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Abnehmen in den Wechseljahren: Warum es schwerer wird und was wirklich hilft
Autor: Conny Wettcke
Veröffentlicht am: 20.07.2026
Du isst wie immer, bewegst Dich wie immer, und trotzdem wandert die Waage nach oben, vor allem um die Körpermitte? In den Wechseljahren ist das keine Einbildung. Abnehmen ist auch jetzt möglich, es wird nur schwerer: Der sinkende Östrogenspiegel verschiebt Fett an den Bauch, gleichzeitig baut Dein Körper Muskeln ab und der Grundumsatz sinkt. Wer jetzt gezielt auf Eiweiß, Krafttraining und ein ruhiges Kaloriendefizit setzt, nimmt auch nach der Menopause ab, ohne zu hungern.
In diesem Artikel erfährst Du, warum sich Dein Körper in den Wechseljahren verändert, welche Rolle Hormone, Muskeln und Stoffwechsel dabei spielen, und mit welcher Strategie Du realistisch und dauerhaft Gewicht verlierst, ohne Deinem Körper zu schaden.
Warum nimmt man in den Wechseljahren zu?
Viele Frauen berichten von einer Gewichtszunahme von etwa fünf Kilogramm rund um die Wechseljahre. Ein großer Teil davon geht auf den altersbedingt sinkenden Grundumsatz zurück: Weil ein Großteil der Energie in den Muskeln verbraucht wird, die Muskelmasse mit den Jahren aber abnimmt, verbraucht der Körper im Ruhezustand weniger Energie. Die Zunahme an sich ist also stark eine Frage des Alters, nicht allein der Hormone.
Was die Wechseljahre besonders macht, ist weniger das Wieviel als das Wohin und Woraus. Auswertungen der großen SWAN-Studie zeigen, dass sich der Fettaufbau während des Übergangs in die Menopause etwa verdoppelt, von rund einem Prozent auf etwa 1,7 Prozent pro Jahr, während gleichzeitig die fettfreie Masse, also vor allem Muskulatur, abnimmt. Diese beschleunigten Veränderungen sind eng an den Menopausenübergang gekoppelt und nicht allein durch das Älterwerden erklärbar.
Warum sammelt sich das Fett jetzt am Bauch?
Solange der Östrogenspiegel hoch ist, lagert der weibliche Körper Fett bevorzugt an Hüften und Oberschenkeln ein. Sinkt das Östrogen, verschiebt sich diese Verteilung: Das Fett wandert in die Bauchregion, auch in die Tiefe zwischen die Organe, wo es als viszerales Fett bezeichnet wird. In einer Verlaufsstudie stieg dieses Bauchfett nur bei den Frauen deutlich an, die tatsächlich in die Menopause übergingen, nicht bei jenen, die noch prämenopausal blieben.
Dieses viszerale Fett ist nicht nur ein kosmetisches Thema. Es ist stoffwechselaktiv, und seine Zunahme über den Menopausenübergang ist mit einer messbaren Verdickung der Halsschlagader verbunden, einem frühen Zeichen für Arterienverkalkung, unabhängig von den klassischen Risikofaktoren. Genau deshalb lohnt es sich, gerade jetzt gegenzusteuern.
Sinkt in den Wechseljahren wirklich der Stoffwechsel?
Ja, aber anders, als oft behauptet wird. Der Rückgang beruht vor allem auf dem Verlust an Muskelmasse, denn Muskeln sind der größte Energieverbraucher im Ruhezustand. Schon ab etwa dem 35. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse ab, wenn man ihr nicht mit Bewegung entgegenwirkt. Stoffwechselmessungen zeigen zudem, dass der nächtliche Energieverbrauch bei Frauen, die in die Menopause übergehen, stärker sinkt als bei gleichaltrigen prämenopausalen Frauen, und dass die Fettverbrennung zurückgeht.
Die gute Nachricht: Der niedrigere Grundumsatz ist kein Schicksal. Weil er zu großen Teilen an der Muskulatur hängt, kannst Du ihn direkt beeinflussen, indem Du Muskeln erhältst oder aufbaust. Mehr dazu, wie Du Deinen Energieverbrauch ankurbelst und welche Mythen sich hartnäckig halten, liest Du im Beitrag Stoffwechsel anregen.
