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Heilfasten nach Buchinger: Ablauf, Wirkung und für wen es geeignet ist
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 29.06.2026
Du möchtest fasten, aber nicht einfach nur tagelang hungern? Heilfasten nach Buchinger ist die klassische, ärztlich begründete Form des Heilfastens: Über mehrere Tage verzichtest Du auf feste Nahrung und nimmst nur Wasser, Kräutertee, frisch gepresste Säfte und Gemüsebrühe zu Dir, zusammen rund 150 bis 250 Kalorien am Tag. Die Kur folgt einem klaren Dreischritt aus Entlastung, Fasten und Kostaufbau und dauert klassisch fünf bis zehn Tage, in Fastenkliniken auch länger. Buchinger-Fasten ist dabei kein schneller Diät-Trick, sondern eine bewusste Auszeit für den Stoffwechsel, die zu Dir und Deiner Gesundheit passen sollte.
In diesem Artikel erfährst Du, wer hinter der Methode steckt, wie eine Buchinger-Fastenwoche Tag für Tag abläuft, was die Forschung über die Wirkung sagt und für wen das Heilfasten geeignet ist, und für wen ausdrücklich nicht.
Was ist Heilfasten nach Buchinger?
Heilfasten nach Buchinger ist eine Form des sogenannten modifizierten Fastens. Anders als bei der reinen Nulldiät, bei der gar nichts außer Wasser aufgenommen wird, bekommt Dein Körper hier eine kleine Menge Kohlenhydrate aus Saft und Brühe, kaum Fett und nur sehr wenig Eiweiß. Diese geringe Zufuhr hält den Kreislauf stabiler und macht das Fasten verträglicher, ohne den Stoffwechsel aus dem Fastenzustand zu holen. Im deutschsprachigen Raum ist es die mit Abstand bekannteste und am häufigsten praktizierte Fastenmethode.
Charakteristisch ist der Leitgedanke „Regulation statt Restriktion": Es geht nicht ums reine Kalorienzählen, sondern darum, Körper und Geist eine Pause zu gönnen. Damit unterscheidet sich Buchinger-Fasten deutlich von anderen Ansätzen. Beim Basenfasten isst Du weiter, allerdings ausschließlich basische, pflanzliche Lebensmittel, und beim Intervallfasten verzichtest Du nur stundenweise auf Nahrung, statt über mehrere Tage am Stück. Welche Methode zu Dir passt, hängt von Deinem Ziel, Deiner Erfahrung und Deiner gesundheitlichen Ausgangslage ab.
Wer war Otto Buchinger?
Die Methode trägt den Namen ihres Begründers, des deutschen Marinearztes Dr. Otto Buchinger (1878 bis 1966). Buchinger erkrankte 1917 schwer an einem Gelenkrheuma, gegen das die damalige Medizin wenig ausrichten konnte. Auf der Suche nach Linderung absolvierte er um 1919 eine rund dreiwöchige Fastenkur beim Arzt Gustav Riedlin in Freiburg, nach der seine Beschwerden deutlich zurückgingen. Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt seines Lebens.
1920 gründete Buchinger seine erste Fastenklinik, die er später nach Bad Pyrmont verlegte. 1935 erschien sein Standardwerk „Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden", bis heute ein Klassiker der Fastenliteratur. Seine Nachfahren führen die Tradition in eigenen Fastenkliniken bis heute fort. Dass ein approbierter Arzt das Fasten systematisch und ärztlich begleitet anwendete, hat dem Heilfasten in Deutschland früh einen seriösen Rahmen gegeben.
Wie läuft eine Buchinger-Fastenkur ab?
Eine klassische Buchinger-Kur ist in drei Phasen aufgebaut: Entlastungstage, Fastentage und Aufbautage. Dieser Rhythmus führt den Körper sanft in das Fasten hinein und ebenso behutsam wieder heraus. Genau dieser Auf- und Abbau macht den Unterschied zwischen einer durchdachten Fastenkur und reinem Hungern.
Die Entlastungstage
Ein bis zwei Entlastungstage stimmen Deinen Körper auf den Verzicht ein. Du isst an diesen Tagen nur leichte Kost mit etwa 600 Kalorien, zum Beispiel einen Reistag, einen Obsttag oder gedämpftes Gemüse, und trinkst mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee. Kaffee, Alkohol, Zucker und Nikotin lässt Du schon jetzt weg. Wie Du diese Vorbereitung gestaltest, liest Du im Detail in unserem Ratgeber zu den Entlastungstagen vor dem Fasten.
Die Darmentleerung
Der erste richtige Fastentag beginnt traditionell mit einer gründlichen Darmentleerung, klassisch mit Glaubersalz oder dem milderen Bittersalz (etwa 40 Gramm in einem dreiviertel Liter warmem Wasser). Das klingt unangenehm, hat aber einen guten Grund: Ein entleerter Darm dämpft das Hungergefühl spürbar und erleichtert den Einstieg in die Fastentage. Bei empfindlichem Magen wird die Menge reduziert oder stattdessen ein Einlauf gemacht, der während der Kur meist alle zwei Tage wiederholt wird.
