Gespräch bei Tee im Garten

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Wer sollte nicht fasten? Kontraindikationen und wann ärztlicher Rat nötig ist

Autor: Reiner Wettcke

Veröffentlicht am: 18.07.2026

Bevor Du Dich auf Deine erste Fastenkur freust, steht eine ehrliche Frage: Darf ich das überhaupt? Für die allermeisten gesunden Erwachsenen ist Fasten unbedenklich. Nicht fasten solltest Du jedoch in der Schwangerschaft und Stillzeit, als Kind oder Jugendlicher, bei einer Essstörung, bei starkem Untergewicht sowie bei Typ-1-Diabetes oder einer Insulintherapie. Und wenn Du regelmäßig Medikamente nimmst oder chronisch krank bist, gehört vor den ersten Fastentag ein Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

In diesem Artikel erfährst Du, für wen Fasten wirklich tabu ist, wer nur unter ärztlicher Begleitung fasten sollte, worauf Du bei Diabetes und Medikamenten achten musst und welche sanfteren Alternativen es gibt, wenn strenges Fasten nichts für Dich ist.

Ist Fasten gefährlich? Für gesunde Menschen meist nicht

Für stoffwechselgesunde Erwachsene gilt Fasten als sicher, wenn es vernünftig durchgeführt wird. In einer Beobachtungsstudie mit 1422 Menschen, die 4 bis 21 Tage unter täglicher ärztlicher Betreuung fasteten, kam es zu keinem lebensbedrohlichen Ereignis, ernste Nebenwirkungen traten nur bei 0,7 Prozent auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält zwei bis vier Fastentage pro Monat für die meisten Menschen für unbedenklich, nimmt davon aber Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und alte Menschen ausdrücklich aus.

Wichtig ist das Kleingedruckte dieser Studie: Die Teilnehmenden wurden täglich von Pflegekräften und Fastenärzten begleitet. Was in einer Klinik sicher ist, ist es allein zu Hause nicht automatisch. Genau deshalb lohnt sich der ehrliche Blick, in welche Gruppe Du gehörst.

Wer sollte gar nicht fasten?

Es gibt Situationen, in denen der Körper jede Kalorie und jeden Nährstoff braucht oder in denen der Nahrungsentzug ein echtes Risiko darstellt. Nach den Leitlinien der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung sollten diese Gruppen auf ein klassisches Heilfasten verzichten:

  • Schwangere und Stillende: Dein Körper versorgt in dieser Zeit zwei Menschen, ein Kaloriendefizit ist hier fehl am Platz.
  • Kinder und Jugendliche: Sie wachsen noch und haben einen anderen Nährstoffbedarf.
  • Menschen mit einer Essstörung, akut oder in der Vergangenheit: Fasten kann alte Muster wieder anstoßen.
  • Stark untergewichtige Menschen (Kachexie): Wenn kaum Reserven da sind, gibt es nichts zu entbehren.
  • Typ-1-Diabetes und insulinpflichtiger Typ-2-Diabetes: Ohne engmaschige Kontrolle drohen gefährliche Blutzuckerschwankungen.
  • Schwere Erkrankungen von Herz, Leber oder Nieren, Krebserkrankungen, Psychosen, eine unkontrollierte Schilddrüsenüberfunktion, fortgeschrittene Demenz oder Suchterkrankungen.

Diese Liste ist keine Bange-mach-Liste, sondern gelebte ärztliche Vorsicht. Im Zweifel gilt: erst abklären, dann entscheiden. Und es heißt nicht in jedem Fall ein striktes Nein, sondern manchmal nur, dass Fasten in Deinem Fall in erfahrene Hände gehört.

Fasten mit Diabetes: Nur unter ärztlicher Aufsicht

Diabetes ist der Klassiker unter den Grenzfällen. Wer Insulin spritzt oder blutzuckersenkende Tabletten wie Sulfonylharnstoffe nimmt, riskiert beim Fasten gefährliche Unterzuckerungen, weil die gewohnte Dosis auf einmal viel zu hoch sein kann. diabetesDE weist darauf hin, dass das Risiko für Unterzuckerungen während des Fastens deutlich steigt, und rät, das Behandlungsschema möglichst schon drei Monate vor Fastenbeginn mit der Ärztin oder dem Arzt anzupassen.

Menschen mit Typ-1-Diabetes wird vom Fasten in der Regel ganz abgeraten. Bei gut eingestelltem Typ-2-Diabetes ohne Insulin ist Fasten unter Begleitung dagegen oft möglich, aber eben nur mit Plan, regelmäßiger Blutzuckerkontrolle und der klaren Regel, das Fasten bei einer Unterzuckerung sofort zu unterbrechen. Das ist ein weiterer Grund, warum eine begleitete Heilfasten-Kur in einer Fastenklinik oder einem spezialisierten Fastenhaus für Menschen mit Vorerkrankungen die sicherere Wahl ist.

Du nimmst Medikamente? Das musst Du vorher klären

Regelmäßige Medikamente sind kein automatisches Fasten-Verbot, aber ein zwingender Grund für ärztliche Rücksprache. Der Grund: Fasten verändert den Stoffwechsel, und viele Wirkstoffe wirken dann stärker. Besonders heikel sind blutdrucksenkende Mittel, entwässernde Medikamente und Blutverdünner wie Marcumar, deren Wirkung sich verstärken kann.

