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Fasten bei Rheuma: Was Heilfasten bei rheumatoider Arthritis wirklich bewirkt

Autor: Reiner Wettcke

Veröffentlicht am: 22.09.2026

Wenn die Gelenke morgens steif sind und jeder Schub Dich ausbremst, klingt es verlockend, mit ein paar Fastentagen gegenzusteuern. Kann Fasten bei Rheuma wirklich helfen? Ja: In kontrollierten Studien hat therapeutisches Fasten bei rheumatoider Arthritis Gelenkschmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit spürbar gelindert. Fasten heilt Rheuma aber nicht. Es wirkt am besten als begleitende Maßnahme unter ärztlicher Aufsicht, und die Linderung hält vor allem dann an, wenn danach eine dauerhaft pflanzenbetonte Ernährung folgt.

In diesem Artikel erfährst Du, was die Forschung zu Fasten bei rheumatoider Arthritis wirklich zeigt, wie Fasten im Körper auf die Entzündung wirkt, für wen es geeignet ist und für wen nicht, und wie eine Fastenkur bei Rheuma sinnvoll und sicher abläuft.

Hilft Fasten bei rheumatoider Arthritis?

Die bekannteste Untersuchung dazu ist eine norwegische Studie aus dem Jahr 1991: 27 Rheumapatientinnen und -patienten fasteten sieben bis zehn Tage und stellten anschließend über ein Jahr auf eine vegetarische Kost um, eine Vergleichsgruppe von 26 Personen aß normal weiter. Schon nach vier Wochen hatte die Fasten- und Diätgruppe deutlich weniger schmerzhafte und geschwollene Gelenke, eine kürzere Morgensteifigkeit und bessere Entzündungswerte im Blut, und dieser Vorteil blieb über das ganze Jahr messbar. Eine spätere Übersichtsarbeit, die vier kontrollierte Studien zusammenfasste, bestätigte einen statistisch und klinisch bedeutsamen Langzeiteffekt von Fasten mit anschließender vegetarischer Ernährung.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie ordnet Fasten als ergänzende Maßnahme ein: Eine Fastenperiode von etwa fünf bis zehn Tagen kann bei rheumatoider Arthritis Beschwerden lindern, besonders bei Betroffenen mit Übergewicht und begleitendem Stoffwechselsyndrom. Entscheidend ist der Anschluss: Ohne eine dauerhafte Umstellung auf eine mediterrane oder pflanzenbetonte Kost verpufft der Effekt meist wieder.

Ganz ohne Einschränkung ist die Studienlage aber nicht. Die älteren Untersuchungen weisen nach heutigen Qualitätskriterien methodische Schwächen auf, und für Fastenkuren, die länger als zehn Tage dauern, gibt es kaum aussagekräftige Daten. Die Deutsche Rheuma-Liga fasst es nüchtern zusammen: Kurze Fastenperioden von sieben bis neun Tagen linderten bei Menschen mit milder, stabil eingestellter Erkrankung die Gelenkschmerzen, ein Wundermittel ist Fasten aber nicht.

Warum wirkt Fasten auf die Entzündung?

Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift die eigene Gelenkinnenhaut an. Fasten setzt an mehreren Stellen an, die mit dieser Entzündung zusammenhängen. Verzichtest Du auf feste Nahrung, stellt der Stoffwechsel nach den ersten Tagen auf Fettverbrennung um und durchläuft eine Reihe hormoneller und neuroendokriner Veränderungen. Das therapeutische Fasten löst dabei messbare entzündungsdämpfende Effekte aus, unter anderem über den fastenbedingten Abfall des Hormons Leptin, das eng mit Entzündungsprozessen verknüpft ist.

Dazu kommen Begleiteffekte, von denen gerade Rheumabetroffene mit weiteren Risikofaktoren profitieren: Fasten senkt den Blutdruck oft rasch und deutlich und verbessert Blutzucker- und Blutfettwerte. Da viele Menschen mit rheumatoider Arthritis zusätzlich unter Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes leiden, wirkt eine Fastenkur hier gleich doppelt. Mehr über die entzündungshemmende Seite des Fastens liest Du im Artikel Fasten und Entzündungen.

Für wen ist Fasten bei Rheuma geeignet, für wen nicht?

Fasten passt nicht zu jeder Rheumasituation. Am ehesten profitieren Menschen mit einer milden, medikamentös stabil eingestellten rheumatoiden Arthritis, oft zusätzlich mit Übergewicht. In einem akuten, hochaktiven Schub dagegen ist Fasten nicht angezeigt, weil der Körper dann ohnehin vermehrt Eiweiß abbaut und ein zusätzlicher Eiweißverlust die Erkrankung verschlechtern kann.