Wie viel darfst Du jetzt noch essen?
Am Grundprinzip ändert sich nichts: Wer abnehmen möchte, braucht ein Kaloriendefizit, muss also über den Tag etwas weniger Energie aufnehmen, als er verbraucht. Neu ist nur, dass Dein Verbrauch niedriger liegt als mit 30, sodass die gleiche Portion, die früher schlank hielt, heute langsam ansetzt. Statt einer radikalen Diät ist jetzt ein moderates, ruhiges Defizit sinnvoll: Es schont die Muskulatur und lässt sich dauerhaft durchhalten.
Crash-Diäten sind in den Wechseljahren besonders kontraproduktiv. Ein sehr großes Defizit zwingt den Körper, neben Fett auch Muskeln abzubauen, und weniger Muskeln bedeuten einen noch niedrigeren Grundumsatz. Der spätere Jo-Jo-Effekt ist damit oft schon vorprogrammiert.
Was hilft beim Abnehmen in den Wechseljahren wirklich?
Die wirksamste Strategie kombiniert vier Bausteine, die sich gegenseitig verstärken:
- viel Eiweiß, um die Muskulatur zu schützen und länger satt zu bleiben,
- Krafttraining, um Muskeln zu erhalten und aufzubauen,
- Alltagsbewegung und Ausdauer, um Fett zu verbrennen,
- ein ruhiges, dauerhaftes Kaloriendefizit statt kurzfristiger Verbote.
1. Eiweiß in den Mittelpunkt stellen
Eiweiß ist der wichtigste Nährstoff, um Muskeln zu erhalten, und es sättigt lange. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen zwischen 19 und 65 Jahren rund 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, ab 65 Jahren etwa 1,0 Gramm, unter anderem, um Muskulatur und Beweglichkeit zu erhalten. Verteile die Eiweißquellen über den Tag: zum Beispiel Quark, Hülsenfrüchte, Eier, Fisch, mageres Fleisch oder Tofu. Wie Du Deinen persönlichen Bedarf berechnest und gut deckst, zeigt der Beitrag Wie viel Eiweiß am Tag.
2. Krafttraining, um Muskeln zu halten
Wenn ein einziger Hebel den Unterschied macht, dann dieser. Eine Metaanalyse von Trainingsstudien mit Frauen nach den Wechseljahren zeigt, dass Krafttraining Muskelmasse aufbaut, während Ausdauertraining vor allem beim Fettabbau hilft, und dass eine Kombination aus beidem die Körperzusammensetzung am günstigsten verändert und viszerales Bauchfett reduziert. Zwei bis drei Einheiten pro Woche, die die großen Muskelgruppen fordern, reichen für den Anfang.
3. Bewegung im Alltag und Ausdauer
Neben dem gezielten Training zählt jede Alltagsbewegung. Zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen erhöhen den Energieverbrauch, und Ausdauertraining wirkt sich in Studien besonders günstig auf die Reduktion von Bauchumfang und Fettmasse aus. Ideal ist die Mischung: Kraft für die Muskeln, Ausdauer fürs Herz und den Fettstoffwechsel.
4. Ein ruhiges, dauerhaftes Kaloriendefizit
Setze auf eine sättigende, überwiegend pflanzenbetonte Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und hochwertigem Eiweiß, statt auf kurzfristige Verbote. Ballaststoffreiche Lebensmittel halten lange satt und stabilisieren den Blutzucker. Guter Schlaf und weniger Dauerstress runden das Bild ab, weil sie Heißhunger und ungünstige Gewohnheiten reduzieren.
Kann eine Fastenkur beim Abnehmen in den Wechseljahren helfen?
Für viele Frauen ist eine begleitete Fastenkur ein guter Startpunkt, weil sie Struktur, Bewegung und Ernährungswissen an einem Ort bündelt und aus alten Gewohnheiten herausführt. Sanfte Methoden eignen sich dafür besonders. Beim Basenfasten isst Du basische, pflanzliche Kost und entlastest den Körper, ohne komplett zu hungern, was gerade in den Wechseljahren angenehm ist. Auch Intervallfasten lässt sich gut in den Alltag übertragen und danach beibehalten.
