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Unterzuckerung beim Fasten: Wie niedrig der Blutzucker sinken darf und wann Du handeln musst
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 23.10.2026
Beim Fasten sinkt Dein Blutzucker in den unteren Normbereich, und das ist erwartbar. Bei gesunden Menschen kommt es dabei selten zu einer echten Unterzuckerung mit Beschwerden, weil die Leber Zucker neu bildet und der Körper zusätzlich Ketone als Brennstoff nutzt. Ernst nehmen solltest Du Zittern, kalten Schweiß und Verwirrtheit, besonders wenn Du Diabetesmedikamente nimmst oder eine Lebererkrankung hast.
In diesem Artikel erfährst Du, was beim Fasten mit Deinem Blutzucker passiert, welche Werte als normal gelten, woran Du eine echte Unterzuckerung erkennst und was Du dann tust. Er ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was passiert beim Fasten mit dem Blutzucker?
Nach dem letzten Essen verbraucht Dein Körper zuerst den Zuckerspeicher der Leber, das Glykogen. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Cell Metabolism beschreibt, dass 12 bis 24 Stunden Fasten den Blutzucker typischerweise um 20 Prozent oder mehr senken. Nach drei oder mehr Tagen liegen Insulin und Blutzucker um 30 Prozent oder mehr unter dem Ausgangswert.
Danach schaltet der Stoffwechsel um. Die Leber bildet selbst neuen Zucker (Glukoneogenese), etwa 80 Gramm am Tag, die überwiegend das Gehirn verbraucht. Gleichzeitig baut der Körper Fett ab und stellt daraus Ketonkörper her. Das Gehirn nutzt bei längerem Fasten zusätzlich zum Zucker diese Ketone als Energiequelle. Wann genau dieser Wechsel einsetzt, erklärt der Artikel Ketose beim Fasten.
Dein Blutzucker fällt also, aber der Körper steuert aktiv dagegen: Das Hormon Insulin sinkt mit, und die Leber liefert Nachschub.
Welche Blutzuckerwerte sind beim Fasten normal?
Eine feste Zahl, ab der es für alle Fastenden kritisch wird, gibt es nicht. Hilfreich sind aber zwei Studien, die sehr unterschiedlich gemessen haben.
In einer Beobachtungsstudie der Buchinger Wilhelmi Klinik mit 1422 Fastenden sank der Blutzucker in allen Gruppen in den unteren Normbereich und lag im Mittel bei 4,7 mmol/l, das sind etwa 85 mg/dl. Gefastet wurde mit 200 bis 250 kcal am Tag, überwiegend aus Saft und Suppe, mit etwa 25 bis 35 Gramm Kohlenhydraten. Gemessen wurde nur vor und am Ende der Fastenzeit, und die Studie stammt aus der Klinik selbst.
Ein anderes Bild zeigt eine Studie von 2026: Zwölf gesunde Erwachsene fasteten sieben Tage nur mit Wasser und trugen dabei einen Glukosesensor. Der Anteil der Zeit unter 70 mg/dl stieg von 3 auf 66 Prozent am fünften Tag, der tägliche Tiefstwert sank von 76 auf 50 mg/dl. Beschwerden meldete niemand.
Das klingt dramatisch, ist aber nur bedingt aussagekräftig. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Sensoren im niedrigen Bereich ungenau sind und Unterzuckerungen womöglich überzeichnen, dass die Gruppe klein, jung und gesund war und dass eine Unterzuckerung im klinischen Sinn typischerweise Beschwerden, ein Versagen der Gegenregulation oder einen Behandlungsbedarf voraussetzt.
Zum Einordnen: In der Diabetesversorgung gilt ein Wert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) als Unterzuckerung. Für gesunde Fastende ist diese Grenze nicht ohne Weiteres übertragbar, die Autoren der Sensorstudie halten die üblichen Warnschwellen bei Menschen ohne Diabetes für womöglich unpassend. Entscheidend ist deshalb, ob Du Beschwerden hast.
Woran erkennst Du eine echte Unterzuckerung?
Typische Warnzeichen sind:
- Zittern, weiche Knie und Schwitzen
- schneller Puls und innere Unruhe
- Blässe, Schwindel und Kopfschmerzen
- plötzlicher, starker Hunger
- Verwirrtheit und Konzentrationsprobleme
Diese Aufzählung folgt den Angaben der Techniker Krankenkasse zur Unterzuckerung bei Diabetes.
