja, es gibt gute Hinweise darauf, dass Fasten stille Entzündungsprozesse im Körper dämpfen kann. In kontrollierten Untersuchungen sinken während des Fastens bestimmte Entzündungsbotenstoffe, und entzündungsfördernde Immunzellen fahren ihre Aktivität spürbar herunter. Ein Wundermittel gegen chronische Krankheiten ist Fasten deshalb aber nicht, und für manche Menschen ist es sogar ungeeignet.

In diesem Artikel erfährst Du, was eine Entzündung im Körper überhaupt ist, was die Forschung zur Wirkung des Fastens auf Entzündungswerte zeigt, über welche Mechanismen das läuft, bei welchen Beschwerden Fasten begleitend helfen kann und für wen es besser nicht infrage kommt.

Was bedeutet „Entzündung“ im Körper eigentlich?

Eine Entzündung ist zunächst etwas Gutes: Sie ist die Reaktion des Immunsystems auf Verletzungen oder Krankheitserreger und hilft dem Körper, sich zu wehren und zu heilen. Diese akute Entzündung klingt wieder ab, sobald die Aufgabe erledigt ist. Problematisch wird es, wenn eine Entzündung auf niedrigem Niveau dauerhaft weiterschwelt, ohne dass ein akuter Grund vorliegt. Diese „stille Entzündung“ (englisch: silent inflammation) spürst Du nicht direkt, sie gilt aber als Mitauslöser vieler Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Fettleber.

Wie stark der Körper entzündet ist, lässt sich im Blut messen. Typische Marker sind das C-reaktive Protein (CRP), die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und Botenstoffe wie Interleukin-1beta (IL-1beta) und Interleukin-6 (IL-6). Genau an diesen Werten setzen die Fasten-Studien an.

Kann Fasten Entzündungen senken? Das zeigt die Forschung

Mehrere Untersuchungen deuten in dieselbe Richtung: Während einer Fastenphase gehen Entzündungssignale zurück. Ein Forschungsteam der University of Cambridge ließ 21 Personen 24 Stunden fasten und beobachtete, dass dabei der entzündungsfördernde Botenstoff Interleukin-1beta absank. Die entzündungshemmende Wirkung war allerdings nur kurzlebig und normalisierte sich nach der nächsten Mahlzeit wieder.

Eine vielbeachtete Studie am Mount Sinai in New York zeigte den Effekt auf der Ebene der Immunzellen: Intervallfasten senkte die Zahl entzündungsfördernder Monozyten im Blut, und die verbliebenen Zellen schalteten in eine Art Schlafmodus und waren weniger aggressiv. Wichtig dabei: Die normale Abwehr gegen akute Infektionen blieb erhalten.

In der bislang größten Beobachtungsstudie zum längeren Fasten begleiteten Forschende 1422 Menschen über Fastenperioden von 4 bis 21 Tagen. Das Fasten war sicher und gut verträglich, unerwünschte Wirkungen traten bei unter einem Prozent auf, und von den Teilnehmenden mit bestehenden Beschwerden berichteten 84,4 Prozent eine Besserung. Der Entzündungsmarker Blutsenkung ging zurück. Diese Studie hatte allerdings keine Kontrollgruppe, und der CRP-Wert blieb im Normbereich, statt zu sinken. Die Ergebnisse zeigen also einen Trend, liefern aber keinen endgültigen Beweis.

Wie dämpft Fasten Entzündungen? Die wichtigsten Mechanismen

Warum wirkt der Nahrungsverzicht auf das Entzündungsgeschehen? Die Forschung diskutiert mehrere Wege, die zusammenspielen:

Diese Effekte zeigen sich sowohl beim längeren Heilfasten als auch beim regelmäßigen Intervallfasten. Die Cambridge-Daten machen aber deutlich, dass einzelne Fastentage vor allem kurzfristig wirken. Für einen anhaltenden Effekt zählt eher der langfristige Lebensstil als die einzelne Fastenkur.

Bei welchen Beschwerden kann Fasten begleitend helfen?

Am besten untersucht ist der Zusammenhang bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hat die Datenlage 2025 gesichtet und kommt zu dem Schluss, dass Fasten bei ausgewählten Patientinnen und Patienten sinnvoll in ein rheumatologisches Therapiekonzept eingebunden werden kann, vor allem bei rheumatoider Arthritis mit Übergewicht oder metabolischem Syndrom über einen Zeitraum von 5 bis 10 Tagen. Ältere Untersuchungen zeigten nach einer Fastenphase weniger schmerzhafte und geschwollene Gelenke, sie haben nach heutigen Maßstäben aber methodische Schwächen.

Auch die naturheilkundliche Praxis beschreibt, dass eine einwöchige Fastentherapie bei rheumatoider Arthritis zu einer deutlichen Beschwerdebesserung und zum Rückgang von Entzündungsparametern führen kann, wenn anschließend die Ernährung dauerhaft umgestellt wird. Solche Fastenkuren finden klassischerweise unter Begleitung in einem Fastenhaus statt, etwa im Hotel Therme in Bad Teinach, einem reinen Fastenhaus mit Heilfasten und Basenfasten im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Wichtig ist: Fasten ersetzt hier keine Therapie und keine Medikamente, sondern kann sie in Absprache mit dem Arzt ergänzen.

