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Fasten ab welchem Alter? Warum Fachleute bei Kindern und Jugendlichen abraten

Autor: Conny Wettcke

Veröffentlicht am: 15.10.2026

Dein Teenager kommt mit der Idee nach Hause, Intervallfasten auszuprobieren?

Für Kinder und Jugendliche empfehlen Fachleute kein Fasten. Kinder- und Jugendärzte warnen davor, dass Jugendliche Intervallfasten praktizieren, denn im Wachstum muss der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Eine feste Altersgrenze nennt die ärztliche Fastenleitlinie nicht, sie beschreibt das Fasten für Gesunde aber als Form der Gesundheitsbildung für Erwachsene. Wer noch wächst, fastet deshalb besser nicht.

In diesem Artikel erfährst Du, was Kinder- und Jugendärzte konkret sagen, was ein Tierversuch und eine Studie zu Essstörungen zeigen, woran Du Warnzeichen erkennst und was stattdessen hilft, wenn ein Jugendlicher abnehmen möchte.

Ab welchem Alter darf man fasten?

Eine einzige, wissenschaftlich begründete Altersgrenze gibt es nicht. Die ärztliche Fastenleitlinie von 2013 führt Kinder und Jugendliche nicht ausdrücklich unter den Gegenanzeigen auf. Genannt werden dort aber unter anderem Magersucht und andere Essstörungen sowie Schwangerschaft und Stillzeit.

Das heißt nicht, dass Fasten für Heranwachsende unbedenklich wäre. Es heißt vor allem: Die Fastenformen, über die wir auf fastenhotel.de schreiben, sind für gesunde Erwachsene gedacht. Dazu passt, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei ihrer Bewertung des Intervallfastens eine Untersuchung an 100 Erwachsenen mit Übergewicht heranzieht und in ihrer Bewertung aus dem Jahr 2018 festhält, dass zu Langzeitfolgen keine wissenschaftlichen Studien vorliegen.

Welche weiteren Gruppen besser nicht fasten, erklärt unser Artikel Wer sollte nicht fasten? Und am anderen Ende der Altersskala gilt ebenfalls keine harte Grenze, wie Du in Fasten im Alter nachlesen kannst.

Was sagen Kinder- und Jugendärzte zum Intervallfasten?

Sie raten ab. Als Gründe nennen sie: Im Wachstum braucht der Körper ausreichend Nährstoffe, bei langen Essenspausen kann es zu einer Unterzuckerung kommen, und zu wenig Eiweiß kann einen Muskelschwund zur Folge haben.

Die Website Kinder- & Jugendärzte im Netz, die vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) herausgegeben wird, kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: Intervallfasten ist demnach vermutlich ungeeignet für Jugendliche.

Warum sind Jugendliche beim Fasten anders als Erwachsene?

Jugendliche sind noch im Wachstum. Einen Hinweis darauf, wie empfindlich diese Phase sein kann, liefert eine Studie aus München: Forschende der Technischen Universität München, des LMU-Klinikums und des Helmholtz-Zentrums München ließen Mäuse in drei Altersstufen zehn Wochen lang jeweils einen Tag fasten und zwei Tage normal fressen.

Bei erwachsenen und älteren Mäusen verbesserte sich die Insulinempfindlichkeit. Bei den heranwachsenden Tieren dagegen reiften die insulinproduzierenden Betazellen nicht richtig aus, und sie bildeten weniger Insulin. Ältere Mäuse, deren Betazellen schon vor dem Fasten ausgereift waren, blieben unbeeinträchtigt.

Wichtig ist die Einordnung: Das war ein Tierversuch und ist kein Beweis, dass bei Menschen dasselbe passiert. Der beteiligte Forscher Stephan Herzig fasst die Ergebnisse aber so zusammen, dass Intervallfasten für Erwachsene vorteilhaft sei, für Kinder und Jugendliche jedoch Risiken berge.

Wie hängen Fasten und Essstörungen zusammen?

Neben dem Wachstum gibt es einen zweiten Grund für die Warnung: das Risiko für gestörtes Essverhalten. Eine kanadische Studie mit 2.762 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 30 Jahren fand heraus, dass 47,7 Prozent der Frauen und 38,4 Prozent der Männer im Jahr davor Intervallfasten praktiziert hatten.

Intervallfasten hing dabei mit Anzeichen einer Essstörung zusammen: bei Frauen am deutlichsten, etwa mit Essanfällen, erzwungenem Erbrechen und Abführmittelgebrauch, bei Männern vor allem mit Sportzwang.

Auch hier gehört die Einordnung dazu: Es war eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass das Fasten die Essstörungen verursacht hat. Denkbar ist ebenso, dass Menschen mit gestörtem Essverhalten eher fasten. Die ärztliche Fastenleitlinie führt Essstörungen jedenfalls ausdrücklich als Gegenanzeige für das Fasten auf.

Woran erkennst Du Warnzeichen für eine Essstörung?

Essstörungen beginnen besonders häufig in der Pubertät. Die Stiftung Kindergesundheit nennt unter anderem diese Warnzeichen:

  • deutlich weniger essen, kalorienreiche Lebensmittel meiden oder sehr einseitig essen
  • sich nach gemeinsamen Mahlzeiten zurückziehen
  • exzessiv Sport treiben oder weite Kleidung tragen, um den Körper zu verbergen
  • sich ständig um Kalorien und Gewicht drehen
  • ein plötzlicher Leistungsabfall in der Schule, anhaltende Niedergeschlagenheit oder Reizbarkeit

Nimm solche Auffälligkeiten ernst und lass sie abklären. Erste Anlaufstelle ist die Kinder- und Jugendarztpraxis. Hilfe gibt es auch am Telefon: Das Beratungstelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) erreichst Du unter 0221 892031, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Auch Angehörige und Freunde können dort anrufen, es fallen nur die Gebühren Deines Telefonanbieters für ein Gespräch ins Kölner Ortsnetz an.

