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Fasten und Knochen: Was Studien zur Knochendichte zeigen und was bei Osteoporose gilt
Autor: Conny Wettcke
Veröffentlicht am: 22.10.2026
Ob Fasten die Knochen schwächt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. In einer kleinen Studie mit zehn Tagen völligem Nahrungsverzicht blieb die Knochendichte unverändert, die feine Struktur des Knochens am Handgelenk veränderte sich aber messbar. Wenn Du bereits Osteoporose hast oder ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, besprich eine Fastenkur deshalb vorher mit Deinem Arzt.
In diesem Artikel erfährst Du, was Studien zu Fasten, Gewichtsverlust und Knochendichte zeigen, was bei Osteoporose gilt und wie Du Deine Knochen vor, während und nach einer Fastenkur schützt.
Was zeigt die Forschung zu Fasten und Knochendichte?
Die Datenlage ist dünn, und sie hängt stark davon ab, wie gefastet wird. Eine Studie von 2024 untersuchte ein Fasten ohne jede Kalorie über zehn Tage. Bei zehn gesunden Erwachsenen sank der Blutwert für den Knochenaufbau (P1NP) schon nach drei Tagen um durchschnittlich rund 38 Prozent und blieb bis zum Ende niedrig. Die Knochendichte, gemessen mit der üblichen DXA-Methode, veränderte sich nicht. Eine hochauflösende Messung am Handgelenk zeigte aber, dass die Zahl der Knochenbälkchen um gut 9 Prozent gesunken war, während die einzelnen Bälkchen dicker wurden. Die Forschenden werten das als Umbau der Knochenstruktur.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens waren es nur zehn Teilnehmende, die stationär im Krankenhaus fasteten. Zweitens ist eine Nulldiät kein klassisches Heilfasten: Beim Fasten nach Buchinger nehmen Fastende täglich etwa 200 bis 250 Kilokalorien zu sich. Die Forschenden selbst betonen, dass sich aus zehn Tagen nicht schließen lässt, ob Fasten den Knochenabbau beeinflusst. Wie sich die Knochenwerte nach dem Fastenbrechen entwickeln, hat die Studie nicht gemessen.
Wie wirkt sich Abnehmen auf die Knochen aus?
Ein Teil des Effekts hängt vermutlich am Gewichtsverlust selbst. Eine Auswertung von 41 Veröffentlichungen mit übergewichtigen, sonst gesunden Erwachsenen fand: Diäten über 6, 12 und 24 Monate senkten die Knochendichte an der Hüfte leicht, bei drei Monaten war das noch nicht nachweisbar. An der Lendenwirbelsäule blieb sie unverändert. Die Autorinnen und Autoren ordnen den Verlust als klein ein, verglichen mit dem Nutzen, überschüssiges Gewicht abzubauen.
Eine Fastenwoche lässt sich mit Diäten über Monate nicht vergleichen. Der Befund zeigt aber: Wer mit einer Diät Gewicht verliert, verliert tendenziell auch etwas Knochendichte an der Hüfte. Für Menschen, deren Knochen ohnehin dünn sind, ist das ein Grund, den Gewichtsverlust nicht zum Selbstzweck zu machen.
Was weiß man über Intervallfasten und Knochen?
Für Intervallfasten ist die Studienlage etwas besser. Eine Übersichtsarbeit im British Journal of Nutrition wertete acht kontrollierte Studien aus. Zeitlich begrenztes Essen, etwa mit einem Essensfenster von acht Stunden, schadete den Knochen über bis zu sechs Monate nicht und bremste bei moderatem Gewichtsverlust von unter 5 Prozent den Knochenabbau womöglich sogar leicht. Auch beim Fasten an jedem zweiten Tag zeigten die meisten Studien keine nachteiligen Effekte auf die Knochen. Zur 5:2-Diät lagen keine Daten zu den Knochen vor.
Auch hier gilt eine Einschränkung: Die Studien dauerten drei Wochen bis sechs Monate, ein vollständiger Knochenumbau braucht aber vier bis sechs Monate. Gemessen wurde meist nur die Dichte des gesamten Körpers, und das Frakturrisiko hat keine der Studien erfasst. Für Frauen nach den Wechseljahren und ältere Menschen, die besonders gefährdet sind, sind die Effekte laut den Autoren bisher kaum untersucht.
Darf man mit Osteoporose fasten?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) schreibt, dass grundsätzlich jeder fasten kann, und nennt nur wenige Ausnahmen: Auszehrung und Magersucht, Demenz, eine nicht kontrollierte Schilddrüsenüberfunktion, fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Osteoporose steht nicht auf dieser Liste. Das heißt aber nicht, dass eine Fastenkur für Dich automatisch passt. Drei Punkte sprechen dafür, dass Dein Arzt mitentscheidet:
- Medikamente: Wer Medikamente einnimmt, darf laut ÄGHE nicht allein fasten, weil viele Präparate während des Fastens angepasst werden müssen. Ob das auch für Deine Osteoporose-Medikamente sowie Kalzium- und Vitamin-D-Präparate gilt, klärt Dein Arzt.
- Körpergewicht: Die Osteoporose-Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) nennt einen Body-Mass-Index über 20 als erstrebenswert. Wer schon nahe an dieser Marke liegt, sollte eine Fastenkur nur nach ärztlicher Rücksprache angehen.
- Sturzgefahr: Manche Fastende kämpfen mit Schwindel. Bei brüchigen Knochen hat ein Sturz schwerere Folgen, und die Sturzvorbeugung gehört laut Leitlinie zu den Grundmaßnahmen der Frakturprophylaxe.
