Zwei Gläser Wasser auf Holztisch

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Fasten und Gicht: Warum die Harnsäure steigt und worauf Du achten musst

Autor: Reiner Wettcke

Veröffentlicht am: 04.09.2026

Du planst eine Fastenkur, hast aber schon einmal einen Gichtanfall erlebt oder kennst leicht erhöhte Harnsäurewerte aus dem Blutbild? Dann ist Deine Vorsicht berechtigt. Ja, Fasten kann den Harnsäurespiegel im Blut vorübergehend ansteigen lassen und bei entsprechend veranlagten Menschen einen Gichtanfall auslösen. Der Grund liegt im Stoffwechsel: Beim Fasten bildet Dein Körper vermehrt Ketonkörper, und die bremsen die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere. Wer bereits Gicht hatte oder eine bekannte Hyperurikämie mitbringt, sollte deshalb nicht auf eigene Faust streng fasten, sondern das vorher ärztlich abklären.

In diesem Artikel erfährst Du, warum die Harnsäure beim Fasten steigt, ab wann sie kritisch wird, für wen das Fasten riskant ist und mit welchen konkreten Schritten Du einem Anfall vorbeugst. Und Du erfährst, warum eine ruhige, langsame Gewichtsabnahme der Gicht langfristig sogar guttun kann.

Warum steigt beim Fasten die Harnsäure?

Sobald Du nichts oder kaum etwas isst, schaltet Dein Körper auf die Fettverbrennung um. In der Leber entstehen dabei aus den Fetten sogenannte Ketonkörper, die Dir als Energiequelle dienen. Wie tief Dein Körper in diese Ketose beim Fasten eintritt, hängt von der Fastenform ab. Das Problem: Ketonkörper und Harnsäure nutzen in der Niere denselben Weg nach draußen. Steigen die Ketonkörper, wird die Harnsäure ausgebremst und bleibt im Blut.

Dazu kommen zwei weitere Effekte. Wenn beim längeren Fasten neben Fett auch körpereigenes Eiweiß abgebaut wird, werden Purine frei, aus denen wiederum Harnsäure entsteht. Und weil der Körper beim Fasten Flüssigkeit spart, wird über den Urin weniger Harnsäure ausgeschwemmt. Wichtig zu wissen: Dieser Anstieg ist vorübergehend und geht nach dem Fastenbrechen wieder zurück. Genau während der Fastenphase selbst ist das Risiko für einen Anfall aber am höchsten.

Was ist Gicht und ab wann wird Harnsäure gefährlich?

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern und dort schmerzhafte Entzündungen auslösen. Voraussetzung ist eine dauerhaft erhöhte Harnsäure im Blut, die sogenannte Hyperurikämie. Als Faustregel gilt: Bleibt der Harnsäurewert unter rund 6 mg/dl, bilden sich keine neuen Kristalle und bestehende Ablagerungen können sich langsam auflösen.

Ein akuter Gichtanfall zeigt sich typischerweise als plötzlicher, heftiger Schmerz in einem Gelenk, oft nachts und klassischerweise im Grundgelenk der großen Zehe (das sogenannte Podagra), begleitet von Rötung und Schwellung. Betroffen sind vor allem Männer im mittleren Lebensalter sowie Frauen nach den Wechseljahren.

Für wen ist Fasten bei Gicht riskant?

Besonders vorsichtig solltest Du sein, wenn Du bereits einen Gichtanfall hattest oder erhöhte Harnsäurewerte kennst. Fachleute raten Menschen mit Hyperurikämie ausdrücklich davon ab, streng zu fasten oder eine Nulldiät zu machen, weil die Ketonkörper die Harnsäureausscheidung hemmen und so einen Anfall auslösen können.

Ein oft unterschätzter Verstärker sind entwässernde Medikamente. Nimmst Du harntreibende Mittel (Diuretika), etwa gegen Bluthochdruck, konzentriert sich die Harnsäure im verbleibenden Körperwasser zusätzlich, und das Risiko steigt weiter. Welche Wirkstoffe beim Fasten heikel sind, besprichst Du am besten vorab mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Mehr dazu liest Du im Beitrag Fasten und Medikamente.

Wie kannst Du beim Fasten einem Gichtanfall vorbeugen?

