Frau mit Apfel in der Küche

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Fasten in Schwangerschaft und Stillzeit: Warum Fachleute abraten und was Du stattdessen tun kannst

Autor: Conny Wettcke

Veröffentlicht am: 13.10.2026

Nein: In der Schwangerschaft und in der Stillzeit solltest Du nicht fasten. Die Leitlinien zur Fastentherapie führen Schwangerschaft und Stillzeit ausdrücklich unter den Gegenanzeigen. Jetzt versorgst Du ein Kind mit, und Dein Körper braucht eine gleichmäßige Zufuhr von Energie und Nährstoffen. Auch Diäten mit starkem Gewichtsverlust sind in dieser Zeit kein Thema.

In diesem Artikel erfährst Du, was Fachleute zu Fastenkuren in dieser Lebensphase sagen, warum Hunger in der Schwangerschaft den Stoffwechsel schneller aus dem Gleichgewicht bringen kann, was für die Stillzeit gilt und was Du stattdessen für Dich und Dein Kind tun kannst.

Was sagen die Leitlinien zum Fasten in Schwangerschaft und Stillzeit?

Das Expertengremium, das 2013 die Leitlinien zur Fastentherapie aktualisiert hat, nennt unter den Gegenanzeigen unter anderem Kachexie (krankhafte Auszehrung), Essstörungen, eine unkontrollierte Schilddrüsenüberfunktion sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Eine Fastenkur wie Heilfasten kommt in diesen beiden Phasen also nicht in Frage. Wer sonst noch besser nicht fastet, steht in unserem Artikel Wer sollte nicht fasten?.

Bei Diäten ist die Lage ähnlich. Das Netzwerk Gesund ins Leben weist darauf hin, dass das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) eine beabsichtigte Gewichtsabnahme während der Schwangerschaft wegen möglicher schädlicher Auswirkungen auf das Kind generell nicht empfiehlt. Ob und unter welchen Umständen vor allem Frauen mit starkem Übergewicht (Adipositas) in der Schwangerschaft abnehmen sollten, wird dort als noch diskutiert beschrieben. Das ist eine Frage für Deine Frauenärztin, nicht für eine Fastenkur.

Muss man in der Schwangerschaft für zwei essen?

Nein, aber ausgehungert sollst Du auch nicht sein. Laut Netzwerk Gesund ins Leben ist für die meisten Schwangeren eine Steigerung der Energiezufuhr im Verlauf der Schwangerschaft nicht notwendig, und die Annahme, eine Schwangere müsse „für zwei essen“, trifft nicht zu. Dafür steigt der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen deutlich an, anders als der Energiebedarf. Für Folat (Folsäure), Eisen und Jod wird eine deutlich höhere Zufuhr empfohlen.

Den Mehrbedarf kannst Du meist über die Lebensmittelauswahl decken, mit Ausnahme von Folat und Jod. Bei diesen beiden Nährstoffen reicht die Ernährung also in der Regel nicht aus; wie Du das ausgleichst, besprichst Du am besten mit Deiner Frauenärztin oder Hebamme. Wie Du Deinen Eisenbedarf mit Lebensmitteln deckst, erklärt der Artikel Eisenmangel: Symptome erkennen und den Eisenbedarf natürlich decken.

Was passiert im Körper, wenn Schwangere hungern?

Warum Fachleute so vorsichtig sind, zeigt ein Fallbericht aus der Intensivmedizin. Die Schwangerschaft ist ein Zustand mit relativer Insulinresistenz: Der Körper baut mehr Fett ab und bildet mehr Ketonkörper. Die Autoren sprechen von „beschleunigtem Hungern“. Schon ein kurzer Nahrungsverzicht kann deshalb eine Ketoazidose auslösen, also eine gefährliche Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper.