Wie sicher ärztlich begleitetes Fasten insgesamt ist, hat eine Beobachtungsstudie mit 1.422 Teilnehmenden einer Fastenklinik untersucht: Unerwünschte Wirkungen traten bei weniger als 1 Prozent auf. Die Autoren weisen jedoch selbst darauf hin, dass die Ergebnisse für Menschen, die ohne ärztliche Begleitung fasten, nicht unbedingt gelten. Aussagen speziell zu Osteoporose lassen sich daraus nicht ableiten.
Wie schützt Du Deine Knochen vor, während und nach dem Fasten?
Die DVO-Leitlinie für Frauen nach den Wechseljahren und Männer ab 50 nennt klare Basismaßnahmen. Daran kannst Du Dich rund um eine Fastenkur orientieren:
- Kalzium: Die Leitlinie empfiehlt 1000 Milligramm Gesamtzufuhr pro Tag, wenn nötig auch über Präparate. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene denselben Wert. Welche Lebensmittel dafür taugen, steht im Ratgeber zu Kalzium.
- Vitamin D: Mindestens 800 internationale Einheiten täglich, über die Ernährung oder, vor dem 70. Lebensjahr, über Sonnenlicht. Ob ein Präparat sinnvoll ist, lässt Du am besten ärztlich klären.
- Eiweiß und Muskeln: Bei erhöhtem Sturzrisiko ab 65 empfiehlt die Leitlinie 1,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Warum Muskeln beim Fasten ein Thema sind, erklärt der Artikel zu Muskelabbau beim Fasten.
- Bewegung: Die Leitlinie empfiehlt ein individuelles Programm für Kraft, Balance und Koordination. Frag Deinen Arzt, was davon in der Fastenzeit für Dich passt.
- Nikotin und Alkohol: Die Leitlinie rät, Nikotin und riskanten Alkoholkonsum zu meiden.
Plane auch den Kostaufbau mit Bedacht: Kalzium- und eiweißreiche Lebensmittel gehören danach wieder auf den Teller. Wann welche Lebensmittel an der Reihe sind, besprichst Du am besten mit Deiner Fastenleitung.
Welche Fastenform passt, wenn Du auf Deine Knochen achtest?
Die Daten reichen nicht aus, um eine Fastenform als die beste für die Knochen zu empfehlen. Wenn Dein Arzt grünes Licht gibt, hilft eine Fastenleitung, die Deine Situation kennt. In Baden-Württemberg findest Du Fastenhäuser wie das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald, das Buchinger Fasten und Basenfasten unter der Leitung erfahrener Fastenbegleiter anbietet, dazu geführte Wanderungen. Sag bei der Buchung, dass Du Osteoporose hast oder ein erhöhtes Risiko, und bring Deine Arztbefunde mit.
Fazit
Ob eine Fastenkur Deine Knochen langfristig schwächt, wissen wir nicht sicher. Bei Gesunden blieb die Knochendichte nach zehn Tagen Nulldiät gleich, die Knochenstruktur veränderte sich aber messbar. Beim Intervallfasten zeigten Studien über bis zu sechs Monate meist keine Nachteile, für Frauen nach den Wechseljahren und ältere Menschen ist die Datenlage aber dünn. Entscheidend sind deshalb ärztliche Rücksprache, ausreichend Kalzium, Vitamin D und Eiweiß und eine begleitete Fastenkur statt eines Alleingangs. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Schadet Fasten den Knochen?
Das lässt sich bisher nicht pauschal beantworten. Nach zehn Tagen ohne Nahrung blieb die Knochendichte gleich, die Knochenstruktur am Handgelenk veränderte sich aber. Beim Intervallfasten zeigten kontrollierte Studien über bis zu sechs Monate meist keine nachteiligen Effekte auf die Knochen.
Darf ich mit Osteoporose fasten?
Osteoporose steht nicht auf der Liste der Ausnahmen der ÄGHE. Weil die Effekte bei älteren Menschen und Frauen nach den Wechseljahren kaum untersucht sind und Medikamente oft angepasst werden müssen, solltest Du die Entscheidung gemeinsam mit Deinem Arzt treffen.
Wie viel Kalzium brauche ich bei Osteoporose?
Die DVO-Leitlinie empfiehlt 1000 Milligramm Gesamtzufuhr pro Tag, wenn nötig auch über Präparate. Das entspricht dem Referenzwert der DGE für Erwachsene.
Warum sagen die Studien so wenig über die Knochen?
Ein vollständiger Knochenumbau dauert vier bis sechs Monate, die Studien liefen aber oft nur drei Wochen bis sechs Monate. Zudem wurde meist nur die Dichte des gesamten Körpers gemessen, und das Frakturrisiko hat keine der Studien erfasst.
Quellen
- Methionine as a regulator of bone remodeling with fastinginsight.jci.org ↗
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsjournals.plos.org ↗
- Does Diet-Induced Weight Loss Lead to Bone Loss in Overweight or Obese Adults? A Systematic Review and Meta-Analysis of Clinical Trialsacademic.oup.com ↗
- Intermittent fasting and bone health: a bone of contention?pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Häufige Fragen zum Fastenaerztegesellschaft-heilfasten.de ↗
- Kurzfassung DVO-Leitlinie 2023 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männernleitlinien.dv-osteologie.org ↗
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Calciumdge.de ↗












