Frisches Gemüse aus dem Garten

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Basische Lebensmittel: Welche wirklich basisch sind und welche sauer

Autor: Reiner Wettcke

Veröffentlicht am: 09.07.2026

Zitrone schmeckt sauer, wirkt im Körper aber basisch, Käse schmeckt mild und zählt zu den stärksten Säurebildnern. Ob ein Lebensmittel basisch ist, entscheidet also nicht der Geschmack, sondern das, was bei seiner Verstoffwechslung übrig bleibt: Basisch wirken vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Salat, Kräuter, Pilze und Kartoffeln, säurebildend dagegen tierisches Eiweiß wie Fleisch, Fisch und Käse sowie Getreideprodukte und Zucker. Wichtig vorab: Dein Körper hält seinen Säure-Basen-Haushalt selbst stabil. Eine basenreiche Kost ist trotzdem sinnvoll, nur aus anderen Gründen, als oft behauptet wird.

In diesem Artikel erfährst Du, was ein Lebensmittel basisch oder sauer macht, welche Lebensmittel konkret zu den Basenbildnern und welche zu den Säurebildnern gehören, wie viel von beidem sinnvoll ist und warum Du vor einer „Übersäuerung“ keine Angst haben musst.

Was macht ein Lebensmittel basisch oder sauer?

Entscheidend ist nicht, wie ein Lebensmittel schmeckt oder ob es selbst sauer reagiert, sondern welche Stoffe bei der Verdauung entstehen. Um das einzuordnen, nutzt die Ernährungswissenschaft den PRAL-Wert (Potential Renal Acid Load). Er gibt an, wie viel Säure die Nieren nach einer Mahlzeit ausscheiden müssen, um den pH-Wert konstant zu halten. Eingeführt haben dieses Rechenmodell die Ernährungswissenschaftler Thomas Remer und Friedrich Manz im Jahr 1995: Ein negativer PRAL-Wert bedeutet basische Wirkung, ein positiver eine säurebildende, und ihre berechneten Werte sagten den pH-Wert des Urins gut voraus. Ausschlaggebend ist die Mineralstoff- und Eiweißzusammensetzung: Kalium, Calcium und Magnesium aus Pflanzen wirken basisch, schwefelhaltige Aminosäuren und Phosphat aus tierischem Eiweiß säurebildend.

Deshalb landet die Zitrone trotz ihres sauren Geschmacks bei den Basenbildnern, während mild schmeckender Hartkäse mit einem PRAL-Wert von rund 23 Milliäquivalenten pro 100 Gramm der stärkste Säurebildner überhaupt ist.

Welche Lebensmittel sind basisch?

Basenbildner sind fast ausnahmslos pflanzlich, und je frischer und bunter, desto besser. Zu den zuverlässigen Basenlieferanten gehören:

  • Gemüse aller Art, besonders Spinat, Grünkohl, Fenchel, Zucchini, Blumenkohl, Sellerie und Kartoffeln
  • Obst wie Aprikosen, Kiwi, Birnen, Beeren und Bananen, auch säuerlich schmeckendes wie Zitrone
  • Salate, frische Kräuter und Pilze
  • Nüsse und Samen, allen voran Mandeln
  • stilles Wasser und ungesüßte Kräutertees

Im Schnitt liegt der PRAL-Wert von Obst bei etwa -3,1 und von Gemüse bei etwa -2,8 Milliäquivalenten pro 100 Gramm, beides also klar im basischen Bereich.

Welche Lebensmittel sind säurebildend?

Säurebildend wirkt vor allem eiweiß- und getreidereiche Kost. Dazu zählen:

  • Fleisch und Wurst (PRAL um +9,5) sowie Fisch (um +7,9)
  • Käse, je nach Sorte von +8 bis über +23, und andere Milchprodukte
  • Brot (um +3,5), Nudeln (um +6,7) und andere Getreideprodukte, besonders aus Weißmehl
  • Eier
  • Zucker, Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee

Die genannten PRAL-Werte sind Durchschnittswerte der jeweiligen Lebensmittelgruppe. Wichtig: säurebildend heißt nicht ungesund. Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkorn liefern wertvolle Nährstoffe und gelten als „gute“ Säurebildner. Es geht nicht ums Weglassen, sondern ums Verhältnis.

Wie viel basisch, wie viel sauer sollte es sein?

Eine sinnvolle Faustregel der basenüberschüssigen Ernährung lautet: etwa drei Viertel des Tellers basisch, ein Viertel säurebildend. Die AOK bringt es einfach auf den Punkt: Basenbildner stehen in großen, Säurebildner in kleinen Mengen auf dem Speiseplan. In der Praxis heißt das: die halbe Portion Gemüse und Salat, dazu eine kleinere Menge Vollkorn, Hülsenfrüchte, Fisch oder Fleisch. Wer sich so vollwertig und pflanzenbetont ernährt, nimmt fast automatisch genug basische Lebensmittel zu sich.