Das Schwierige: Viele dieser Beschwerden kennst Du vom Fasten auch aus anderen Gründen, etwa bei Kreislaufproblemen oder Elektrolytmangel. Milde Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Hunger treten laut der Klinikstudie vor allem in den ersten Fastentagen auf. Wenn mehrere Zeichen zugleich auftreten oder Du sie nicht einordnen kannst, behandle sie vorsichtshalber wie eine mögliche Unterzuckerung.
Was tust Du bei Verdacht auf Unterzuckerung?
Die folgenden Schritte stammen aus der Diabetesversorgung. Sprich sie vorab mit Deiner Fastenleitung oder Deinem Arzt ab, damit Du im Ernstfall weißt, was in Deinem Fastenplan erlaubt ist.
- Hinsetzen: Setz oder leg Dich sofort hin, lass jede Anstrengung sein und fahr kein Auto.
- Schnell wirkenden Zucker nehmen: Die Techniker Krankenkasse nennt für den Diabetes-Notfall etwa 30 Gramm, das sind fünf bis sechs Traubenzucker oder ein bis zwei Gläser Fruchtsaft. Beim Fasten kannst Du mit einem Glas Saft beginnen.
- 15 Minuten abwarten: Nach 15 Minuten wird erneut geprüft, ob der Wert noch niedrig ist, und gegebenenfalls nochmals Zucker gegeben.
- Bei Wiederkehr abbrechen: Kommen die Beschwerden zurück oder bessern sie sich nicht, pausiere oder beende das Fasten und lass es ärztlich abklären. Woran Du ernste Warnzeichen erkennst und wie der Ausstieg gelingt, steht im Artikel Fasten abbrechen.
Wird jemand bewusstlos oder bekommt einen Krampfanfall, ruf sofort die 112. Gib der Person nichts zu trinken oder zu essen, es besteht Erstickungsgefahr, und lagere sie stabil auf der Seite. Bei extremer Unterzuckerung drohen Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Bewusstseinsverlust.
Spielt die Fastenmethode für den Blutzucker eine Rolle?
Das lässt sich aus der Studienlage nicht sicher sagen. Beim Buchinger Fasten bekommst Du über Saft und Suppe eine kleine Zuckermenge, in der Klinikstudie waren es etwa 25 bis 35 Gramm Kohlenhydrate am Tag. Die Sensorstudie untersuchte dagegen reines Wasserfasten. Weil beide Studien anders gemessen haben, lässt sich daraus nicht ableiten, dass die kleinen Zuckermengen Unterzuckerungen verhindern.
Wenn Du unsicher bist, hilft Begleitung. In der Klinikstudie gab es tägliche Betreuung durch Pflege und Ärzte. Auch Fastenhotels in Baden-Württemberg, zum Beispiel das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald, bieten begleitetes Buchinger Fasten an, bei dem Du Ansprechpersonen vor Ort hast.
Für wen ist Unterzuckerung beim Fasten ein echtes Risiko?
Gesunde mit funktionierender Leber unterzuckern beim Fasten selten. Anders sieht es aus, wenn der Körper den Zucker nicht mehr selbst nachliefern kann oder Medikamente den Blutzucker zusätzlich senken.
- Diabetes: Typ-1-Diabetes zählt laut DocCheck Flexikon zu den Gegenanzeigen des Heilfastens. Bei Typ-2-Diabetes mit blutzuckersenkenden Medikamenten fastest Du nur nach ärztlicher Absprache. Worauf Du vorher achten musst, steht im Artikel Fasten bei Diabetes.
- Leber, Niere und Hormone: Als Ursachen einer Unterzuckerung im ärztlichen Fastentest nennt das DocCheck Flexikon unter anderem eine gestörte Zuckerneubildung der Leber (etwa bei schwerer Leberentzündung, Alkoholvergiftung, Auszehrung oder Magersucht), eine chronische Nierenschwäche sowie einen Mangel an Cortisol oder Wachstumshormon.
- Wiederholte Unterzuckerungen auch ohne Fasten: Dahinter kann eine überschießende Insulinproduktion stecken. Ärzte klären das mit einem Fastentest ab, der unter Aufsicht stattfindet, bei einem Wert unter 50 mg/dl oder bei Beschwerden beendet wird und spätestens nach 72 Stunden endet. Das ist nichts für zu Hause.