Für wen ist Fasten zur Entzündungshemmung nicht geeignet?

So vielversprechend die Befunde sind: Fasten ist nicht für jeden geeignet, und aus einer stillen Entzündung allein wird noch kein Grund zu fasten. Die Fachgesellschaften nennen klare Grenzen. Nicht fasten solltest Du bei starkem Untergewicht, einer Essstörung, bei Gicht sowie bei bestimmten Vorerkrankungen.

Zusätzlich ist in diesen Situationen Vorsicht geboten oder es braucht in jedem Fall ärztliche Begleitung:

Die Rheumatologie betont, dass die richtige Vorbereitung und die ärztliche Begleitung entscheidend sind, um Risiken zu vermeiden. Sprich also vor einer Fastenkur mit Deinem Arzt, gerade wenn Du eine Entzündung oder eine chronische Erkrankung behandeln lässt. Wie Fasten allgemein den Stoffwechsel und die Organe entlastet, kannst Du im Beitrag dazu nachlesen, wie Fasten die Leber entlastet.

Fazit: Fasten kann Entzündungen dämpfen, ist aber kein Allheilmittel

Die Forschung zeichnet ein stimmiges Bild: Während des Fastens sinken Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-1beta, entzündungsfördernde Immunzellen werden ruhiger, und Entzündungsmarker wie die Blutsenkung können zurückgehen. Bei rheumatischen Erkrankungen kann eine ärztlich begleitete Fastenkur die Behandlung sinnvoll ergänzen. Gleichzeitig sind viele Effekte kurzlebig, die Studienlage ist noch begrenzt, und Fasten ist nicht für jeden geeignet. Wenn Du gesund bist und Fasten ausprobieren möchtest, ist der entzündungssenkende Nebeneffekt ein schöner Bonus. Als Therapie einer bestehenden Entzündung gehört das Fasten dagegen in ärztliche Hände.

Häufige Fragen

Senkt Fasten den CRP-Wert?

Nicht immer eindeutig. In der großen Buchinger-Beobachtungsstudie blieb der CRP-Wert im Normbereich, während die Blutsenkung als anderer Entzündungsmarker zurückging. Deutlicher zeigt sich die entzündungshemmende Wirkung bei Botenstoffen wie Interleukin-1beta und bei der Aktivität der Immunzellen.

Wie lange muss ich fasten, damit die Entzündung sinkt?

Erste Effekte lassen sich schon nach etwa 24 Stunden messen, sie sind dann aber nur kurzlebig. In den Studien zu rheumatischen Beschwerden werden längere, ärztlich begleitete Fastenphasen von etwa 5 bis 10 Tagen eingesetzt. Die passende Dauer hängt stark von Deiner Ausgangslage ab.

Hilft Intervallfasten auch gegen Entzündungen?

Ja. Die Mount-Sinai-Studie beobachtete gerade beim Intervallfasten weniger und ruhigere entzündungsfördernde Monozyten, ohne dass die Infektabwehr gelitten hätte. Wie das Intervallfasten praktisch funktioniert und welche Zeitfenster üblich sind, kannst Du separat nachlesen.

Kann ich bei Rheuma einfach selbst fasten?

Besser nicht auf eigene Faust. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hält Fasten nur bei ausgewählten Patientinnen und Patienten und ausdrücklich unter ärztlicher Begleitung für sinnvoll, nicht als Ersatz für die medikamentöse Therapie.

Bleiben die Entzündungswerte nach dem Fasten unten?

Ein Teil der Wirkung ist kurzlebig und verschwindet nach der nächsten Mahlzeit wieder. Für einen dauerhaften Effekt kommt es vor allem auf den Lebensstil danach an: eine pflanzenbetonte Ernährung, Bewegung und ein gesundes Gewicht halten Entzündungswerte langfristig eher niedrig.

Quellen

  1. Scientists identify how fasting may protect against inflammation (Arachidonsäure hemmt das NLRP3-Inflammasom)University of Cambridge / Cell Reports · 2024 · abgerufen am 03.09.2026cam.ac.uk
  2. Dietary Intake Regulates the Circulating Inflammatory Monocyte Pool (Fasting Reduces Inflammation)Mount Sinai / Cell · 2019 · abgerufen am 03.09.2026mountsinai.org
  3. Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in 1422 subjectsPLOS ONE · 2019 · abgerufen am 03.09.2026journals.plos.org
  4. Fasten und RheumaDeutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) · 2025 · abgerufen am 03.09.2026dgrh.de
  5. Therapeutisches Fasten (Heilfasten)Karl und Veronica Carstens-Stiftung · abgerufen am 03.09.2026carstens-stiftung.de

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