Ganz verzichten solltest Du auf eine Fastenkur, wenn einer dieser Punkte auf Dich zutrifft:

Deine Rheumamedikamente setzt Du beim Fasten übrigens nicht einfach ab: Die medikamentöse Therapie sollte während der Fastenzeit unbedingt weiterlaufen, Dosisanpassungen gehören in ärztliche Hand. Was Du generell vor einer Fastenkur mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt klären solltest, findest Du im Beitrag Fasten und Medikamente.

Wie läuft eine Fastenkur bei Rheuma ab?

In der Rheumatherapie kommt meist das klassische Heilfasten nach der Methode von Otto Buchinger zum Einsatz, also ein Saft- und Brühefasten über mehrere Tage. Eine Kur beginnt mit ein bis zwei Entlastungstagen, darauf folgt die eigentliche Fastenphase von etwa fünf bis zehn Tagen, und am Ende steht ein behutsamer Kostaufbau. Fachgesellschaften betonen, dass eine solche Kur von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der Fastentherapie begleitet werden sollte.

Weil die ärztliche Begleitung, die feste Tagesstruktur und der geschützte Rahmen den Unterschied machen, entscheiden sich viele Rheumabetroffene für eine begleitete Kur in einem spezialisierten Fastenhaus statt fürs Fasten allein zu Hause. Wer das Buchinger-Fasten in Süddeutschland kennenlernen möchte, findet zum Beispiel im Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald ein reines Fastenhaus, und über die Region Baden-Württemberg eine Übersicht weiterer Häuser.

So wichtig wie das Fasten selbst ist, was danach kommt. Der lindernde Effekt hält vor allem dann an, wenn Du im Anschluss dauerhaft auf eine mediterrane, pflanzenbetonte Ernährung umstellst, mit viel Gemüse, hochwertigen Ölen und wenig Fleisch. Genau diese Kombination aus Fastenstart und anschließender vegetarischer Kost hat in den Studien den Langzeiteffekt gebracht, nicht das Fasten allein.

Unterm Strich: Fasten kann bei rheumatoider Arthritis Gelenkschmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit lindern und ist ein sinnvoller Baustein, aber kein Ersatz für Deine reguläre Rheumatherapie. Am besten wirkt es als kurze, ärztlich begleitete Kur bei stabil eingestellter Erkrankung, gefolgt von einer dauerhaft pflanzenbetonten Ernährung. Sprich den Plan vorher mit Deiner Rheumatologin oder Deinem Rheumatologen ab, dann kann Fasten Deine Behandlung sinnvoll ergänzen.

Häufige Fragen

Kann Fasten Rheuma heilen?

Nein. Fasten kann die Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis lindern, heilt die zugrunde liegende Autoimmunerkrankung aber nicht. Es ist eine ergänzende Maßnahme, kein Ersatz für Deine reguläre Rheumatherapie, die Du weiterführst.

Wie lange sollte man bei Rheuma fasten?

Üblich sind kurze Fastenphasen von etwa fünf bis zehn Tagen, in Studien meist sieben bis neun Tage. Für Fastenkuren, die länger als zehn Tage dauern, gibt es bei Rheuma kaum aussagekräftige Daten, und sie gehören in ärztliche Begleitung.

Darf ich meine Rheumamedikamente während des Fastens absetzen?

Nein. Die medikamentöse Therapie sollte während der Fastenzeit unbedingt weiterlaufen. Ob und wie eine Dosis angepasst wird, entscheidet ausschließlich Deine Ärztin oder Dein Arzt.

Was sollte ich nach dem Fasten essen?

Am besten stellst Du dauerhaft auf eine mediterrane, pflanzenbetonte Ernährung um, mit viel Gemüse, hochwertigen Ölen und wenig Fleisch. Genau dieser Anschluss sorgt dafür, dass die Linderung anhält.

Für wen ist Fasten bei Rheuma nicht geeignet?

Nicht fasten solltest Du bei Untergewicht, einer Essstörung, Gicht sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Auch in einem akuten, hochaktiven Schub ist Fasten nicht angezeigt. Kläre den Plan im Zweifel immer vorher ärztlich ab.

Quellen

  1. Controlled trial of fasting and one-year vegetarian diet in rheumatoid arthritisThe Lancet · 1991 · abgerufen am 22.09.2026thelancet.com
  2. Fasten und RheumaDeutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) · abgerufen am 22.09.2026dgrh.de
  3. Fasting followed by vegetarian diet in patients with rheumatoid arthritis: a systematic reviewScandinavian Journal of Rheumatology · 2001 · abgerufen am 22.09.2026tandfonline.com
  4. Ernährung bei RheumaDeutsche Rheuma-Liga · abgerufen am 22.09.2026rheuma-liga.de
  5. Therapeutisches Fasten (Heilfasten)Karl und Veronica Carstens-Stiftung · abgerufen am 22.09.2026carstens-stiftung.de

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