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Stimmung beim Fasten: Warum Du Dich mal euphorisch und mal gereizt fühlst
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 14.10.2026
Am zweiten Fastentag gereizt, am fünften fast beschwingt: Wer fastet, erlebt seine Stimmung oft in Wellen. Die kurze Antwort: Zu Beginn sind Reizbarkeit und Unruhe verbreitet, nach den ersten Tagen berichten viele von einer ruhigeren, besseren Stimmung, manche sogar von Euphorie. Das ist gut beobachtet, aber nicht bei allen gleich, und es ersetzt keine Behandlung, wenn es Dir seelisch nicht gut geht.
In diesem Artikel erfährst Du, was Studien zur Stimmung beim Fasten zeigen, woher das Fastenhoch und die schlechte Laune zu Beginn kommen können, was bei Depression oder anderen psychischen Belastungen gilt und wie Du Deine Stimmung während der Fastenzeit stützt.
Wie verändert Fasten die Stimmung?
Die größte Datenbasis stammt aus einer Fastenklinik. In einer Beobachtungsstudie mit 1422 Erwachsenen, die 4 bis 21 Tage nach der Buchinger-Methode fasteten (200 bis 250 Kilokalorien am Tag), bewerteten die Teilnehmenden ihr körperliches und emotionales Wohlbefinden täglich auf einer Skala von 0 bis 10. Beide Werte stiegen im Verlauf des Fastens deutlich an. Wichtig für die Einordnung: Es war eine Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe in einer einzelnen Klinik, und das Wohlbefinden wurde per einfacher Selbstauskunft erfasst. Sie zeigt also, wie Fastende in dieser Umgebung ihre Stimmung erlebten, nicht, dass das Fasten allein die Ursache war.
Ein ähnliches Bild zeichnet eine Übersichtsarbeit von 2013: Aus der Klinik wird beim Fasten häufig mehr Wachheit und eine bessere Stimmung berichtet, manchmal auch Euphorie. Depressive Beschwerden könnten sich demnach früh bessern, etwa zwischen dem zweiten und siebten Tag. Ob dieser Effekt anhält, ist offen.
Was steckt hinter dem Fastenhoch?
Das Fastenhoch beschreibt eine gehobene, gelassene, manchmal fast euphorische Stimmung mitten in der Fastenzeit. Woher sie kommt, ist nicht abschließend geklärt. Eine Übersicht zu begleitetem Fasten bei chronischen Schmerzen und rheumatischen Erkrankungen (200 bis 500 Kilokalorien täglich über 7 bis 21 Tage) hält fest, dass Stimmungsaufhellung und Wachheit häufig dazugehören. Als mögliche Erklärungen nennt sie eine höhere Verfügbarkeit von Serotonin, körpereigenen Opioiden und Endocannabinoiden im Gehirn. Die stimmungsaufhellende Wirkung müsse aber noch in randomisierten Studien bestätigt werden.
Für Dich heißt das: Das Fastenhoch kann kommen, muss aber nicht. Bleibt es aus, hast Du nichts falsch gemacht, und es ist kein Maßstab für den Erfolg Deiner Kur. Umgekehrt ist ein Hochgefühl kein Freibrief: Körperliche Warnzeichen wie Schwindel, Herzrasen oder anhaltende Übelkeit zählen weiter, auch wenn Du Dich beschwingt fühlst.
Warum bist Du am Anfang oft gereizt oder niedergeschlagen?
In den ersten Tagen stellt sich der Körper um, und das spürt man auch seelisch. In der Klinikstudie war Schlafstörung das am häufigsten genannte Symptom (14,9 Prozent der Befragten), gefolgt von Müdigkeit (13,7 Prozent). Die meisten leichten Beschwerden traten vor allem in den ersten Tagen auf. Hunger spielte dagegen kaum eine Rolle: 93,2 Prozent der Teilnehmenden gaben an, keinen Hunger zu haben.
Warum daraus Reizbarkeit werden kann, ist im Detail nicht geklärt. Eine Übersichtsarbeit von 2025 diskutiert, dass niedriger Blutzucker, Schwankungen des Stresshormons Cortisol und unruhiger Schlaf gemeinsam zu Reizbarkeit und Antriebslosigkeit beitragen können. Dazu kommen Dinge, die jeder Fastende kennt: Der Kaffee fehlt, die Mahlzeiten als Pausen im Tag fehlen, und Essen als Trost oder Belohnung fällt weg. Wer sonst Stress wegisst, spürt ihn in den ersten Tagen oft ungefiltert.
Gerade am zweiten und dritten Tag ist die Stimmung bei vielen am tiefsten. Wie Du diese Phase übersteht, liest Du im Beitrag zur Fastenkrise. Meist legt sich das Tief, sobald die Umstellung geschafft ist.
Hilft Fasten bei Depression oder Angst?
Ehrlich gesagt: Es kann die Stimmung möglicherweise unterstützen, als Behandlung belegt ist es nicht. Eine Metaanalyse mit 11 Studien und 1436 Teilnehmenden, darunter fünf Studien zum Ramadan, fand gemischte Ergebnisse: In allen sieben kontrollierten Studien zusammen zeigte sich kein signifikanter Effekt auf Angst und Depression, ohne die beiden nicht randomisierten Studien waren Angst und Depression in den Fastengruppen niedriger. Das Autorenteam weist selbst auf die geringe Zahl an Studien hin und darauf, dass keine Studie mit psychisch erkrankten Menschen durchgeführt wurde. Zudem fielen sehr kalorienarme Programme aus der quantitativen Analyse heraus, und viele Studien betrafen den Ramadan, also den Verzicht auf Essen und Trinken tagsüber. Mit mehrtägigem Heilfasten ist das nur bedingt vergleichbar.