In dem Bericht ging es um eine 41-jährige Frau in der 32. Schwangerschaftswoche, die vier Tage lang erbrochen hatte und mit einer schweren Stoffwechselentgleisung bei normalem Blutzucker in die Klinik kam. Sie erholte sich mit Infusionen, die Traubenzucker enthielten, und brachte später ein gesundes Kind zur Welt. Die Autoren weisen darauf hin, dass eine solche Übersäuerung bei der Mutter die Entwicklung des kindlichen Nervensystems beeinträchtigen und das Risiko für den Tod des Kindes erhöhen kann. Ein einzelner Fallbericht sagt nichts darüber, wie häufig das passiert. Er zeigt aber, dass es passieren kann.

Was ist mit Intervallfasten oder Ramadan-Fasten in der Schwangerschaft?

Für kürzere Fastenphasen gibt es etwas mehr Daten, vor allem vom Ramadan, in dem Musliminnen und Muslime einen Monat lang tagsüber auf Essen und Trinken verzichten. Eine Meta-Analyse wertete 22 Studien mit 31.374 Schwangerschaften aus, davon 18.920 mit Ramadan-Fasten. Das Geburtsgewicht der Kinder war nicht beeinträchtigt, und auch bei Frühgeburten fand sich kein signifikanter Zusammenhang.

Das klingt beruhigend, ist aber kein Freibrief. Die Autoren betonen, dass die Evidenz zu anderen Folgen für Mutter und Kind unzureichend ist: Zu Totgeburten, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruckerkrankungen waren die Daten zu dünn, und Ärztinnen und Ärzte könnten deshalb keine festen Empfehlungen zur Sicherheit aussprechen. Außerdem ist eine Essenspause von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang etwas anderes als eine mehrtägige Fastenkur, bei der die Nahrungsaufnahme tagelang stark reduziert ist.

Zum Intervallfasten, bei dem Du Deine Essenszeiten begrenzt, haben wir bei unserer Recherche keine belastbaren Daten für Schwangere gefunden. Unsere Empfehlung lautet deshalb: Iss in der Schwangerschaft regelmäßig und besprich Essenspausen vorher mit Deiner Frauenärztin oder Hebamme.

Warum solltest Du in der Stillzeit nicht fasten?

Beim Stillen verbrauchst Du zusätzlich Energie: Bei ausschließlichem Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten sind es etwa 500 Kalorien mehr am Tag. Wer in dieser Zeit stark abnimmt, riskiert mehr als Erschöpfung. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät von einer sehr starken Gewichtsabnahme ab, weil dabei fettlösliche Schadstoffe aus dem mütterlichen Fettgewebe freigesetzt werden und in die Muttermilch übergehen können.

Konkret empfiehlt das Netzwerk: Stillende Frauen sollten keine starke Gewichtsabnahme durch Diäten anstreben. Ein mäßiger Gewichtsverlust und ein Abbau von Fettgewebe sind in der Stillzeit normal, einen Grenzwert für einen akzeptablen Gewichtsverlust nennt das Netzwerk aber nicht. Eine eingeschränkte Energiezufuhr kann außerdem die Nährstoffversorgung von Mutter und Kind gefährden.

Wie ernst ein Nahrungsverzicht beim Stillen werden kann, zeigt wieder ein Fallbericht: Eine 32-jährige Frau hatte drei Wochen nach der Geburt wegen Übelkeit und Erbrechen mehrere Tage lang keine feste Nahrung zu sich genommen und kam mit einer schweren Ketoazidose auf die Intensivstation. Sie stillte danach nicht weiter und war nach zehn Tagen wieder vollständig genesen. Die Autoren halten fest, dass die Stillzeit das Risiko erhöht, weil die Milchbildung den Energiebedarf steigert, und dass ein vollständiges Fasten in der Stillzeit vermieden werden sollte. Auch hier gilt: Es war ein Einzelfall mit weiteren Belastungen, unter anderem einer Venenthrombose.

Was kannst Du stattdessen für Dich tun?

Auf die Fastenkur kannst Du in dieser Zeit verzichten, auf Dein Wohlbefinden nicht. Diese Punkte helfen Dir in Schwangerschaft und Stillzeit:

Wann kannst Du nach Schwangerschaft und Stillzeit wieder fasten?

