6 min Lesezeit
Gute und schlechte Kohlenhydrate: So erkennst Du den Unterschied
Autor: Sebastian Wettcke
Veröffentlicht am: 16.08.2026
Kohlenhydrate machen nicht automatisch dick, und sie sind auch nicht „böse“. Entscheidend ist die Qualität: Gute Kohlenhydrate stecken in Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst. Sie sättigen lange, liefern Ballaststoffe und lassen den Blutzucker nur langsam steigen. Schlechte Kohlenhydrate kommen aus Zucker und stark verarbeiteten Weißmehlprodukten, treiben den Blutzucker schnell hoch und sättigen nur kurz.
In diesem Artikel erfährst Du, woran Du gute und schlechte Kohlenhydrate erkennst, wie viele am Tag für Dich sinnvoll sind und wie Du im Alltag mit ein paar einfachen Griffen die besseren wählst.
Was sind Kohlenhydrate überhaupt?
Kohlenhydrate sind neben Fett und Eiweiß einer der drei energieliefernden Nährstoffe und für den Körper die am schnellsten verfügbare Energiequelle. Im Darm werden die meisten von ihnen zu Traubenzucker (Glukose) abgebaut, der über das Blut zu den Zellen gelangt. Vor allem das Gehirn und die roten Blutkörperchen sind auf Glukose als Brennstoff angewiesen.
Man unterscheidet sie grob nach ihrer Kettenlänge:
- Einfach- und Zweifachzucker (zum Beispiel Traubenzucker, Haushaltszucker, Fruchtzucker) schmecken süß und gehen schnell ins Blut.
- Stärke, etwa in Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchten, besteht aus langen Ketten und wird langsamer aufgespalten.
- Ballaststoffe sind Kohlenhydrate, die der Körper nicht verdauen kann. Sie liefern kaum Energie, wirken sich aber positiv auf Blutzucker und Verdauung aus und machen länger satt.
Gibt es wirklich „gute“ und „schlechte“ Kohlenhydrate?
Fachleute sprechen lieber von der Qualität der Kohlenhydrate als von gut und böse. Ein hilfreicher Maßstab ist der glykämische Index. Er ordnet kohlenhydrathaltige Lebensmittel auf einer Skala von 0 bis 100 danach ein, wie schnell und wie stark sie den Blutzucker nach dem Essen ansteigen lassen.
Stark verarbeitete Produkte aus Auszugsmehl, bei denen die Randschichten und der Keim des Korns entfernt wurden, haben einen höheren glykämischen Index als kaum verarbeitete Vollkornprodukte. Lebensmittel, die den Blutzucker kräftig in die Höhe treiben, gehen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzkrankheiten und Übergewicht einher. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Qualität und nicht nur auf die Menge.
Eher gute Kohlenhydrate sind zum Beispiel:
- Vollkornbrot, Haferflocken, Naturreis und Vollkornnudeln
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen
- Gemüse und ganze Früchte
- Kartoffeln als Beilage, gern gekocht statt frittiert
Eher schlechte Kohlenhydrate sind dagegen:
- Zucker in Süßigkeiten, Gebäck und Softdrinks
- Weißmehlprodukte wie helle Brötchen, Toast und viele Frühstückscerealien
- Fruchtsäfte und gesüßte Getränke
Wie viele Kohlenhydrate am Tag sind sinnvoll?
Eine feste Gramm-Zahl für alle gibt es nicht, weil der Bedarf von Deinem Energieverbrauch abhängt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass mehr als die Hälfte der täglichen Energie aus Kohlenhydraten stammen sollte. Bei einer Zufuhr von rund 2.000 Kilokalorien am Tag sind das grob 250 Gramm Kohlenhydrate.
Die Weltgesundheitsorganisation nennt eine ähnliche Größenordnung: Ein großer Teil der täglichen Energie, etwa 45–75 Prozent, sollte aus überwiegend unverarbeiteten Kohlenhydraten stammen, vor allem aus Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Wichtiger als die genaue Zahl ist also, woher die Kohlenhydrate kommen.
Wie viel für Dich persönlich passt, hängt auch davon ab, wie aktiv Du bist: Wer viel Sport treibt, verbraucht mehr und verträgt entsprechend mehr Kohlenhydrate. Sehr kohlenhydratarme Ernährungsformen sind ein eigenes, viel diskutiertes Thema und nicht für jeden geeignet. Bei Vorerkrankungen wie Diabetes besprichst Du größere Umstellungen am besten vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Warum sind Ballaststoffe die wichtigsten Kohlenhydrate?
Wenn Du nur eine Sache über Kohlenhydrate mitnimmst, dann diese: Iss genug Ballaststoffe. Die DGE empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 Gramm am Tag. Die WHO nennt als Mindestwert 25 Gramm. Beide Werte erreichen viele Menschen im Alltag nicht.
Ballaststoffe stecken vor allem in Vollkorn, Hülsenfrüchten, Gemüse, Nüssen und Obst. Sie machen länger satt, weil sie im Darm aufquellen, und wirken sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. Wichtig ist, dazu ausreichend zu trinken, denn nur dann können Ballaststoffe richtig aufquellen. Besonders die Ballaststoffe aus Vollkorn-Getreideprodukten können das Risiko für einen Typ-2-Diabetes senken.