Wenn Du zu Gicht neigst, heißt das nicht automatisch, dass Fasten für Dich tabu ist. Mit der richtigen Vorbereitung und einer schonenden Form lässt sich das Risiko deutlich senken. Diese Punkte helfen Dir:

Eine bewährte, ärztlich begleitete Methode ist das klassische Heilfasten. In einem spezialisierten Haus wie dem Hotel Therme in Bad Teinach, einem reinen Fastenhaus im Schwarzwald in Baden-Württemberg, wirst Du während der Kur betreut, was gerade bei einer Neigung zu Gicht ein echter Sicherheitsgewinn ist.

Kann Fasten der Gicht langfristig sogar helfen?

Hier steckt der scheinbare Widerspruch: Kurzfristig erhöht Fasten das Anfallrisiko, langfristig kann eine ruhige Gewichtsabnahme die Harnsäure aber senken. Schon eine moderate Reduktion des Körpergewichts normalisiert erhöhte Harnsäurewerte oft wieder, wenn sie langsam und stetig erfolgt. Entscheidend ist danach die dauerhafte Ernährung: Eine purinarme, vollwertige Kost mit rund 500 mg Harnsäure pro Tag hilft, die Werte im Zaum zu halten.

Fasten kann also der Startpunkt für eine dauerhafte Umstellung sein, nicht die schnelle Radikalkur. Der Nutzen entsteht nicht durch möglichst hartes Hungern, sondern durch den ruhigen Weg zu einem gesunden Gewicht und einer bewussteren Ernährung.

Kurz gesagt: Fasten und Gicht vertragen sich, wenn Du es klug angehst. Der vorübergehende Anstieg der Harnsäure ist ein realer Effekt, aber kein Grund zur Panik, solange Du gut hydriert bleibst, langsam abnimmst, eine milde Fastenform wählst und Vorerkrankungen vorher ärztlich klärst. Fasten ist kein Heilmittel gegen Gicht und nicht für jeden geeignet. Wenn Du chronisch krank bist, Medikamente nimmst, schwanger bist oder eine Essstörung kennst, hol Dir zuerst ärztlichen Rat.

Häufige Fragen

Darf ich mit Gicht überhaupt fasten?

Nur nach ärztlicher Rücksprache und am besten in einer milden, begleiteten Form. Strenges Fasten und Nulldiäten solltest Du bei Hyperurikämie meiden, weil sie einen Gichtanfall auslösen können.

Wie lange bleibt die Harnsäure beim Fasten erhöht?

Der Anstieg ist vorübergehend und betrifft vor allem die Fastenphase mit der stärksten Ketonkörperbildung. Nach dem Kostaufbau geht der Wert zurück, und langfristig kann eine langsame Gewichtsabnahme die Harnsäure sogar dauerhaft senken.

Welche Fastenmethode ist bei erhöhter Harnsäure am schonendsten?

Milde, basisch orientierte Formen wie Basenfasten sind schonender als strenges Wasserfasten oder eine Nulldiät, weil der Körper nicht so tief in die Ketose geht. Faste am besten unter fachkundiger Begleitung.

Muss ich beim Fasten mehr trinken, wenn ich zu Gicht neige?

Ja. Zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag helfen, die Harnsäure auszuspülen und Ablagerungen in der Niere zu vermeiden.

Woran erkenne ich einen Gichtanfall?

An einem plötzlichen, heftigen Gelenkschmerz, oft nachts und typischerweise im Grundgelenk der großen Zehe, zusammen mit Rötung und Schwellung. Bei solchen Beschwerden brichst Du das Fasten ab und suchst ärztlichen Rat.

Quellen

  1. Vorsicht bei Festen und beim FastenPharmazeutische Zeitung · 2009 · abgerufen am 04.09.2026pharmazeutische-zeitung.de
  2. Unkontrolliertes Fasten mit Diuretika kann Gicht auslösenInternisten im Netz (Berufsverband Deutscher Internisten) · 2011 · abgerufen am 04.09.2026internisten-im-netz.de
  3. GichtMSD Manual, Ausgabe für Patienten · 2025 · abgerufen am 04.09.2026msdmanuals.com
  4. Gicht: Ernährungsempfehlungen und TippsInternisten im Netz (Berufsverband Deutscher Internisten) · 2022 · abgerufen am 04.09.2026internisten-im-netz.de

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