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Entschlacken und Entgiften: Was beim Fasten wirklich im Körper passiert

Autor: Reiner Wettcke

Veröffentlicht am: 11.09.2026

„Entschlacken“ und „entgiften“ sind die Versprechen, mit denen für Fastenkuren, Detox-Tees und Nahrungsergänzung geworben wird. Die ehrliche Antwort vorweg: Sogenannte Schlacken, also Ablagerungen von Giftstoffen, sammeln sich in einem gesunden Körper gar nicht erst an. Deshalb musst Du auch nichts „entschlacken“. Dein Körper reinigt sich über Leber, Nieren und Darm ununterbrochen selbst. Fasten hat trotzdem einen echten Wert, nur wirkt es anders, als das Wort „entgiften“ vermuten lässt. In diesem Artikel erfährst Du, warum es keine Schlacken gibt, wie sich Dein Körper wirklich selbst entgiftet, was Detox-Produkte tatsächlich bewirken und welche Prozesse das Fasten in Deinem Körper anstößt.

Gibt es Schlacken im Körper?

Nein. Der Begriff „Schlacke“ stammt ursprünglich aus der Metallverarbeitung und beschreibt Rückstände, die beim Schmelzen übrig bleiben. Auf den menschlichen Körper übertragen ist er ein Bild, kein medizinischer Befund. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stellt klar, dass sich in einem gesunden Körper keine Schlacken ansammeln und dass weder die Existenz solcher Ablagerungen noch die Annahme, säurebildende Lebensmittel würden den Säure-Basen-Haushalt stören, wissenschaftlich belegt ist. Auch Verbraucherschützer kommen zu demselben Ergebnis: Ablagerungen von Giftstoffen lassen sich im Körper gesunder Menschen nicht nachweisen.

Das heißt nicht, dass es keine Giftstoffe gäbe. Alkohol, Medikamentenreste oder Abbauprodukte des Stoffwechsels sind real. Nur lagern sie sich beim gesunden Menschen nicht als „Schlacke“ ab, sondern werden laufend verarbeitet und ausgeschieden. Echte Vergiftungen, etwa durch Schwermetalle oder eine Überdosis Medikamente, sind ein medizinischer Notfall und lassen sich mit keiner Detox-Kur behandeln.

Wie entgiftet sich Dein Körper von selbst?

Für die Entgiftung hat Dein Körper ein eingespieltes System, das rund um die Uhr arbeitet. Die Hauptrolle spielen Leber und Nieren. Die Leber baut Schadstoffe wie Alkohol oder Medikamente um, sodass sie unschädlich und ausscheidbar werden. Die Nieren filtern das Blut und geben Abbauprodukte über den Urin ab. Der Darm scheidet aus, was der Körper nicht verwerten kann, und auch über Haut und Lunge verlässt Unerwünschtes den Körper.

Bei einem gesunden Menschen funktioniert dieses System so zuverlässig, dass kaum Schadstoffe zurückbleiben. Wichtig ist vor allem, dass Du genug trinkst: Nur mit ausreichend Flüssigkeit können die Nieren die nicht verwertbaren Stoffe zuverlässig ausscheiden. Eine spezielle Kur brauchen diese Organe dafür nicht.

Was bringen Detox-Produkte und Entschlackungskuren wirklich?

Für Detox-Tees, -Pulver und -Kuren gibt es bisher keine belastbaren Belege, dass sie den Körper entgiften. Viele dieser Produkte enthalten Zutaten wie Brennnessel, Löwenzahn oder Wacholder, die vor allem entwässern, nicht aber entgiften. Wenn die Waage nach einer solchen Kur weniger anzeigt, ist das meist verlorenes Wasser und kein abgebautes Fett, weshalb der Effekt schnell wieder verpufft und der Jo-Jo-Effekt droht.

Ganz harmlos sind solche Kuren nicht immer. Stark entwässernde Mittel können den Elektrolythaushalt durcheinanderbringen und mit Medikamenten wechselwirken. Oft sind die Produkte zudem teuer und enthalten reichlich Zucker. Kurz gesagt: Für einen gesunden Körper ist kein Detox-Produkt nötig, und ein Wundermittel zum Abnehmen ist es schon gar nicht.

Was beim Fasten wirklich im Körper passiert

Fasten braucht das Etikett „entschlacken“ nicht, denn im Körper passiert auch so genug. Wenn Du über mehrere Tage fastest, stellt Dein Stoffwechsel um: Sind die Zuckerreserven erschöpft, greift Dein Körper auf die Fettreserven zurück und bildet daraus Ketonkörper als Ersatztreibstoff. Parallel kann das Fasten die Zellen anregen, beschädigte oder krankmachende Bestandteile abzubauen und zu recyceln, ein Vorgang, der als Autophagie bekannt ist.