Ein einfacher Alltagstipp: Die WHO rät zu mindestens 400 Gramm Gemüse und Obst pro Tag. Wer diese Menge grob anpeilt und dazu öfter zu Vollkorn greift, deckt seinen Ballaststoffbedarf fast von allein. Eine gemüsebetonte, basische Ernährung liefert dabei automatisch viele gute Kohlenhydrate. Wie viel Ballaststoffe Du genau brauchst und in welchen Lebensmitteln am meisten stecken, liest Du in unserem Ratgeber zu Ballaststoffen.
Wie viel Zucker ist zu viel?
Beim Zucker lohnt sich Zurückhaltung. Die WHO empfiehlt, den Anteil freier Zucker auf weniger als 10 Prozent der täglichen Energie zu begrenzen, das entspricht bei 2.000 Kilokalorien etwa 50 Gramm oder rund 12 Teelöffeln. Noch besser für die Gesundheit ist ein Wert unter 5 Prozent. Zu den freien Zuckern zählt nicht nur der Haushaltszucker, sondern auch der Zucker in Honig, Sirup und Fruchtsäften.
Zuckergesüßte Lebensmittel und Getränke wie Süßwaren, Kuchen und Softdrinks sind meist nährstoffarm, sättigen nur kurz, liefern unnötige Kalorien und erhöhen das Kariesrisiko. Ein guter erster Schritt ist deshalb, gesüßte Getränke durch Wasser oder ungesüßten Tee zu ersetzen. Wie Du Schritt für Schritt weniger Zucker isst, zeigt Dir unser Ratgeber dazu, wie Du bewusst auf Zucker verzichtest.
Wie wählst Du im Alltag die besseren Kohlenhydrate?
Du musst keine Tabellen auswendig lernen. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten landen automatisch mehr gute Kohlenhydrate auf Deinem Teller:
- Tausche Weißmehl gegen Vollkorn: Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Naturreis oder Haferflocken.
- Iss öfter Hülsenfrüchte. Linsen, Kichererbsen und Bohnen liefern Kohlenhydrate, Eiweiß und Ballaststoffe zugleich.
- Nimm die ganze Frucht statt des Safts, so bleiben die Ballaststoffe erhalten.
- Kombiniere Kohlenhydrate mit Gemüse, Eiweiß oder etwas gesundem Fett. Das verlangsamt den Blutzuckeranstieg und hält länger satt.
- Trink genug Wasser, gerade wenn Du Deinen Ballaststoffanteil erhöhst.
Auch der Zeitpunkt kann eine Rolle spielen: Beim Intervallfasten verlängerst Du die Essenspausen, was über den Tag zu weniger Blutzuckerspitzen führen kann. Und wer die Umstellung auf eine gemüsebetonte, ballaststoffreiche Küche einmal in Ruhe erleben möchte, findet in einer Fastenwoche oft den passenden Anstoß. Beim Basenfasten, zum Beispiel im Hotel Therme in Bad Teinach in Baden-Württemberg, lernst Du ganz praktisch, wie eine basische, kohlenhydratbewusste Küche schmeckt.
Unterm Strich gilt: Kohlenhydrate gehören zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Es kommt nicht darauf an, sie zu streichen, sondern die richtigen zu wählen. Setz auf Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst, halte Zucker und Weißmehl klein und achte auf genug Ballaststoffe. Dann arbeiten Kohlenhydrate für Dich und nicht gegen Dich.
Häufige Fragen
Machen Kohlenhydrate dick?
Nicht die Kohlenhydrate an sich machen dick, sondern zu viel Energie insgesamt. Entscheidend sind Qualität und Menge: Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchte sättigen gut, während Zucker und Weißmehl schnell zu einem Zuviel führen. Lebensmittel, die den Blutzucker stark ansteigen lassen, werden mit Übergewicht in Verbindung gebracht.
Sind Kohlenhydrate am Abend ungesund?
Nein, für die verbreitete Regel „keine Kohlenhydrate am Abend“ gibt es keine überzeugende Grundlage. Wichtiger als die Uhrzeit ist, was und wie viel Du über den ganzen Tag isst. Wenn Dir ein leichtes Abendessen bekommt, ist das eine Frage des persönlichen Wohlbefindens, keine feste Ernährungsregel.
Wie viele Kohlenhydrate am Tag zum Abnehmen?
Beim Abnehmen zählt vor allem die Energiebilanz, nicht eine bestimmte Kohlenhydratmenge. Viele kommen gut zurecht, wenn sie die Qualität verbessern: mehr Ballaststoffe, weniger Zucker und Weißmehl. Sehr kohlenhydratarme Diäten sind nicht für jeden geeignet, und bei Vorerkrankungen solltest Du eine größere Umstellung ärztlich begleiten lassen.
Sind Kartoffeln gute oder schlechte Kohlenhydrate?
Kartoffeln sind grundsätzlich ein wertvolles, sättigendes Lebensmittel. Entscheidend ist die Zubereitung: Gekocht oder als Pellkartoffel sind sie eine gute Wahl, während Pommes und Chips durch Fett und starke Verarbeitung deutlich ungünstiger werden.
Was sind komplexe Kohlenhydrate?
Als komplexe Kohlenhydrate bezeichnet man langkettige Kohlenhydrate wie Stärke aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse. Der Körper baut sie langsamer ab als Zucker, dadurch steigt der Blutzucker gleichmäßiger und Du bleibst länger satt.
Quellen
- Carbohydrates and Blood Sugarnutritionsource.hsph.harvard.edu ↗
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Kohlenhydratedge.de ↗
- Ballaststoffediabetesde.org ↗
- Healthy diet (Fact sheet)who.int ↗