Wie beugst Du Unterzuckerung beim Fasten vor?
- Sprich vorab mit Deinem Arzt, wenn Du Medikamente nimmst oder eine Vorerkrankung hast.
- Plane Entlastungstage ein, statt abrupt von voller Kost auf null zu gehen.
- Trink reichlich: In der Klinikstudie waren es etwa drei Liter Wasser oder Kräutertee am Tag.
- Lass die vorgesehenen Saft- und Suppenmahlzeiten nicht aus, auch wenn Du keinen Hunger hast.
- Verschiebe anstrengendes Training auf die Zeit nach dem Fasten und steh langsam auf.
- Sprich Beschwerden früh bei Deiner Fastenleitung an, statt sie auszusitzen.
Das Wichtigste in Kürze
Ein niedriger Blutzucker gehört beim Fasten dazu, Beschwerden dagegen nicht. Gesunde unterzuckern selten, weil Leber und Hormone gegensteuern. Zittern, kalter Schweiß, Herzrasen oder Verwirrtheit nimmst Du ernst: hinsetzen, schnell wirkenden Zucker nehmen, nach 15 Minuten prüfen und bei Wiederkehr das Fasten abbrechen und ärztlich abklären lassen. Mit Diabetes, Leber- oder Nierenerkrankungen fastest Du nur nach ärztlicher Absprache.
Häufige Fragen
Wie niedrig darf der Blutzucker beim Fasten sein?
Für gesunde Fastende gibt es keine feste Grenze, entscheidend sind Beschwerden. In der Klinikstudie lag der Blutzucker am Ende der Fastenzeit im Mittel bei 4,7 mmol/l, etwa 85 mg/dl. In der Studie mit Glukosesensor sank der Tagestiefstwert beim reinen Wasserfasten auf etwa 50 mg/dl, ohne dass jemand Beschwerden meldete. Die Autoren warnen allerdings vor Ungenauigkeiten bei niedrigen Sensorwerten.
Ist Zittern beim Fasten immer ein Zeichen für Unterzucker?
Nein. Zittern gehört zu den typischen Anzeichen einer Unterzuckerung, kann beim Fasten aber auch andere Gründe haben, etwa Kreislaufprobleme oder Elektrolytmangel. Treten dazu kalter Schweiß, Herzrasen oder starker Hunger auf, behandle es vorsichtshalber wie Unterzucker.
Soll ich beim Fasten meinen Blutzucker messen?
Nur, wenn Dein Arzt es empfiehlt. Wer ohne Diabetes fastet, sieht auf einem Sensor schnell niedrige Werte, die wenig aussagen: In der Sensorstudie verbrachten die Teilnehmenden in den späten Fastentagen nach Schätzung der Autoren 9 bis 16 Stunden am Tag im Sensorbereich einer Unterzuckerung, ohne Beschwerden. Wichtiger ist, wie Du Dich fühlst. Mit Diabetes misst Du so, wie es Dein Behandlungsteam festgelegt hat.
Kann ich mit Diabetes fasten?
Bei Typ-1-Diabetes gilt Heilfasten laut DocCheck Flexikon als Gegenanzeige. Bei Typ 2, besonders mit Insulin oder anderen blutzuckersenkenden Medikamenten, fastest Du nur nach ärztlicher Absprache und mit angepasster Medikation.
Wann sollte ich das Fasten wegen Unterzucker abbrechen?
Brich ab, wenn die Beschwerden nach einem Glas Saft nicht innerhalb von etwa 15 Minuten nachlassen, immer wieder auftreten oder Du verwirrt wirst. Bei Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall rufst Du die 112.
Quellen
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsjournals.plos.org ↗
- Marked Increases in Continuous Glucose Monitor-Detected Hypoglycemia During a Seven-Day Water-Only Fast in Healthy Men and Womenpmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Fasting: Molecular Mechanisms and Clinical Applicationspmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Was ist im Notfall zu tun? (Unterzuckerung bei Diabetes)tk.de ↗
- Unterzuckerung rechtzeitig erkennenapotheken.de ↗
- Heilfastenflexikon.doccheck.com ↗
- Fastentestflexikon.doccheck.com ↗
- Was ist im Notfall zu tun? (Unterzuckerung bei Diabetes)tk.de ↗