Die Fastentage
An den eigentlichen Fastentagen nimmst Du ausschließlich Flüssiges zu Dir, über den Tag verteilt: morgens und nachmittags Kräutertee, bei Bedarf mit einem Teelöffel Honig, mittags ein Glas frisch gepressten Obst- oder Gemüsesaft und abends eine warme Gemüsebrühe. Zusammen sind das rund 150 bis 250 Kalorien. Dazu trinkst Du reichlich Wasser und ungesüßten Tee, insgesamt etwa zweieinhalb bis drei Liter am Tag. Ein warmer Leberwickel am Mittag und tägliche Bewegung an der frischen Luft gehören fest dazu: Sie fördern die Durchblutung und helfen, den Kreislauf in Schwung zu halten.
Das Fastenbrechen
Das Fastenbrechen ist der bewusste Übergang zurück zur festen Nahrung und für viele ein kleines Ritual. Klassisch wird mittags am letzten Fastentag ein Apfel langsam und gründlich gekaut gegessen, abends gibt es statt der klaren Brühe eine sämige Kartoffel-Gemüse-Suppe. Wie Du diesen Moment richtig gestaltest und welche Fehler Du vermeiden solltest, erklären wir ausführlich im Beitrag zum Fastenbrechen.
Die Aufbautage
In den Aufbautagen gewöhnst Du Deinen Körper Schritt für Schritt wieder an normales Essen. Die Kalorienmenge steigt langsam an, von etwa 800 über 1000 und 1200 bis hin zu rund 1500 Kalorien. Du beginnst mit leicht verdaulicher, pflanzlicher Kost, lässt Fett und Alkohol anfangs weg und führst Eiweiß behutsam wieder ein. Diese Phase ist genauso wichtig wie das Fasten selbst: Wer hier zu schnell und zu viel isst, riskiert Magen-Darm-Beschwerden und verschenkt einen Teil des Effekts.
Wie lange sollte man nach Buchinger fasten?
Für gesunde Erwachsene gilt eine Fastenkur von fünf bis zehn Tagen als guter Rahmen, dazu kommen die Entlastungs- und Aufbautage. In spezialisierten Fastenkliniken wird unter ärztlicher Aufsicht auch zwei bis drei Wochen oder länger gefastet. Wenn Du zum ersten Mal fastest, starte lieber kürzer, etwa mit fünf Fastentagen, und am besten unter erfahrener Begleitung. So lernst Du Deine Reaktionen kennen und hast jemanden an Deiner Seite, falls eine Fastenkrise auftritt.
Was bringt Buchinger-Fasten? Das sagt die Forschung
Spätestens am zweiten oder dritten Fastentag stellt der Stoffwechsel um: Statt auf Zucker greift der Körper nun verstärkt auf Fettreserven zurück und bildet sogenannte Ketonkörper als Energiequelle. Viele Fastende beschreiben in dieser Phase ein Gefühl von Leichtigkeit und Klarheit.
Wie sich das Buchinger-Fasten auswirkt, hat die bislang größte Untersuchung dazu gezeigt: Ein Team um die Ärztin Françoise Wilhelmi de Toledo wertete die Daten von 1.422 Menschen aus, die fünf, zehn, fünfzehn oder zwanzig Tage nach Buchinger fasteten (veröffentlicht 2019 in der Fachzeitschrift PLOS ONE). Das Ergebnis: Bei rund 84 Prozent der Teilnehmenden mit chronischen Beschwerden besserten sich die Symptome, etwa 93 Prozent verspürten während des Fastens keinen Hunger. Die Forschenden beobachteten zudem einen deutlichen Gewichtsverlust, einen geringeren Bauchumfang sowie verbesserte Werte bei Blutdruck und Blutzucker. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten unter ärztlicher Begleitung kaum auf.
Wichtig einzuordnen: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die zeigt, dass medizinisch begleitetes Fasten sicher durchführbar ist und mit messbaren Verbesserungen einhergeht. Sie ist aber kein Beweis dafür, dass Fasten Krankheiten heilt. Heilfasten ersetzt keine ärztliche Behandlung, und Du solltest es nicht als Therapie auf eigene Faust einsetzen.
Für wen ist Heilfasten nach Buchinger geeignet, für wen nicht?
