6 min Lesezeit
Fasten abbrechen: Welche Warnzeichen ernst sind und wie der Ausstieg gelingt
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 11.10.2026
Brich Dein Fasten ab, wenn Du starken Schwindel, Herzrasen, Ohnmachtsgefühle, anhaltende Übelkeit oder extreme Schwäche spürst. Fastenärzte beenden eine Kur außerdem bei höhergradigen Herzrhythmusstörungen, Magen- und Refluxbeschwerden, schweren Elektrolytstörungen und einem Einbruch des Kreislaufs. Müdigkeit, leichte Kopfschmerzen oder Hunger gehören dagegen zum Fasten dazu und sind für sich allein kein Grund aufzuhören.
In diesem Artikel erfährst Du, woran Du echte Warnzeichen von normalen Fastenbeschwerden unterscheidest, welche Messwerte Ärzte als Grenze ansetzen, was Du im Ernstfall sofort tust und wie Du nach einem Abbruch sicher wieder zu essen beginnst.
Bei welchen Warnzeichen solltest Du das Fasten abbrechen?
Als Alarmzeichen nennt die DAK starke Schwindelgefühle, Herzrasen, anhaltende Übelkeit, Ohnmachtsgefühle und extreme Schwäche. Eine Expertengruppe von Fastenärzten führt in ihrer Leitlinie zur Fastentherapie weitere Abbruchkriterien auf. Diese Signale solltest Du kennen:
- Starker Schwindel, Ohnmachtsgefühle oder extreme Schwäche. Fallen Dein Puls und Dein Blutdruck stark ab, spricht die Leitlinie von einem Einbruch des Kreislaufs, und der gilt als Abbruchgrund.
- Herzrasen, Herzstolpern oder ein unregelmäßiger Puls. Herzrhythmusstörungen zählen zu den Risiken von strengem oder unkontrolliertem Fasten. Höhergradige Rhythmusstörungen sind ein Abbruchkriterium.
- Anhaltende Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. In der großen Beobachtungsstudie aus einer Fastenklinik musste eine 67-jährige Teilnehmerin an Tag 4 wegen Erbrechen, Schwindel und Durchfall einen Tag ins Krankenhaus.
- Sodbrennen und Magenschmerzen. Magen- und Refluxbeschwerden gehören ebenfalls zu den Abbruchkriterien der Fastenärzte.
- Brustschmerzen, Atemnot oder eine Ohnmacht. Das sind keine Fastenbeschwerden mehr, sondern mögliche lebensbedrohliche Notfälle, bei denen Du den Rettungsdienst unter der 112 rufst.
Wie ernst Herzprobleme beim Fasten werden können, zeigt ein Fall aus derselben Studie: Ein 75-jähriger Teilnehmer mit bekannter Herzkrankheit erlitt an Tag 9 einen Herzinfarkt. Diese Liste ersetzt keine ärztliche Einschätzung. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh Rat holen als einmal zu spät.
Was ist beim Fasten normal und noch kein Grund zum Abbruch?
Gerade am Anfang meldet sich der Körper. Nebenwirkungen und kleine Fastenkrisen können laut der Leitlinie gelegentlich auftreten, vor allem in den ersten drei Tagen. Zu den möglichen Reaktionen zählen leichte Kreislaufschwankungen, eine milde Unterzuckerung, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelkrämpfe, vorübergehende Sehstörungen und ein veränderter Schlaf.
In der Studie mit 1.422 Fastenden waren Schlafstörungen und Müdigkeit die häufigsten Beschwerden, gefolgt von trockenem Mund, Rückenschmerzen, Hunger und Kopfschmerzen. Als Faustregel für den Alltag gilt: Beschwerden, die mild bleiben und sich mit Ruhe, Wärme, Tee oder Wasser bessern, gehören meist zur Umstellung. Beschwerden, die stärker werden, neu dazukommen oder Dich im Alltag spürbar einschränken, sind ein Grund, das Fasten zu unterbrechen und Rat zu holen.
Welche Messwerte setzen Ärzte als Grenze?