Beim Blutdruck lässt sich das gut zeigen: In einer Auswertung mit 1610 Fastenden konnte die Blutdruckmedikation unter ärztlicher Begleitung in den meisten Fällen reduziert oder abgesetzt werden, weil das Fasten den Blutdruck von selbst senkte. Genau das ist aber der Punkt: Ohne Kontrolle könnte die gewohnte Dosis den Blutdruck zu weit absacken lassen. Setze Deine Medikamente deshalb niemals eigenmächtig ab oder um, sondern nur in Absprache mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Wann Fasten nur unter Begleitung sinnvoll ist

Zwischen kerngesund und klarem Nein liegt eine große Grauzone. Ältere Menschen, Personen mit niedrigem Blutdruck, Gicht, Gallensteinen oder anderen chronischen Erkrankungen können oft fasten, aber besser nicht auf eigene Faust. Für sie, und für alle, die zum ersten Mal länger fasten, ist eine fachkundige Begleitung Gold wert.

Ein spezialisiertes Fastenhaus nimmt Dir hier viel Unsicherheit ab: Vor dem Fasten steht ein Gesundheitscheck, während der Kur bist Du in Begleitung, und die Fastenleitung erkennt früh, wenn etwas nicht stimmt. Unser Stammhaus, das Hotel Therme in Bad Teinach, ist zum Beispiel ein reines Fastenhaus mit begleitetem Buchinger-, Basen- und Heilfasten im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Wenn Du unsicher bist, ob Fasten für Dich geeignet ist, ist ein solcher betreuter Rahmen die entspannteste Lösung.

Sanftere Alternativen, wenn striktes Fasten nichts für Dich ist

Fasten ist nicht alles oder nichts. Wenn ein striktes Heil- oder Wasserfasten für Dich nicht in Frage kommt, gibt es mildere Wege, die den Körper weniger fordern. Beim Basenfasten isst Du zum Beispiel drei basische Mahlzeiten am Tag und hungerst nicht, was es für viele verträglicher macht. Auch Entlastungstage mit leichter Kost oder ein sanftes Intervallfasten sind ein guter Einstieg, um zu spüren, wie Dein Körper auf weniger reagiert.

Wie Du Deinen Körper schrittweise an eine Fastenzeit heranführst, liest Du im Beitrag zu den Entlastungstagen vor dem Fasten. Aber auch für diese milderen Formen gilt: Bei einer ernsteren Erkrankung oder Medikamenteneinnahme geht der erste Weg zur ärztlichen Beratung.

Kurz gesagt: Die meisten gesunden Erwachsenen dürfen fasten, aber nicht jeder und nicht immer allein. Ein klares Nein gilt in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und Jugendlichen, bei Essstörungen, starkem Untergewicht und Typ-1-Diabetes. Bei Diabetes, Medikamenten oder chronischen Erkrankungen entscheidet nicht das Internet, sondern Deine Ärztin oder Dein Arzt, ob und wie Du fasten kannst. Hörst Du auf diese Grenzen, wird Fasten das, was es sein soll: eine wohltuende Auszeit, kein Risiko.

Häufige Fragen

Darf ich mit Bluthochdruck fasten?

Oft ja, aber nur mit ärztlicher Begleitung. Fasten senkt den Blutdruck häufig von selbst, sodass Deine gewohnte Dosis zu hoch werden kann. Deshalb muss die Medikation während des Fastens ärztlich kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden. Setze nichts eigenmächtig ab.

Kann ich fasten, wenn ich die Pille nehme?

Die Antibabypille ist kein grundsätzliches Fasten-Hindernis, aber sprich es sicherheitshalber mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt ab. Generell gilt: Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte vor dem Fasten ärztliche Rücksprache halten, weil sich die Wirkung verändern kann.

Ab welchem Alter darf man fasten?

Kinder und Jugendliche sollten nicht fasten, weil sie noch wachsen und einen erhöhten Nährstoffbedarf haben. Auch die DGE nimmt sie ausdrücklich aus. Klassisches Fasten ist etwas für gesunde Erwachsene.

Darf ich in der Stillzeit fasten?

Nein. In Schwangerschaft und Stillzeit ist Fasten kontraindiziert, weil Dein Körper in dieser Zeit einen erhöhten Nährstoffbedarf hat. Warte damit, bis Du abgestillt hast, und sprich den Zeitpunkt im Zweifel ärztlich ab.

Woran erkenne ich, dass ich das Fasten abbrechen sollte?

Anhaltende Kreislaufprobleme, Herzrasen, starke Schwäche oder Anzeichen einer Unterzuckerung wie Zittern und kalter Schweiß sind klare Stoppsignale. Bei Diabetes gilt: Fällt der Blutzucker zu tief, musst Du das Fasten sofort unterbrechen und etwas essen. Höre im Zweifel auf Deinen Körper und brich lieber einmal zu früh ab.

Quellen

  1. Leitlinien zur FastentherapieÄrztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) · 2013 · abgerufen am 18.07.2026aerztegesellschaft-heilfasten.de
  2. Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting periodPLOS ONE · 2019 · abgerufen am 18.07.2026journals.plos.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fasten eignet sich nicht als DiätDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · 2018 · abgerufen am 18.07.2026ernaehrungs-umschau.de
  4. Fasten mit Diabetes: Hinweise zu Insulin und UnterzuckerungdiabetesDE, Deutsche Diabetes-Hilfe · abgerufen am 18.07.2026diabetesde.org
  5. Langzeitfasten senkt Bluthochdruck und reduziert den Bedarf an MedikamentenÄrztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) · 2020 · abgerufen am 18.07.2026aerztegesellschaft-heilfasten.de

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