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Fasten und Bluthochdruck: Kann Fasten den Blutdruck senken?

Autor: Sebastian Wettcke

Veröffentlicht am: 27.07.2026

Wenn beim Arzt die Manschette am Oberarm mal wieder zu hohe Werte anzeigt, kommt schnell die Frage: Geht da auch etwas ohne noch mehr Tabletten? Die kurze Antwort: Ja, Fasten kann den Blutdruck deutlich senken. In der bislang größten Auswertung mit 1.610 Fastenden sank der Blutdruck im Schnitt um 6,5 zu 3,8 mmHg, bei unbehandeltem Bluthochdruck sogar um rund 17 zu 9 mmHg. Fasten ist damit kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung, aber ein erstaunlich wirksamer Anstoß. In diesem Artikel erfährst Du, wie stark Fasten den Blutdruck senkt, warum das so ist, was Intervallfasten im Alltag bringt und warum Du gerade mit Blutdruckmedikamenten nicht einfach auf eigene Faust loslegen solltest.

Kann Fasten den Blutdruck wirklich senken?

Die aussagekräftigste Untersuchung dazu stammt aus der Fastenklinik Buchinger Wilhelmi und wurde 2020 im Journal of the American Heart Association veröffentlicht. Ausgewertet wurden 1.610 Menschen, die zwischen 4 und 41 Tagen fasteten, im Schnitt rund 10 Tage. Über alle Teilnehmenden hinweg fiel der Blutdruck von durchschnittlich 126,2 zu 81,4 auf 119,7 zu 77,6 mmHg. Am stärksten profitierten die, die es am nötigsten hatten: Bei Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck über 140 zu 90 mmHg sank der Wert um 16,7 zu 8,8 mmHg.

Auch bei den Teilnehmenden, die bereits blutdrucksenkende Medikamente nahmen, tat sich einiges: Bei 23,6 Prozent konnte die Medikation während des Fastens ganz abgesetzt, bei 43,5 Prozent die Dosis verringert werden. Je länger gefastet wurde, desto ausgeprägter war die Wirkung, und besonders deutlich fiel sie bei höherem Körpergewicht, Störungen im Zucker- und Fettstoffwechsel sowie mit steigendem Alter aus.

Warum senkt Fasten den Blutdruck?

Fasten stößt im Körper mehrere Prozesse an, die ähnlich wirken wie blutdrucksenkende Medikamente. Der Körper scheidet vermehrt Natrium (also Kochsalz) aus, das parasympathische Nervensystem, unser Ruhenerv, wird aktiver, und die Blutgefäße weiten sich. Dazu kommt der Gewichtsverlust: Während einer Fastenwoche verlierst Du Wasser und Fett, und schon wenige Kilo weniger entlasten Herz und Kreislauf. Am ausgeprägtesten sind diese Effekte beim mehrtägigen Heilfasten.

Der Salzeffekt ist dabei keine Kleinigkeit. Ein hoher Kochsalzkonsum gilt als einer der wichtigsten Treiber von Bluthochdruck, und weniger Salz ist ein zentraler Baustein der nicht-medikamentösen Therapie. Fachleute empfehlen, nicht mehr als 6 Gramm Salz pro Tag zu essen, während wir in Deutschland im Schnitt bei 8,4 bis 10 Gramm liegen. Fasten unterbricht diese ständige Salzzufuhr und hilft dem Körper, überschüssiges Natrium loszuwerden.

Was bringt Intervallfasten für den Blutdruck?

Nicht jeder kann oder möchte gleich eine ganze Woche fasten. Die gute Nachricht: Auch das alltagstauglichere Intervallfasten zeigt Wirkung. Eine Netzwerk-Metaanalyse aus 27 Studien mit rund 1.850 Teilnehmenden verglich verschiedene Fastenformen. Am stärksten senkte das modifizierte Alternate-Day-Fasting, also das Fasten jeden zweiten Tag, den oberen Blutdruckwert, um durchschnittlich 7,2 mmHg, den unteren um 4,7 mmHg. Auch das beliebte Time-Restricted Eating, bei dem Du nur in einem Zeitfenster von etwa acht Stunden isst, senkte den unteren Wert um rund 3,2 mmHg.

Ein großer Teil dieser Wirkung hängt mit der Gewichtsabnahme zusammen. Wer über das Intervallfasten dauerhaft Gewicht verliert und sich bewusster ernährt, tut damit auch dem Blutdruck etwas Gutes.

Wie lange hält der blutdrucksenkende Effekt an?

Fasten ist ein kraftvoller Startschuss, aber kein Dauerzustand. Der niedrigere Blutdruck bleibt vor allem dann erhalten, wenn Du die Fastenzeit als Wendepunkt nutzt und danach ein paar Gewohnheiten beibehältst. Am meisten bringen dabei diese vier Hebel:

  • ein gesundes Körpergewicht halten oder weiter abnehmen
  • dauerhaft weniger Salz essen, möglichst unter 6 Gramm am Tag
  • regelmäßig Ausdauer bewegen, etwa zügiges Gehen oder Radfahren
  • Alkohol nur in Maßen trinken

Diese Maßnahmen sind die Säulen, mit denen sich Bluthochdruck auch ohne Medikamente günstig beeinflussen lässt. Schon nach vier bis sechs Wochen regelmäßigem Ausdauertraining kannst Du mit einer messbaren Blutdrucksenkung rechnen.