Muss ich Angst vor einer Übersäuerung haben?

Nein. Bei gesunden Menschen gibt es keine ernährungsbedingte, akute Übersäuerung des Körpers. Dein Blut hält seinen pH-Wert stabil zwischen 7,35 und 7,45, dafür sorgen mehrere Puffersysteme, allen voran das Kohlensäure-Bicarbonat-System, sowie Lunge und Nieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält fest: Wer sich ausgewogen ernährt, muss keine Übersäuerung durch die Ernährung fürchten, und ob säurebildende Lebensmittel den Säure-Basen-Haushalt überhaupt stören, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Teure Basenpulver oder Basentabletten brauchst Du deshalb nicht: Verbraucherschützer sehen für Gesunde keinen belegten Zusatznutzen. Der Gewinn einer basischen Kost kommt nicht von einem verschobenen pH-Wert, sondern von dem, was auf dem Teller liegt: viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe und wenig hochverarbeitete Produkte. Wie Du das im Alltag umsetzt, liest Du in unserem Beitrag dazu, wie Du basische Ernährung in Deinen Alltag bringst. Warum die „Übersäuerung“ so hartnäckig durch Ratgeber geistert, haben wir im Artikel zur Übersäuerung des Körpers genauer aufgedröselt.

Menschen mit Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen, Schwangere und Menschen mit einer Essstörung in der Vorgeschichte sollten größere Ernährungsumstellungen vorab ärztlich besprechen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Basisch essen einmal komplett erleben

Wenn Du basische Ernährung nicht nur nachlesen, sondern spüren möchtest, ist eine begleitete Fastenwoche ein schöner Einstieg. Beim Basenfasten isst Du einige Tage rein basisch, also Gemüse, Obst, Kartoffeln und milde Beilagen, und merkst schnell, wie satt und leicht sich eine pflanzenbetonte Kost anfühlt. Angeboten wird das in vielen Häusern, etwa in Baden-Württemberg mit seiner langen Fastentradition. Unser Stammhaus, das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald, begleitet Dich beim Basenfasten von den Entlastungstagen bis zum sanften Kostaufbau.

Kurz gesagt: Basisch sind vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Salat, Kräuter und Kartoffeln, säurebildend vor allem tierisches Eiweiß, Getreide und Zucker. Entscheidend ist nicht, einzelne Lebensmittel zu verteufeln, sondern das Verhältnis: viel Pflanzliches, dazu maßvoll gute Säurebildner. Dann liegst Du automatisch richtig, ganz ohne Rechnerei und teure Pulver.

Häufige Fragen

Ist Zitrone basisch oder sauer?

Zitrone schmeckt sauer, wird im Körper aber basisch verstoffwechselt und zählt damit zu den Basenbildnern. Für die Einordnung zählt die Wirkung im Stoffwechsel, nicht der Geschmack.

Welche Lebensmittel sind am stärksten basisch?

Besonders basisch wirken grünes Gemüse wie Spinat und Grünkohl, dazu Fenchel, Sellerie, Kartoffeln und getrocknete Früchte wie Rosinen. Obst und Gemüse liegen im Schnitt bei einem PRAL-Wert um -3 Milliäquivalenten pro 100 Gramm.

Sind Kaffee und Zitrusfrüchte sauer für den Körper?

Zitrusfrüchte wirken trotz ihres sauren Geschmacks basisch. Kaffee zählt zu den mild säurebildenden Getränken, ein bis zwei Tassen sind bei einer sonst basenreichen Ernährung aber unproblematisch.

Brauche ich Basenpulver für eine basische Ernährung?

Nein. Wer viel Gemüse, Obst und Kräuter isst, nimmt automatisch genug basische Lebensmittel zu sich. Einen belegten Zusatznutzen von Basenpulvern für Gesunde gibt es nicht.

Quellen

  1. Säure-Basen-Haushalt: basische Ernährung im CheckAOK · 2025 · abgerufen am 09.07.2026aok.de
  2. Was bringt eine basische Ernährung?VerbraucherFenster Hessen · 2022 · abgerufen am 09.07.2026verbraucherfenster.hessen.de
  3. Potential renal acid load of foods and its influence on urine pHJournal of the American Dietetic Association · 1995 · abgerufen am 09.07.2026pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Säure-Basen-Ausgleich durch Nahrungsergänzungsmittel: Wem nützt das?Verbraucherzentrale · 2025 · abgerufen am 09.07.2026verbraucherzentrale.de

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