Eine Woche in einem Fastenhotel wirkt oft wie ein Reset: feste Rhythmen, tägliche Bewegung an der frischen Luft und Impulse für die Ernährung zu Hause. Wer das in ruhiger Natur erleben möchte, findet zum Beispiel im Schwarzwald in Baden-Württemberg passende Angebote, etwa im Hotel Therme in Bad Teinach, wo Buchinger Fasten und Basenfasten unter langjähriger Begleitung angeboten werden. Wichtig ist, das Fasten als Anstoß zu verstehen: Den Unterschied machen die Gewohnheiten danach.
Wann Du besser ärztlichen Rat einholst
Fasten und größere Ernährungsumstellungen sind nicht für jede Frau uneingeschränkt geeignet. Wenn Du Vorerkrankungen wie Diabetes, eine Schilddrüsen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung hast, Medikamente einnimmst, unter- oder stark übergewichtig bist oder eine Essstörung in der Vorgeschichte hast, besprich Deine Abnehmpläne und besonders eine Fastenkur vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Auch bei starken Wechseljahresbeschwerden oder der Frage nach einer Hormontherapie ist die gynäkologische Praxis die richtige Adresse. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.
Abnehmen in den Wechseljahren ist möglich, verlangt aber eine andere Strategie als mit 30. Der Körper baut Muskeln ab, das Fett wandert an den Bauch und der Energieverbrauch sinkt. Wer darauf mit viel Eiweiß, regelmäßigem Krafttraining, Alltagsbewegung und einem ruhigen Kaloriendefizit reagiert, dreht die Entwicklung Schritt für Schritt um, ganz ohne Hungern. Eine begleitete Fastenkur kann der Anstoß sein, der neue Gewohnheiten leichter macht.
Häufige Fragen
Kann man in den Wechseljahren überhaupt noch abnehmen?
Ja. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und Fett verlagert sich an den Bauch, doch das lässt sich beeinflussen. Mit muskelschützender Ernährung, Krafttraining und einem moderaten Kaloriendefizit nehmen viele Frauen auch nach der Menopause erfolgreich ab, nur langsamer als früher.
Warum nehme ich vor allem am Bauch zu?
Weil der sinkende Östrogenspiegel die Fettverteilung verändert. Fett, das früher an Hüften und Oberschenkeln saß, sammelt sich nun vermehrt in der Bauchregion, auch als viszerales Fett zwischen den Organen. Krafttraining und Ausdauer helfen nachweislich, dieses Bauchfett zu reduzieren.
Wie viel Eiweiß sollte ich in den Wechseljahren essen?
Als Orientierung gelten die Referenzwerte der DGE: etwa 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht bis 65 Jahre und rund 1,0 Gramm ab 65 Jahren, gut über den Tag verteilt. In einer aktiven Abnehmphase mit Krafttraining darf die Zufuhr eher am oberen Rand liegen, um die Muskeln zu schützen.
Ist Krafttraining oder Ausdauer besser zum Abnehmen?
Beides zusammen. Krafttraining erhält und baut Muskeln auf, Ausdauertraining verbrennt zusätzlich Fett, und die Kombination verändert die Körperzusammensetzung am günstigsten. Wenn Du Dich für einen Einstieg entscheiden musst, beginne mit Krafttraining, weil der Muskelerhalt in den Wechseljahren besonders wichtig ist.
Hilft Fasten beim Abnehmen in den Wechseljahren?
Fasten kann ein guter Startpunkt sein, weil es Gewohnheiten unterbricht und über sanfte Methoden wie Basenfasten ohne strenges Hungern funktioniert. Entscheidend für den dauerhaften Erfolg sind die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten danach. Bei Vorerkrankungen solltest Du vorher ärztlichen Rat einholen.
Quellen
- Wechseljahresbeschwerden (klimakterische Beschwerden)frauenaerzte-im-netz.de ↗
- Changes in body composition and weight during the menopause transitionpmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Increased visceral fat and decreased energy expenditure during the menopausal transitionpmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Abdominal Visceral Adipose Tissue Over the Menopause Transition and Carotid Atherosclerosis (SWAN Heart Study)pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Ausgewählte Fragen und Antworten zu Protein und unentbehrlichen Aminosäurendge.de ↗
- The effects of exercise training on body composition in postmenopausal women: a systematic review and meta-analysispmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗








