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Fasten bei Herzerkrankungen: Was möglich ist und wann Du vorher zum Kardiologen musst
Autor: Conny Wettcke
Veröffentlicht am: 18.10.2026
Du hast eine Herzerkrankung und fragst Dich, ob eine Fastenkur für Dich infrage kommt? Dann gilt zuerst: Auf eigene Faust solltest Du nicht fasten. Die Ernährungsmediziner der Deutschen Herzstiftung raten Herzkranken nicht grundsätzlich vom Fasten ab, mahnen aber zur Vorsicht, empfehlen den Verzicht auf extreme Formen wie Null-Diäten und wollen, dass jede Fastenmethode vorab mit einer Herzspezialistin oder einem Herzspezialisten besprochen wird. Bei einer Herzschwäche empfehlen sie, auf echtes Fasten besser ganz zu verzichten.
In diesem Artikel erfährst Du, was beim Fasten mit Blutdruck und Herz passiert, warum Kalium, Magnesium und Medikamente so wichtig sind, welche Fastenform für Herzpatienten eher infrage kommt und woran Du erkennst, dass Du besser abbrichst.
Darf ich mit einer Herzerkrankung fasten?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn „Herzerkrankung“ umfasst vieles: Bluthochdruck, eine stabile koronare Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen, einen Zustand nach Herzinfarkt oder eine Herzschwäche. Die Fastenleitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung nennt als Gegenanzeigen unter anderem Kachexie, Essstörungen, fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Eine Herzerkrankung steht nicht auf dieser Liste. Bei einer instabilen oder schweren koronaren Herzkrankheit soll die Fastentherapie aber von einem erfahrenen Arzt geleitet und begleitet werden.
Bei der Herzschwäche gehen die Einschätzungen der Fachleute sogar auseinander: Die Leitlinie führt Herzinsuffizienz unter den möglichen Anwendungsgebieten der Fastentherapie auf. Die Ernährungsmediziner der Herzstiftung raten Betroffenen dagegen, auf echtes Fasten besser ganz zu verzichten. Daraus kannst Du nur eines ableiten: Das ist eine Einzelfallentscheidung, die Du gemeinsam mit Deiner Kardiologin oder Deinem Kardiologen triffst und nicht im Internet.
Was passiert beim Fasten mit Blutdruck und Herz?
Beim Fasten sinkt der Blutdruck häufig. In einer Beobachtungsstudie mit 1.422 Fastenden in einer Buchinger-Klinik fiel der systolische Wert im Mittel von 131,6 auf 120,7 mmHg und der diastolische von 83,7 auf 77,9 mmHg, die Herzfrequenz veränderte sich im Durchschnitt nicht signifikant. Unerwünschte Wirkungen traten bei 0,7 Prozent der Teilnehmenden auf. Die beobachteten Herzrhythmusstörungen waren niedriggradig und vorübergehend und ließen sich behandeln, ohne das Fasten abzubrechen. Wie Fasten den Blutdruck genau beeinflusst, liest Du in unserem Artikel Fasten und Bluthochdruck.
Die Zahlen sind ermutigend, aber mit Vorsicht zu lesen: Es war eine Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe in einer Fastenklinik, und sie zeigt Durchschnittswerte. Unter den Teilnehmenden war auch ein 75-jähriger Mann mit bekannter KHK, der am neunten Fastentag einen Herzinfarkt erlitt und nach einer komplikationslosen Herzkatheter-Behandlung wieder in die Fastenklinik zurückkehrte. Aus einem Einzelfall lässt sich keine Ursache ableiten. Er zeigt aber, dass selbst in einer ärztlich geführten Klinik nicht alles planbar ist.
Warum sind Kalium und Magnesium für das Herz so wichtig?
Kalium und Magnesium halten die elektrischen Signale der Herzzellen stabil, allerdings nur im Normbereich (Kalium 3,6 bis 4,8 mmol/l, Magnesium 0,7 bis 1,05 mmol/l). Sinken die Werte, werden die Herzzellen erregbarer, was Extraschläge und Vorhofflimmern begünstigen kann. Beim Fasten verändert sich die Zufuhr an Nähr- und Mineralstoffen erheblich, und zu wenig Kalium kann bei Herzpatienten mit Rhythmusstörungen genau solche auslösen.