Eine feste Frist nennen die Quellen, die wir gelesen haben, nicht. Sinnvoll ist deshalb diese Reihenfolge: erst abstillen, dann mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt klären, ob aus gesundheitlicher Sicht etwas gegen eine Kur spricht, und die erste Kur nicht allein zu Hause, sondern begleitet starten.

Begleitete Angebote findest Du zum Beispiel in Baden-Württemberg, etwa im Hotel Therme in Bad Teinach, einem reinen Fastenhaus, das Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten anbietet. Bis dahin gilt: Schwangerschaft und Stillzeit sind Zeiten zum Aufbauen, nicht zum Verzichten.

Kurz zusammengefasst

Für Schwangerschaft und Stillzeit gilt: keine Fastenkur und keine Diät mit starkem Gewichtsverlust. Die Leitlinien zur Fastentherapie führen beide Phasen unter den Gegenanzeigen, und Fallberichte zeigen, dass der Stoffwechsel bei Nahrungsmangel entgleisen kann. Besser sind eine ausgewogene Ernährung, genug Flüssigkeit und die Absprache mit Deiner Frauenärztin oder Hebamme. Wenn Du später fasten möchtest, ist nach dem Abstillen und nach ärztlicher Rücksprache wieder Zeit dafür.

Häufige Fragen

Darf ich in der Schwangerschaft Intervallfasten machen?

Wir raten davon ab. In einer Meta-Analyse zum Ramadan-Fasten blieben Geburtsgewicht und Frühgeburtenrate unverändert, die Evidenz zu anderen Folgen reicht aber nicht für feste Empfehlungen. Besprich Essenspausen deshalb mit Deiner Frauenärztin oder Hebamme.

Darf ich beim Stillen fasten?

Nein. Die Leitlinien zur Fastentherapie führen die Stillzeit als Gegenanzeige, und stillende Frauen sollten laut Netzwerk Gesund ins Leben keine starke Gewichtsabnahme durch Diäten anstreben.

Muss ich in der Schwangerschaft für zwei essen?

Nein. Für die meisten Schwangeren ist laut Netzwerk Gesund ins Leben keine höhere Energiezufuhr nötig, deutlich mehr brauchst Du dagegen an Vitaminen und Mineralstoffen.

Wie viele Kalorien brauche ich in der Stillzeit zusätzlich?

Bei ausschließlichem Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten sind es etwa 500 Kalorien mehr am Tag.

Wann darf ich nach der Stillzeit wieder fasten?

Eine feste Frist haben wir in den Quellen nicht gefunden. Sinnvoll ist: erst abstillen, dann ärztlich klären lassen, ob etwas gegen eine Kur spricht, und die erste Kur begleitet starten.

Quellen

  1. Fasting Therapy: an Expert Panel Update of the 2002 Consensus GuidelinesForschende Komplementärmedizin (Karger) · 2013 · abgerufen am 13.10.2026karger.com ↗
  2. Körpergewicht vor der Konzeption und Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft: HandlungsempfehlungenNetzwerk Gesund ins Leben (BLE) · 2026 · abgerufen am 13.10.2026gesund-ins-leben.de ↗
  3. Energie- und Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft: HandlungsempfehlungenNetzwerk Gesund ins Leben (BLE) · 2026 · abgerufen am 13.10.2026gesund-ins-leben.de ↗
  4. Starvation Ketoacidosis: A Cause of Severe Anion Gap Metabolic Acidosis in PregnancyCase Reports in Critical Care · 2014 · abgerufen am 13.10.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
  5. The effect of Ramadan fasting during pregnancy on perinatal outcomes: a systematic review and meta-analysisBMC Pregnancy and Childbirth · 2018 · abgerufen am 13.10.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
  6. Gut essen in der StillzeitBundeszentrum für Ernährung (BZfE) · 2026 · abgerufen am 13.10.2026bzfe.de ↗
  7. Einschränkung der Energiezufuhr oder Lebensmittelauswahl: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden FrauenNetzwerk Gesund ins Leben (BLE) · 2016 · abgerufen am 13.10.2026gesund-ins-leben.de ↗
  8. Ketoacidosis in a non-diabetic woman who was fasting during lactationNutrition Journal · 2015 · abgerufen am 13.10.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗

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