Glaskanne mit frischem Kräutertee

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Hunger beim Fasten: Wann er nachlässt und was wirklich dagegen hilft

Autor: Conny Wettcke

Veröffentlicht am: 17.09.2026

„Wie halte ich die Tage ohne Essen bloß aus?“ Diese Sorge hält viele vom Fasten ab. Die gute Nachricht zuerst: Der Hunger beim Fasten ist meist deutlich milder, als Du befürchtest, und er lässt in der Regel nach den ersten zwei bis drei Tagen spürbar nach. Statt gleichmäßig anzusteigen, kommt er in Wellen, meist rund um Deine gewohnten Essenszeiten, und ebbt danach wieder ab.

In diesem Artikel erfährst Du, warum Hunger überhaupt entsteht, was in Deinem Körper passiert, wenn das Hungergefühl nach ein paar Tagen kippt, wie stark der Hunger je nach Fastenmethode ausfällt und mit welchen einfachen Mitteln Du die ersten Tage gut überstehst.

Warum habe ich beim Fasten überhaupt Hunger?

Für das Hungergefühl ist vor allem ein Hormon zuständig: Ghrelin. Es wird überwiegend in der Magenschleimhaut gebildet, steigt vor den Mahlzeiten an und meldet Deinem Gehirn, dass Nachschub fällig ist; nach dem Essen sinkt es wieder ab. Dazu kommen ein leerer Magen und ein sinkender Blutzuckerspiegel, deren Signale im Hypothalamus zusammenlaufen, dem Steuerzentrum für Hunger und Sättigung.

Wichtig zu verstehen: Ein großer Teil dieses Hungers ist schlicht Gewohnheit. Dein Körper hat gelernt, zu bestimmten Uhrzeiten Nahrung zu erwarten, und genau dann meldet sich Ghrelin, ob Du fastest oder nicht. Deshalb kommt der Hunger in Wellen und nicht als stetig wachsender Dauerzustand.

Wann lässt der Hunger beim Fasten nach?

Bei den meisten Fastenden ist der Hunger am ersten und zweiten Tag am stärksten und flaut ab dem dritten Tag deutlich ab. Der Grund liegt im Stoffwechsel.

In den ersten Stunden ohne Nahrung greift Dein Körper auf seine Zuckerspeicher (Glykogen) in Leber und Muskeln zurück. Diese sind nach etwa 24 Stunden weitgehend geleert. Danach stellt der Stoffwechsel auf Fettverbrennung um und bildet sogenannte Ketonkörper, die Gehirn und Muskeln als Ersatzbrennstoff nutzen. Ab wann dieser Umschwung in die Ketose einsetzt, hängt von Person und Methode ab.

Genau dieser Wechsel dämpft das Hungergefühl. Studien zeigen allerdings, dass der Effekt an eine ausreichend tiefe Ketose gebunden ist: Eine nur leichte Ketose, wie sie eine kohlenhydratreduzierte Kost erzeugt, reicht dafür oft nicht aus, erst der stärkere Umschwung eines echten Fastens dämpft Appetit und Ghrelin spürbar.

Auch Ghrelin selbst verhält sich anders, als viele denken. Statt immer weiter zu steigen, bleibt es zu Beginn des Fastens etwa einen Tag lang stabil und sinkt im weiteren Verlauf sogar ab. Der Körper stellt sich also aktiv auf die Fastensituation ein, statt Dich mit wachsendem Hunger zu bestrafen.

Hängt der Hunger von der Fastenmethode ab?

Ja, und zwar deutlich. Wie stark Du Hunger spürst, hängt vor allem davon ab, welche Methode Du wählst:

  • Beim Basenfasten isst Du weiterhin, allerdings ausschließlich basische, pflanzliche Lebensmittel. Weil der Magen gefüllt bleibt, ist das Hungergefühl hier am mildesten. Für Einsteiger ist das oft der sanfteste Weg.
  • Beim Heilfasten und beim Buchinger-Fasten verzichtest Du auf feste Nahrung und nimmst nur Brühe, Säfte und Tee zu Dir. Der Hunger ist anfangs präsenter, verschwindet dank Ketose bei vielen aber schon nach wenigen Tagen.
  • Beim Intervallfasten fastest Du nur stundenweise. Der Hunger meldet sich meist nur im gewohnten Essensfenster und ist gut auszuhalten, weil die nächste Mahlzeit nie weit ist.

In der bislang größten Auswertung zum Buchinger-Fasten mit 1.422 Teilnehmenden berichteten 93,2 Prozent, während des Fastens gar keinen Hunger zu verspüren, und Körpergefühl wie Stimmung besserten sich im Verlauf der Fastentage.