Was hilft stattdessen, wenn ein Jugendlicher abnehmen möchte?

Kinder- und Jugendärzte raten zu altersgerechten Methoden: Programme, die speziell für diese Altersgruppe zugeschnitten sind und Bewegung, Ernährungswissen und Ernährungsverhalten verbinden. Ziel ist eine dauerhafte Änderung des Lebensstils und ein normalisiertes Gewicht.

Der erste Schritt ist ein Gespräch in der Kinder- und Jugendarztpraxis. Dort lässt sich klären, ob das Gewicht überhaupt ein Problem ist und welches Programm passt.

Als Eltern oder Bezugsperson kannst Du ebenfalls viel tun: Zur Vorbeugung von Essstörungen gehören stabile Beziehungen und eine positive Vorbildfunktion ohne Bewertung des Aussehens des eigenen Körpers oder anderer Körper. Kinder und Jugendliche sollen außerdem lernen, Schönheitsideale und Inhalte aus sozialen Medien kritisch zu hinterfragen.

Und wenn Du selbst fasten möchtest?

Als gesunder Erwachsener kannst Du über eine begleitete Fastenkur nachdenken. Die DGE sagt, dass Heilfasten von Ärztinnen und Ärzten oder Therapeutinnen und Therapeuten betreut werden sollte. Ein Beispiel für ein reines Fastenhaus ist das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald (Baden-Württemberg), das Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten anbietet.

Kinder und Jugendliche in Deinem Haushalt fasten dabei nicht mit. Sie essen ganz normal weiter, und Du kannst ihnen erklären, dass Fasten ein Thema für gesunde Erwachsene ist.

Fazit: Für Kinder und Jugendliche ist Fasten der falsche Weg

Im Wachstum braucht der Körper regelmäßig Nährstoffe, und Kinder- und Jugendärzte raten vom Intervallfasten ab. Ein Tierversuch gibt Anlass zur Vorsicht, und eine Studie sieht einen Zusammenhang zwischen Intervallfasten und Essstörungen bei jungen Menschen. Eine starre Altersgrenze gibt es nicht, die Fastenformen sind aber für gesunde Erwachsene gedacht und am sichersten mit ärztlicher Begleitung. Wenn ein Jugendlicher abnehmen möchte, ist die Kinder- und Jugendarztpraxis die richtige erste Adresse. Bei Fragen zu Gewicht, Essverhalten oder Vorerkrankungen sprich bitte immer zuerst mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Jahren darf man Intervallfasten?

Eine feste Altersgrenze nennt die ärztliche Fastenleitlinie nicht. Kinder- und Jugendärzte warnen aber davor, dass Jugendliche im Wachstum Intervallfasten praktizieren. Wenn Du noch wächst oder minderjährig bist, sprich deshalb vor jedem Fastenversuch mit der Kinder- und Jugendarztpraxis.

Dürfen Kinder in der Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichten?

Der Verzicht auf einzelne Dinge wie Süßigkeiten, Handy oder Fernsehen ist etwas anderes als Fasten im medizinischen Sinn, bei dem Mahlzeiten ausfallen oder die Nahrungsmenge stark sinkt. Aufmerksam werden solltest Du, wenn Dein Kind deutlich weniger isst oder kalorienreiche Lebensmittel meidet. Dann lohnt sich ein Gespräch mit der Kinder- und Jugendarztpraxis.

Ist Intervallfasten bei übergewichtigen Jugendlichen eine Lösung?

Kinder- und Jugendärzte empfehlen stattdessen altersgerechte Programme, die Bewegung, Ernährungswissen und Ernährungsverhalten verbinden. Sprich Dein Anliegen zuerst in der Kinder- und Jugendarztpraxis an.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn Fasten in eine Essstörung zu kippen droht?

Nimm Warnzeichen früh ernst und sprich mit der Kinder- und Jugendarztpraxis, der ersten Anlaufstelle. Zusätzlich gibt es das Beratungstelefon des BIÖG unter 0221 892031, bei dem auch Angehörige anrufen können.

Quellen

  1. Intervallfasten für Jugendliche ungeeignetaponet.de · 2023 · abgerufen am 15.10.2026aponet.de ↗
  2. Fasting Therapy: an Expert Panel Update of the 2002 Consensus GuidelinesForschende Komplementärmedizin · 2013 · abgerufen am 15.10.2026karger.com ↗
  3. IntervallfastenDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · abgerufen am 15.10.2026dge.de ↗
  4. Intervallfasten vermutlich ungeeignet für JugendlicheKinder- & Jugendärzte im Netz (BVKJ) · 2025 · abgerufen am 15.10.2026kinderaerzte-im-netz.de ↗
  5. Intermittent fasting: Describing engagement and associations with eating disorder behaviors and psychopathology among Canadian adolescents and young adultsEating Behaviors · 2022 · abgerufen am 15.10.2026doi.org ↗
  6. Essstörungen: zwischen Kontrolle und KontrollverlustKinder- & Jugendärzte im Netz (Stiftung Kindergesundheit) · 2026 · abgerufen am 15.10.2026kinderaerzte-im-netz.de ↗
  7. Beratungstelefon des BIÖG (Telefonberatung)Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) · abgerufen am 15.10.2026essstoerungen.bioeg.de ↗
  8. HeilfastenDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · abgerufen am 15.10.2026dge.de ↗

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