In der Fastentherapie gibt es klare Grenzwerte. Eine Kur wird beendet, wenn das Kalium unter 3,0 mmol/l, das Natrium unter 125 mmol/l oder das Chlorid unter 90 mmol/l fällt. Auch ein Puls unter 45 Schlägen pro Minute oder ein Blutdruck mit einem oberen Wert unter 70 beziehungsweise einem unteren Wert unter 40 mmHg gilt als Abbruchkriterium. Beim Fasten verliert der Körper vermehrt Natrium, Kalium und Magnesium, und ein Mangel kann zu Herzrhythmusstörungen führen.
Die Elektrolytwerte kannst Du zu Hause nicht messen, sie brauchen eine Blutuntersuchung. Genau deshalb empfehlen die Fastenärzte eine regelmäßige Kontrolle des Fastenverlaufs durch einen Arzt mit Fastenerfahrung. Auch in der Studie kam ein zu niedriger Natriumspiegel (Hyponatriämie) vor und wurde mit Kochsalz ausgeglichen. Puls und Blutdruck dagegen kannst Du mit einem Messgerät selbst im Blick behalten. Liegen Deine Werte deutlich unter dem Gewohnten und geht es Dir dabei schlecht, ruf Deinen Arzt an.
Was tust Du im Ernstfall sofort?
- Hör auf zu fasten, setz oder leg Dich hin und trink in Ruhe Wasser oder Tee. Fahr nicht selbst Auto, wenn Dir schwindelig ist.
- Bleib nicht allein: Sag einer Person im Haus oder in der Nähe Bescheid, wie es Dir geht.
- Bei einem lebensbedrohlichen Notfall, etwa einer Ohnmacht, Brustschmerzen oder Atemnot, wählst Du die 112.
- Bei Beschwerden, die nicht bis zum nächsten Tag warten können, erreichst Du außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116117.
- Nimmst Du Medikamente, besonders gegen Bluthochdruck oder Diabetes, sprich Deinen Arzt unbedingt darauf an. Solche Medikamente müssen beim Fasten oft angepasst werden.
Wie steigst Du nach einem Abbruch wieder ein?
Auch nach einem vorzeitigen Ende fängst Du nicht gleich mit einer großen Mahlzeit an. Nach dem Fasten solltest Du Deinen Körper langsam wieder an feste Nahrung gewöhnen, die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt dafür zwei bis drei Eingewöhnungstage. Das übliche Aufbauschema nach einem Heilfasten beginnt am ersten Tag mit bis zu 800 Kilokalorien und steigert sich über etwa 1.000 und 1.200 auf 1.600 Kilokalorien.
Nach nur ein oder zwei Fastentagen kommst Du schneller zur normalen Kost zurück als nach einer ganzen Woche, doch auch dann startest Du mit Leichtem wie Gemüsebrühe, gedünstetem Gemüse oder einem Apfel. Eine genaue Anleitung findest Du im Artikel Fastenbrechen: So beendest Du Dein Fasten richtig. Nach Warnzeichen wie Herzrasen oder Ohnmacht klärst Du den Wiedereinstieg am besten mit Deinem Arzt, bevor Du zur gewohnten Kost zurückkehrst.
Was, wenn Du einfach nicht mehr magst?
Fasten ist freiwillig. Ein Abbruch, weil Hunger, Unruhe oder der Alltag dazwischenkommen, ist kein Scheitern. Oft ist die Versuchung am zweiten und dritten Tag am größten, und diese Phase geht vorbei: Wie Du das Fastentief überstehst, steht im Artikel zur Fastenkrise. Hilft eine Pause mit Tee und einem Spaziergang nicht und der Wunsch aufzuhören bleibt, dann hör auf und steig sanft aus. Beim nächsten Mal hilft es, langsamer zu starten, Dich besser vorzubereiten und nicht allein zu fasten.
Die Fastenärzte empfehlen, dass geschulte Fastenleiter möglichst einen Fastenarzt in der Nähe haben, der bei Fragen unterstützt und für Sicherheit sorgt. Im Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald in Baden-Württemberg fastest Du in einem reinen Fastenhaus mit Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten, geführt von Conny und Reiner. Du hast Ansprechpartner im Haus, wenn der Kreislauf schwächelt oder die Motivation sinkt. Wie die medizinische Betreuung vor Ort geregelt ist, fragst Du am besten vor der Buchung direkt nach.