Was hilft gegen Hunger beim Fasten?

Hunger beim Fasten ist selten ein Dauerzustand, sondern eine Welle, die kommt und geht. Mit ein paar einfachen Strategien überbrückst Du die Spitzen, bis sie vorüber sind:

  • Viel trinken: Wasser, ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee und warme Gemüsebrühe füllen den Magen und lindern das Hungergefühl. Welche Getränke erlaubt sind, liest Du im Ratgeber Was darf man beim Fasten trinken.
  • In Bewegung bleiben: Ein Spaziergang an der frischen Luft lenkt ab und dämpft den Appetit, ohne Dich zu überfordern.
  • Warm halten: Frierst Du, meldet sich der Körper gern mit Hunger. Eine Wärmflasche oder ein heißer Tee helfen doppelt.
  • Die Welle abwarten: Hunger aus Gewohnheit oder Langeweile verfliegt oft nach zehn bis fünfzehn Minuten. Warte ihn bewusst ab, statt sofort nachzugeben.
  • Gut schlafen: Zu wenig Schlaf lässt viele tagsüber öfter an Essen denken. Ausreichend Schlaf hilft, den Appetit im Zaum zu halten.

Begleitet fasten: leichter durch die erste Fastenzeit

Gerade beim ersten Mal fällt es leichter, den Hunger auszuhalten, wenn Du nicht allein bist. In einem Fastenhotel geben Tagesstruktur, warme Brühen, Bewegung an der frischen Luft und die Begleitung erfahrener Fastenleiter Halt, wenn der Hunger doch einmal drückt.

Geführte Angebote findest Du zum Beispiel im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Das Hotel Therme in Bad Teinach etwa kombiniert Buchinger- und Basenfasten mit täglichen Wanderungen, Vorträgen und Thermalbad, sodass die Fastentage bewusst und gut begleitet vergehen.

Zusammengefasst: Hunger beim Fasten ist normal, aber meist kürzer und milder, als viele erwarten. Er kommt in Wellen rund um die gewohnten Essenszeiten, ist an den ersten beiden Tagen am stärksten und lässt nach, sobald Dein Körper auf Fettverbrennung umgeschaltet hat. Mit ausreichend Trinken, Bewegung und etwas Geduld überstehst Du diese erste Phase gut.

Ein Hinweis noch: Anhaltender, quälender Hunger mit Schwäche, Zittern oder Kreislaufproblemen ist kein Gefühl, das Du übergehen solltest. Fasten ist nicht für jeden geeignet. Wer schwanger ist oder stillt, eine Essstörung hat oder hatte, untergewichtig ist, unter Vorerkrankungen leidet oder Medikamente einnimmt, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Wie lange hat man beim Fasten Hunger?

Am stärksten ist der Hunger meist am ersten und zweiten Tag. Ab dem dritten Tag lässt er bei vielen deutlich nach, weil der Körper dann auf Fettverbrennung umgestellt hat. Beim Basenfasten, bei dem Du weiterhin isst, ist er von Anfang an milder.

Verschwindet der Hunger beim Fasten wirklich ganz?

Bei vielen ja. In einer großen Studie zum Buchinger-Fasten gaben 93,2 Prozent der Teilnehmenden an, während des Fastens keinen Hunger zu verspüren. Ein flaues Gefühl oder Appetit zu den gewohnten Essenszeiten kann aber bleiben.

Was kann ich sofort tun, wenn der Hunger kommt?

Trinke ein großes Glas Wasser, eine Tasse warmen Tee oder eine Gemüsebrühe und warte zehn bis fünfzehn Minuten. Meist zieht die Hungerwelle in dieser Zeit vorüber. Ein kurzer Spaziergang hilft zusätzlich.

Warum habe ich abends mehr Hunger als morgens?

Ghrelin steigt vor allem vor Deinen gewohnten Mahlzeiten an. Wer sonst abends viel isst, spürt den Hunger daher oft besonders am frühen Abend. Es hilft, gerade diese Zeit bewusst mit Tee, einem Spaziergang oder einer ruhigen Beschäftigung zu füllen.

Quellen

  1. Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting periodPLOS ONE · 2019 · abgerufen am 17.09.2026journals.plos.org
  2. Leptin und Ghrelin: So steuern sie unseren AppetitAOK · abgerufen am 17.09.2026aok.de
  3. Relationship between Ketones, Ghrelin, and Appetite on Isocaloric DietsThe Journal of Nutrition · 2023 · abgerufen am 17.09.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  4. The Effects of Exercise on Appetite-Regulating Hormone Concentrations over a 36-h FastNutrients · 2023 · abgerufen am 17.09.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov

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