Vorsicht bei Blutdruckmedikamenten: nie auf eigene Faust

Und jetzt der wichtigste Satz dieses Artikels: Wenn Du blutdrucksenkende Medikamente nimmst, darfst Du beim Fasten nicht einfach Deine gewohnte Dosis weiterschlucken. Weil Fasten den Blutdruck ohnehin senkt, kann die volle Medikamentendosis ihn zu weit nach unten treiben, mit Schwindel, Schwäche oder Kreislaufproblemen als Folge. Genau deshalb konnten in der Studie die Medikamente bei so vielen Teilnehmenden verringert oder abgesetzt werden, allerdings immer unter ärztlicher Aufsicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass Heilfasten ärztlich oder therapeutisch begleitet werden sollte und individuelle Anpassungen der Medikamente in jedem Fall zu berücksichtigen sind.

Am sichersten fastest Du mit Bluthochdruck deshalb nicht allein zu Hause, sondern in einer begleiteten Fastenwoche, in der Dein Blutdruck täglich kontrolliert und Deine Medikation bei Bedarf angepasst wird. In Baden-Württemberg etwa begleitet das Hotel Therme in Bad Teinach als reines Fastenhaus durch Buchinger-, Basen- und Heilfasten, mit fachkundiger Betreuung von Anfang an.

Für wen ist Fasten bei Bluthochdruck nicht geeignet?

So gut Fasten dem Blutdruck tun kann, für alle ist es nicht das Richtige. Wer eine schwere Herzerkrankung hat, an fortgeschrittener Nieren- oder Lebererkrankung leidet, schwanger ist oder stillt, eine Essstörung hat oder stark untergewichtig ist, sollte nicht ohne ärztliche Abklärung fasten. Auch bei Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen gehört das Fasten in fachkundige Hände. Sprich am besten vor dem Start mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, ob Fasten für Dich infrage kommt. Mehr dazu liest Du im Ratgeber Wer sollte nicht fasten?.

Das Wichtigste in Kürze

Fasten kann den Blutdruck spürbar senken, bei unbehandeltem Bluthochdruck in der größten Studie um rund 17 zu 9 mmHg, und bei vielen Menschen lässt sich die Medikamentendosis unter ärztlicher Aufsicht verringern. Es wirkt über die Ausscheidung von Salz, einen ruhigeren Herzschlag, weitere Gefäße und den Gewichtsverlust. Damit der Effekt bleibt, kommt es auf die Zeit nach dem Fasten an. Und ganz wichtig: Mit Blutdruckmedikamenten oder Vorerkrankungen gehört Fasten in ärztliche Begleitung, nie auf eigene Faust.

Häufige Fragen

Wie schnell senkt Fasten den Blutdruck?

Meist schon innerhalb der ersten Fastentage. In der großen Fastenstudie sank der Blutdruck über einen Zeitraum von durchschnittlich 10 Tagen deutlich, und je länger gefastet wurde, desto stärker war der Effekt.

Kann ich meine Blutdrucktabletten beim Fasten weglassen?

Nicht eigenmächtig. Ob und wie stark die Dosis reduziert wird, entscheidet immer Deine Ärztin oder Dein Arzt, am besten mit täglicher Blutdruckkontrolle während des Fastens. Setzt Du Medikamente allein ab, riskierst Du gefährliche Blutdruckschwankungen.

Hilft Intervallfasten auch gegen Bluthochdruck?

Ja. Studien zeigen für verschiedene Formen des Intervallfastens Blutdrucksenkungen von etwa 3 bis 7 mmHg, besonders ausgeprägt beim Fasten jeden zweiten Tag. Für den Alltag ist es oft leichter durchzuhalten als eine mehrtägige Fastenkur.

Bleibt der niedrigere Blutdruck nach dem Fasten erhalten?

Nur, wenn Du dranbleibst. Der Fasteneffekt verpufft, wenn Du danach wieder in alte Muster fällst. Ein gesundes Gewicht, wenig Salz, regelmäßige Bewegung und wenig Alkohol halten den Blutdruck langfristig unten.

Quellen

  1. Blood Pressure Changes in 1610 Subjects With and Without Antihypertensive Medication During Long-Term FastingJournal of the American Heart Association · 2020 · abgerufen am 27.07.2026ahajournals.org
  2. Langzeitfasten senkt Bluthochdruck und reduziert den Bedarf an MedikamentenÄrztegesellschaft Heilfasten & Ernährung · 2020 · abgerufen am 27.07.2026aerztegesellschaft-heilfasten.de
  3. Salz und HochdruckDeutsche Hochdruckliga · abgerufen am 27.07.2026hochdruckliga.de
  4. Blutdruck senken: Das können Sie selbst tunStiftung Gesundheitswissen · abgerufen am 27.07.2026stiftung-gesundheitswissen.de
  5. Intermittent Fasting for the Prevention of Cardiovascular Disease Risks: Systematic Review and Network Meta-Analysisabgerufen am 27.07.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  6. HeilfastenDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · abgerufen am 27.07.2026dge.de

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