Die Fastenleitlinie sieht deshalb vor der Kur Blutuntersuchungen mit den Elektrolyten vor. Schwere Elektrolytstörungen (Kalium unter 3,0 mmol/l) und höhergradige Herzrhythmusstörungen sind Gründe, die Kur abzubrechen. Mehr zum Mineralstoffhaushalt findest Du im Artikel Elektrolyte beim Fasten. Nimm aber keine Kalium- oder Magnesiumpräparate auf Verdacht: Die Herzstiftung rät, sie nur einzusetzen, wenn im Labor ein Mangel festgestellt wurde.
Was ändert sich bei Herzmedikamenten?
Wer Herzmedikamente nimmt, sollte vor dem Fasten unbedingt mit dem Arzt sprechen. Die Fastenleitlinie nennt Blutdruckmittel (vor allem Betablocker und Diuretika) und Gerinnungshemmer ausdrücklich unter den Medikamenten, die beim Fasten angepasst werden müssen. Besonders heikel sind Entwässerungsmittel: Zu hoch dosiert können sie den Körper austrocknen und Natrium und Kalium im Blut zu weit absinken lassen. Setze deshalb nie eigenmächtig Tabletten ab oder verändere die Dosis, auch nicht, wenn Dein Blutdruck beim Fasten sinkt. Mehr dazu liest Du unter Fasten und Medikamente.
Welche Fastenform kommt für Herzpatienten infrage?
Die Herzstiftung rät Herzkranken, auf alle extremen Fastenformen und insbesondere auf Null-Diäten zu verzichten. Eine moderate Energieeinsparung von etwa 500 bis 800 kcal pro Tag halten ihre Ernährungsmediziner dagegen auch bei KHK oder Herzinsuffizienz für möglich. Reines Wasser- oder Trockenfasten gehört damit für Herzpatienten zu den Formen, auf die Du verzichten solltest.
Für das Fasten nach Buchinger, bei dem Fastende sich mit Säften, Gemüsebrühe und Tee versorgen, liegen große Beobachtungsdaten vor, etwa die oben genannte Studie mit 1.422 Teilnehmenden. Ob diese Form für Dein Herz geeignet ist, entscheidet aber Dein Arzt und nicht der Durchschnitt einer Studie. Mehr zur Methode findest Du auf der Seite zum Buchinger Fasten.
Beim Intervallfasten sieht der Ernährungsmediziner Hans Hauner von der Herzstiftung keinen großen Vorteil gegenüber einer ausgewogenen Ernährung. Ob 16:8-Intervallfasten nach einem schweren Herzinfarkt der Herzfunktion hilft, prüft die Studie INTERFAST-MI der Uniklinik Halle; bei ihrer Vorstellung 2022 lagen noch keine Ergebnisse vor.
Welche Warnzeichen musst Du ernst nehmen?
Wenn Du mit einer Herzvorerkrankung fastest, gehören diese Signale auf Deine Liste: Herzstolpern oder Herzrasen, Schwindel oder Ohnmachtsneigung, Brustschmerzen oder Atemnot, plötzliche Gewichtssprünge. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht wählst Du sofort den Notruf 112. Sprich die anderen Signale umgehend mit Deinem Arzt oder der Fastenleitung ab.
In ärztlich geführten Kuren gelten feste Abbruchkriterien: höhergradige Herzrhythmusstörungen, ein Puls unter 45 pro Minute, ein systolischer Blutdruck unter 70 mmHg und/oder ein diastolischer unter 40 mmHg sowie schwere Elektrolytstörungen. Bei Herzschwäche ist regelmäßiges Wiegen besonders wichtig, weil Wassereinlagerungen das Gewicht verändern. Ein Anstieg um mehr als zwei Kilo in drei Tagen deutet auf eine Neigung zu Ödemen hin. Die Herzstiftung empfiehlt Betroffenen, täglich auf die Waage zu steigen, um Wassereinlagerungen früh zu erkennen.
Wo und mit wem solltest Du fasten, wenn Du Herzprobleme hast?