Wer sollte nur mit ärztlicher Begleitung fasten?
Gar nicht fasten sollten laut den Fastenärzten Menschen mit Kachexie, Anorexia nervosa und anderen Essstörungen, unkontrollierter Schilddrüsenüberfunktion, fortgeschrittener Leber- oder Niereninsuffizienz oder fortgeschrittener Demenz sowie Schwangere und Stillende. Bei Typ-1-Diabetes, instabiler Herzerkrankung, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder Krebs soll nur unter Leitung und Begleitung eines erfahrenen Arztes gefastet werden. Das Gesundheitsportal Österreich nennt außerdem Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und Untergewichtige als nicht geeignet.
Fazit
Ein Fastenabbruch ist kein Scheitern, sondern manchmal die richtige Entscheidung. Starker Schwindel, Herzrasen, Ohnmachtsgefühle, anhaltende Übelkeit und extreme Schwäche sind klare Signale zum Aufhören, während Müdigkeit, Hunger und leichte Kopfschmerzen meist zur Umstellung gehören. Hol Dir bei Unsicherheit ärztlichen Rat, wähl im Notfall die 112 und steig danach in Ruhe mit leichter Kost wieder ein.
Häufige Fragen
Kann ich nach einem Fastenabbruch noch einmal neu starten?
Ja, wenn der Grund harmlos war, etwa Hunger, ein Termin oder eine zu knappe Vorbereitung. Gib Deinem Körper dann einige Tage mit leichter, normaler Kost und plane den neuen Versuch besser. Nach Warnzeichen wie Herzrasen, Ohnmachtsgefühlen oder anhaltender Übelkeit startest Du erst wieder, wenn Dein Arzt es für unbedenklich hält.
Ist ein Abbruch nach zwei Tagen schädlich?
Der frühe Abbruch ist an sich nicht das Problem. Wichtig ist, danach nicht sofort üppig zu essen: Gewöhne Deinen Körper langsam wieder an feste Nahrung und plane dafür zwei bis drei Eingewöhnungstage ein.
Wie häufig sind Komplikationen beim Fasten?
In einer Beobachtungsstudie mit 1.422 Fastenden, die 4 bis 21 Tage fasteten, traten bei weniger als einem Prozent unerwünschte Ereignisse auf, und nur zwei Personen mussten ihr Fasten unterbrechen. Die Teilnehmer fasteten in einer Fachklinik unter täglicher ärztlicher und pflegerischer Betreuung, die Zahlen gelten deshalb nicht automatisch für ein Fasten allein zu Hause.
Muss ich bei Herzrasen sofort zum Arzt?
Herzrasen ist ein Warnsignal, bei dem Du das Fasten abbrichst. Lass die Ursache ärztlich klären, denn ein Mangel an Natrium, Kalium oder Magnesium kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Kommen Brustschmerzen, Atemnot oder eine Ohnmacht dazu, wählst Du die 112. Sonst erreichst Du außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116117.
Ist Schwindel beim Fasten immer ein Warnzeichen?
Nein. Leichte Kreislaufschwankungen können in den ersten Fastentagen gelegentlich vorkommen. Steh langsam auf und setz Dich bei Bedarf kurz hin. Starker Schwindel, Ohnmachtsgefühle oder extreme Schwäche sind dagegen ein Grund, das Fasten abzubrechen.
Quellen
- Heilfasten: Anleitung, Wirkung und worauf du achten solltestdak.de ↗
- Fasting Therapy: an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelineskarger.com ↗
- Fastengesundheit.gv.at ↗
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsjournals.plos.org ↗
- 116117.de: Ärztlicher Bereitschaftsdienst und Notruf 112116117.de ↗
- Richtig fasten: Tipps zum Wohlfühlen und Durchhalten in der Fastenzeitverbraucherzentrale.nrw ↗