Für gesunde Erwachsene ist eine begleitete Buchinger-Fastenkur in der Regel gut machbar. Es gibt jedoch Situationen, in denen Du auf das Fasten verzichten oder es nur unter enger ärztlicher Aufsicht angehen solltest. In diesen Fällen ist Heilfasten nicht geeignet:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie
- starkes Untergewicht oder Mangelernährung
- fortgeschrittene Leber- oder Nierenerkrankungen
- eine ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion
- Kinder und Jugendliche im Wachstum
Auch wenn Du regelmäßig Medikamente nimmst oder an einer chronischen Erkrankung wie Diabetes leidest, ist Fasten nicht grundsätzlich ausgeschlossen, muss aber unbedingt ärztlich abgestimmt werden: Der Bedarf an Blutdruck- oder Diabetesmedikamenten kann sich während des Fastens verändern. Sprich im Zweifel vor dem Start mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Buchinger-Fasten zu Hause oder in einer Fastenklinik?
Grundsätzlich kannst Du nach Buchinger auch zu Hause fasten, wenn Du gesund und erfahren bist. Gerade beim ersten Mal spricht aber vieles für einen begleiteten Rahmen: In einem guten Fastenhotel kümmern sich erfahrene Fastenleiter um Ablauf und Sicherheit, es gibt Fastengespräche, geführte Wanderungen und Anwendungen, und Du bist raus aus dem Alltag, was das Durchhalten enorm erleichtert.
Ein Beispiel für eine solche Begleitung ist das Hotel Therme in Bad Teinach im nördlichen Schwarzwald, wo Conny und Reiner mit über 30 Jahren Erfahrung Buchinger-Fasten und Basenfasten anbieten und das Fasten mit Thermalwasser und Wellness verbinden. Wer lieber in einer bestimmten Gegend fasten möchte, findet auch über die passende Region einen Einstieg, etwa bei einer Fastenkur in Baden-Württemberg mit ihren vielen Heilbädern und Thermalquellen.
Heilfasten nach Buchinger ist eine seit über hundert Jahren bewährte, klar strukturierte Fastenmethode: ein paar Tage Verzicht auf feste Nahrung, getragen von Saft, Brühe, Tee und viel Bewegung, eingerahmt von Entlastungs- und Aufbautagen. Richtig durchgeführt und an die passenden Menschen gerichtet, kann es eine wohltuende Auszeit für Körper und Geist sein. Entscheidend ist, ehrlich zu prüfen, ob die Methode zu Deiner Gesundheit passt, im Zweifel ärztlichen Rat einzuholen und die erste Kur begleiten zu lassen.
Häufige Fragen
Wie viel nimmt man beim Buchinger-Fasten ab?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von Ausgangsgewicht, Fastendauer und Stoffwechsel ab. In den ersten Tagen verliert der Körper vor allem Wasser, danach pendelt sich der Verlust meist bei einem moderaten Wert pro Tag ein. Ein Teil des Gewichts kommt nach der Kur zurück, sobald die Glykogenspeicher wieder gefüllt sind. Buchinger-Fasten ist deshalb kein Werkzeug zum gezielten Abnehmen, sondern in erster Linie eine Auszeit für den Stoffwechsel.
Darf ich beim Buchinger-Fasten Kaffee trinken?
Klassisch gehört Kaffee nicht dazu und wird, wie Schwarztee, schon an den Entlastungstagen weggelassen. Manche Fastende reagieren in den ersten Tagen mit Kopfschmerzen auf den Koffeinentzug. Wenn Du sonst viel Kaffee trinkst, kann es helfen, die Menge bereits vor der Kur langsam zu reduzieren.
Was ist der Unterschied zwischen Buchinger-Fasten und Basenfasten?
Beim Buchinger-Fasten verzichtest Du über mehrere Tage komplett auf feste Nahrung und nimmst nur Flüssiges zu Dir. Beim Basenfasten isst Du dagegen weiter, allerdings ausschließlich basische, pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Kräuter. Basenfasten ist damit die mildere Variante und auch für Einsteiger oder für das Fasten neben dem Berufsalltag gut geeignet.
Kann ich während des Fastens Sport treiben?
Moderate Bewegung ist ausdrücklich erwünscht und Teil der Methode: Spaziergänge, leichtes Wandern, sanfte Gymnastik oder Yoga unterstützen den Kreislauf. Auf intensives Training und Höchstleistungen solltest Du dagegen verzichten, weil dem Körper dafür schlicht die Energie fehlt. Höre auf Deine Signale und leg bei Schwindel oder Schwäche eine Pause ein.
Brauche ich für Buchinger-Fasten eine ärztliche Begleitung?
Gesunde Erwachsene können nach Buchinger grundsätzlich auch ohne ständige ärztliche Aufsicht fasten. Empfehlenswert ist eine ärztliche Begleitung aber für längere Fastenzeiten, bei der ersten Fastenkur und immer dann, wenn Du Vorerkrankungen hast oder regelmäßig Medikamente nimmst. Im Zweifel gilt: lieber einmal mehr nachfragen.