Dass Fasten mehr ist als eine Modeerscheinung, zeigt die Forschung an anderer Stelle deutlicher als beim „Entgiften“. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind positive Effekte des Heilfastens für einige Erkrankungen wissenschaftlich belegt, etwa beim metabolischen Syndrom, bei chronischen Entzündungen und bei psychosomatischen Beschwerden. Eine große Beobachtungsstudie mit 1.422 Teilnehmern fand außerdem, dass ein mehrtägiges Fasten nach Buchinger über 4 bis 21 Tage sicher und gut verträglich war: Gewicht und Bauchumfang gingen zurück, der Blutdruck sank, und das körperliche wie seelische Wohlbefinden nahm zu. Das ist der eigentliche Gewinn einer Fastenkur, ganz ohne Schlacken.

Wie Du Deinen Körper beim Fasten sinnvoll unterstützt

Statt Deinen Körper „entschlacken“ zu wollen, kannst Du ihn bei seiner eigenen Reinigungsarbeit unterstützen:

  • Viel trinken: Zwei bis drei Liter Wasser und ungesüßter Kräutertee helfen den Nieren, nicht verwertbare Stoffe auszuscheiden.
  • Sanft bewegen: Ein Spaziergang an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung, ohne Dich zu überfordern.
  • Zur Ruhe kommen: Gönn Dir bewusst Pausen und ausreichend Schlaf, denn Regeneration gehört zum Fasten dazu.
  • Eine passende Methode wählen: Wer es sanft mag, ist mit dem Basenfasten gut beraten, das sich leichter in den Alltag einbauen lässt.

Gerade beim ersten längeren Fasten ist eine fachkundige Begleitung viel wert. In einem Fastenhotel behalten erfahrene Fastenleiter Deine Beschwerden im Blick und sorgen für einen ruhigen Ablauf. Ein Beispiel ist das Hotel Therme in Bad Teinach, ein reines Fastenhaus mitten im Schwarzwald in Baden-Württemberg, in dem unter anderem Heilfasten und Basenfasten begleitet werden.

Und noch etwas Wichtiges: Fasten ist nicht für jeden geeignet. Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit Essstörungen oder Untergewicht sollten nicht fasten. Wer chronisch krank ist, Medikamente einnimmt oder unter psychischen Erkrankungen leidet, bespricht das Fasten vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.

„Entschlacken“ und „entgiften“ klingen gut, treffen aber nicht, was wirklich passiert: Schlacken sammeln sich im gesunden Körper nicht an, und Leber, Nieren und Darm erledigen die Entgiftung von allein. Detox-Produkte brauchst Du dafür nicht. Der echte Wert des Fastens liegt woanders, in der Stoffwechselumstellung, der Ruhe für den Körper und den belegten gesundheitlichen Effekten einer begleiteten Fastenkur. Wenn Du fasten möchtest, tu es also nicht, um Schlacken loszuwerden, die es nicht gibt, sondern weil es Deinem Körper insgesamt guttun kann.

Häufige Fragen

Muss man den Körper entschlacken?

Nein. In einem gesunden Körper sammeln sich keine Schlacken an, die man loswerden müsste. Leber, Nieren, Darm, Haut und Lunge scheiden nicht verwertbare Stoffe laufend aus. Eine spezielle Entschlackungskur ist dafür nicht nötig.

Sind Schlacken im Körper wissenschaftlich nachgewiesen?

Nein. Weder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung noch Verbraucherschützer sehen einen Beleg dafür, dass sich im gesunden Körper Schlacken oder Giftstoffe ablagern. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Metallverarbeitung und ist auf den Körper nicht übertragbar.

Helfen Detox-Tees und Detox-Kuren beim Entgiften?

Für eine entgiftende Wirkung von Detox-Tees, -Pulvern oder -Kuren gibt es keine belastbaren Belege. Viele Zutaten entwässern nur, und der Gewichtsverlust ist meist verlorenes Wasser statt Fett. Stark entwässernde Mittel können außerdem den Elektrolythaushalt stören.

Was passiert beim Fasten dann wirklich?

Dein Stoffwechsel stellt auf Fettverbrennung um, die Zellen räumen über die Autophagie auf, und der Verdauung wird eine Pause gegönnt. Für einige Erkrankungen sind positive Effekte des Heilfastens wissenschaftlich belegt, und ein mehrtägiges Fasten gilt bei gesunden Menschen als sicher und gut verträglich.

Ist entschlacken dasselbe wie basisch essen gegen Übersäuerung?

Beide Ideen gehören zusammen, sind aber ähnlich unbelegt: Die Annahme, säurebildende Lebensmittel würden den Säure-Basen-Haushalt stören und den Körper „übersäuern“, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Mehr dazu liest Du im Artikel über die Übersäuerung des Körpers.

Quellen

  1. Detox: überflüssig oder doch gesünder durch Entgiftung?Verbraucherzentrale · 2026 · abgerufen am 11.09.2026verbraucherzentrale.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fasten eignet sich nicht als DiätErnährungs Umschau · 2018 · abgerufen am 11.09.2026ernaehrungs-umschau.de
  3. Warum Detox ein Mythos istQuarks (WDR) · 2022 · abgerufen am 11.09.2026quarks.de
  4. Detox: Mythos EntgiftenStiftung Warentest · 2025 · abgerufen am 11.09.2026test.de
  5. Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting periodPLOS ONE · 2019 · abgerufen am 11.09.2026journals.plos.org

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