Die Fastenleitlinie hält fest, dass alle Maßnahmen während einer Fastenkur von Ärztinnen, Ärzten oder Therapeuten geleitet und begleitet werden müssen, die in der Fastentherapie ausgebildet und zertifiziert sind. Als Ziel formuliert die Ärztegesellschaft, dass ausgebildete Fastenleiter möglichst einen Fastenarzt in der Nähe haben. Frag deshalb vor der Buchung offen nach: Kennt das Haus Deine Diagnose und Deine Medikamente? Wer ist bei Kreislaufproblemen erreichbar? Wo ist die nächste Klinik? Teile Deine Vorerkrankung schon bei der Anfrage mit.
Im Hotel Therme in Bad Teinach, einem reinen Fastenhaus im Schwarzwald, begleiten erfahrene Fastenleiter mit mehr als 30 Jahren Erfahrung die Fastenwoche. Besprich Deine Herzerkrankung vorab mit Deinem Arzt und mit dem Haus, damit gemeinsam geklärt ist, ob und in welcher Form eine Kur für Dich passt. Weitere Fastenhäuser findest Du in Baden-Württemberg.
Fazit: Erst das Gespräch, dann die Entscheidung
Fasten mit einer Herzerkrankung ist keine Entscheidung nach Schema F. Extreme Formen sind für Herzpatienten tabu. Eine moderate Kalorienreduktion kann je nach Diagnose möglich sein, bei Herzschwäche raten die Ernährungsmediziner der Herzstiftung eher ab. Entscheidend sind drei Dinge: das Gespräch mit Deinem Kardiologen vor der Kur, ein Blick auf Deine Medikamente und Elektrolyte und eine Begleitung durch erfahrene Fachleute. Als dauerhafter Weg wird ein moderates, anhaltendes Kaloriendefizit mit herzgesunder, mediterraner Kost genannt, mit wenig Salz und viel Obst, Gemüse, Fisch, Nüssen und Olivenöl.
Häufige Fragen
Darf ich nach einem Herzinfarkt fasten?
Nur nach Rücksprache mit Deinem Kardiologen. Die Herzstiftung rät Herzkranken, jede Fastenmethode vorab mit einer Herzspezialistin oder einem Herzspezialisten zu besprechen. Ob Intervallfasten nach einem Infarkt der Herzfunktion hilft, wird in der Studie INTERFAST-MI untersucht. Als Empfehlung taugt das erst, wenn belastbare Ergebnisse vorliegen.
Kann ich bei Herzrhythmusstörungen fasten?
Das ist heikel, weil zu wenig Kalium Rhythmusstörungen auslösen kann. Höhergradige Herzrhythmusstörungen gelten in der Fastenleitlinie sogar als Grund, eine Kur abzubrechen. Lass vor dem Fasten Kalium und Magnesium im Blut kontrollieren, die Herzstiftung rät bei Rhythmusstörungen zu regelmäßigen Kontrollen, und faste nur mit Zustimmung Deines Kardiologen.
Muss ich meine Herztabletten beim Fasten absetzen?
Nein, setze nichts eigenmächtig ab. Manche Medikamente, vor allem Betablocker und Entwässerungsmittel, müssen beim Fasten aber angepasst werden. Das entscheidet Dein Arzt vor Beginn der Kur.
Wie viel darf ich bei Herzschwäche trinken?
Die Trinkmenge legst Du individuell mit Deinem Arzt fest. Die Herzstiftung rät Menschen mit Herzschwäche, wegen der Entwässerungsmittel nicht mehr als 2 Liter täglich zu trinken. Das weicht von der Empfehlung ab, die sonst beim Fasten gilt, viel zu trinken. Deshalb gehört die Trinkmenge ausdrücklich in das Gespräch vor der Kur.
Quellen
- Experte gibt Fasten-Tipps für Herzkrankeaerztezeitung.de ↗
- Fasting Therapy: an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelineskarger.com ↗
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsjournals.plos.org ↗
- Kalium- und Magnesiummangel: Wann gefährlich fürs Herz?idw-online.de ↗
- Stark mit schwachem Herz? Wie Bewegung, Entspannung und gesunde Ernährung helfenidw-online.de ↗
- Kein extremes Fasten für Herzpatientenpharmazeutische-zeitung.de ↗
- Nach Herzinfarkt: Kann Intervallfasten das Herz reparieren?aponet.de ↗