Für Dich heißt das: Fasten ersetzt keine Therapie. Leidest Du an einer Depression, Angststörung oder bipolaren Erkrankung oder bist Du in Behandlung, gehört die Frage, ob und wie Du fasten kannst, vorher in ärztliche Hände. Eine Übersichtsarbeit von 2025 beschreibt, dass Fasten die Stimmung bei psychischer Vorbelastung auch aus dem Gleichgewicht bringen kann, besonders bei Frauen mit bestehender Depression oder bipolarer Störung Typ II, und dass sich restriktives Essverhalten ohne ärztliche Begleitung verschlechtern kann. Bei einer Essstörung, auch einer früheren, ist Fasten keine gute Idee: Sprich unbedingt zuerst mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt außerdem klar, dass Heilfasten unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte und dass bei Medikamenteneinnahme vorher ein Arzt gefragt werden muss. Wer nicht oder nur begleitet fasten sollte, steht im Beitrag Wer sollte nicht fasten.
Was hilft Deiner Stimmung während des Fastens?
Vieles, was gegen ein Stimmungstief hilft, ist unspektakulär, aber wirksam im Alltag:
- Ruhe einplanen: Die DGE empfiehlt eine emotionale Vorbereitung auf das Fasten mit weniger Stress und mehr Ruhe. Leg Deine Fastenwoche deshalb nicht vor den nächsten Abgabetermin.
- Bewegung an der frischen Luft: Die Verbraucherzentrale rät in der Fastenzeit zu viel Bewegung und Spaziergängen an der frischen Luft sowie zu Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder Pilates. Beim Fastenwandern kommt noch die Gruppe dazu.
- Genug trinken: Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2,5 Liter am Tag, kalorienfreie Getränke können zudem das Hungergefühl lindern.
- Begleitung und Gruppe: Die Fastentherapie sollte laut Leitlinien am besten in einer Gruppe unter ärztlicher Betreuung stattfinden. Wer seine Stimmungswellen mit anderen teilen kann, nimmt sie meist gelassener.
- Ein kleines Fastentagebuch: Notiere morgens und abends in zwei Sätzen, wie Du Dich fühlst. So erkennst Du Muster, und eine schlechte Stunde wirkt weniger bedrohlich.
- Warnzeichen ernst nehmen: Hält ein starkes Stimmungstief an oder kommen Hoffnungslosigkeit, Panik oder Gedanken an Selbstverletzung dazu, brich das Fasten ab und such sofort ärztliche Hilfe.
Wenn Du nicht allein fasten möchtest, nimmt Dir ein begleitetes Fastenhaus viel Unsicherheit ab. Unser Stammhaus, das Hotel Therme in Bad Teinach, ist ein reines Fastenhaus mit Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Dort hast Du Fastenleitung und Gruppe, falls die Stimmung einmal kippt.
Kurz gesagt: Beim Fasten schwankt die Stimmung häufig. Zu Beginn sind Reizbarkeit, Müdigkeit und Unruhe normal, nach den ersten Tagen erleben viele mehr Ruhe und ein besseres Befinden, manche ein regelrechtes Fastenhoch. Die Belege dafür stammen vor allem aus Beobachtungsstudien und kleinen Untersuchungen, ein sicherer Behandlungseffekt bei Depression oder Angst ist nicht nachgewiesen. Plane Ruhe ein, bewege Dich draußen, faste am besten begleitet und sprich bei psychischer Vorbelastung, Essstörung oder Medikamenten vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Häufige Fragen
Warum fühle ich mich beim Fasten euphorisch?
Aus der Klinik wird beim Fasten häufig mehr Wachheit, Ruhe und eine bessere Stimmung berichtet, manchmal auch Euphorie. Erste Besserungen zeigen sich laut dieser Übersichtsarbeit oft früh, etwa zwischen dem zweiten und siebten Tag. Als mögliche Erklärung gilt ein veränderter Botenstoffhaushalt im Gehirn, bewiesen ist das aber noch nicht.
Wie lange hält die schlechte Stimmung beim Fasten an?
Meist nur in den ersten Tagen: Die leichten Beschwerden wie Schlafstörungen und Müdigkeit traten in der Klinikstudie vor allem zu Beginn auf. Hält ein starkes Tief länger an oder wird es schlimmer, sprich mit Deiner Fastenleitung oder Deiner Ärztin.
Kann Fasten Depressionen auslösen oder verschlimmern?
Bei psychischer Vorbelastung kann Fasten die Stimmung destabilisieren. Eine Übersichtsarbeit nennt Frauen mit bestehender Depression oder bipolarer Störung Typ II als besonders anfällig. Wenn Du so eine Erkrankung hast, kläre das Fasten vorher ärztlich ab.
Darf ich beim Fasten meine Antidepressiva weiternehmen?
Setze Medikamente niemals eigenmächtig ab. Wer Medikamente nimmt, sollte laut DGE vor dem Fasten einen Arzt konsultieren. Er oder sie entscheidet, ob und wie Du fasten kannst.
Quellen
- Fasting in mood disorders: neurobiology and effectiveness. A review of the literaturepubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting periodjournals.plos.org ↗
- Prolonged fasting as a method of mood enhancement in chronic pain syndromes: a review of clinical evidence and mechanismspubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Psychological and Psychiatric Consequences of Prolonged Fasting: Neurobiological, Clinical, and Therapeutic Perspectivespmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Fasting Interventions for Stress, Anxiety and Depressive Symptoms: A Systematic Review and Meta-Analysispmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fasten eignet sich nicht als Diäternaehrungs-umschau.de ↗
- Heilfastendge.de ↗
- Richtig fasten: Tipps zum Wohlfühlen und Durchhalten in der Fastenzeitverbraucherzentrale.de ↗












