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Fasten bei Erkältung: Darfst Du mit einem Infekt weiterfasten oder pausierst Du besser?
Autor: Sebastian Wettcke
Veröffentlicht am: 12.10.2026
Am dritten Fastentag kratzt der Hals, die Nase läuft, und die Frage steht im Raum: durchhalten oder aufhören? Bei einem leichten Schnupfen ohne Fieber ist ein Abbruch nicht zwingend, die Entscheidung gehört aber in die Hände Deiner Fastenleitung oder Deines Arztes. Bei Fieber, stärkeren Beschwerden oder Unsicherheit pausierst Du und lässt es ärztlich abklären, und eine neue Kur startest Du mit einem akuten Infekt besser nicht.
Belastbare Studien am Menschen zu genau dieser Frage haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden, es gibt vor allem Tierversuche, die je nach Erreger in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Deshalb ist die vorsichtige Variante die vernünftige. In diesem Artikel erfährst Du, was die Forschung zu Fasten und Infekten sagt, warum Du bei Fieber mehr trinken musst und bei welchen Anzeichen Du pausierst oder zum Arzt gehst.
Darfst Du mit einer Erkältung fasten?
Das hängt davon ab, wie stark der Infekt ist und ob Du schon mitten in einer Kur steckst. Die Konsensleitlinien zur Fastentherapie nennen als Ausschlussgründe unter anderem Kachexie, Essstörungen, eine unkontrollierte Schilddrüsenüberfunktion, fortgeschrittene Leber- oder Nierenschwäche sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Eine Erkältung wird dort nicht als eigener Ausschlussgrund aufgeführt. Die Leitlinie verlangt aber, dass alle Maßnahmen während des Fastens von dafür geschulten Ärzten oder Therapeuten begleitet werden. Genau dorthin gehört eine Erkältung: Du entscheidest nicht allein. Wer grundsätzlich nicht ohne ärztlichen Rat fasten sollte, findet das in unserem Artikel Wer sollte nicht fasten?.
Drei Situationen unterscheidest Du am besten:
- Leichte Erkältung, kein Fieber, Du bist in einer begleiteten Kur: Sprich noch am selben Tag mit Deiner Fastenleitung oder Deinem Arzt. Gemeinsam entscheidet Ihr, ob Du weiterfastest, die Kur ruhiger gestaltest oder pausierst.
- Fieber, starke Beschwerden oder Husten mit Atemnot: Pausiere und lass Dich ärztlich untersuchen. Hohes Fieber, starke oder sich verstärkende Symptome sowie Brustschmerzen, Luftnot und Atembeschwerden sind ein Grund, ärztlichen Rat zu suchen, besonders bei chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD.
- Die Kur beginnt erst noch: Verschiebe den Start, bis Fieber und Abgeschlagenheit vorbei sind. Eine Erkältung klingt in der Regel nach etwa ein bis zwei Wochen von selbst ab, ein Husten kann bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage dauern. Auf den allerletzten Husten musst Du nicht warten, besprich den Starttermin aber mit dem Haus oder Deinem Arzt.
Wenn Du eine Kur gebucht hast und kurz vor der Anreise erkältet bist, schreib dem Gastgeber vorab und schildere Deine Symptome. Im Hotel Therme in Bad Teinach, einem reinen Fastenhaus im Schwarzwald, begleiten die Fastenleiter Conny und Reiner die Kur und sind bei solchen Fragen Deine Ansprechpartner. Weitere Häuser in der Region findest Du unter Baden-Württemberg.
Hilft Hungern bei einer Infektion? Das zeigt die Forschung
Die bekannteste Studie zur Frage stammt von einem Team um Andrew Wang und Ruslan Medzhitov an der Yale University und erschien 2016 im Fachjournal Cell. Die Forschenden infizierten Mäuse mit Bakterien (Listerien) oder Viren (Influenza) und beobachteten, was Nahrungszufuhr bewirkt.
Das Ergebnis ging in entgegengesetzte Richtungen. Bei der bakteriellen Infektion schützte Appetitlosigkeit die Tiere und zusätzliche Nahrung schadete, wobei Glukose die entscheidende Rolle spielte. Bei Influenza war es umgekehrt: Nahrung schützte, und das Blockieren der Glukoseverwertung war tödlich.
Für Dich lässt sich daraus wenig ableiten. Es waren Mäuse, und die Autoren nennen als Einschränkung unter anderem, dass die Versuche mit nur einem Mäusestamm in einer Einrichtung liefen. Yale weist darauf hin, dass es keine Versuche am Menschen gab, und die Forschenden mahnen, die alte Volksweisheit vom Füttern und Hungern bei Erkältung und Fieber nicht wörtlich zu nehmen, weil der Effekt von der jeweiligen Infektion abhängen dürfte. Konkrete Ernährungsempfehlungen für Erkrankte leiten sie noch nicht ab.
Eine gewöhnliche Erkältung wird von Viren ausgelöst, Antibiotika wirken dagegen nicht. Würde man das Mausergebnis auf einen Virusinfekt übertragen, spräche es eher fürs Essen als fürs Hungern. Genau diese Übertragung ist aber nicht belegt. Die Studie taugt deshalb weder als Argument fürs Weiterfasten noch fürs Aufhören. Wie Fasten die Abwehrkräfte ganz allgemein beeinflusst, erklärt unser Artikel Fasten und das Immunsystem.
Warum Du bei Fieber mehr trinken musst
Fieber erhöht den Wasserbedarf, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt es neben Erbrechen und Durchfall ausdrücklich als Grund für einen höheren Bedarf. Im Alltag stammt außerdem ein Teil des Wassers aus fester Nahrung: Für 25- bis 50-Jährige rechnet die DGE mit rund 860 von insgesamt 2600 Millilitern pro Tag. Beim Fasten fällt dieser Anteil weitgehend weg, und Du gleichst ihn über Getränke aus.
Als Faustregel nennt das Gesundheitslexikon DocMedicus für nieren- und herzgesunde Erwachsene pro Grad über 37 °C zusätzlich 0,5 bis 1 Liter Flüssigkeit. Bei 38,5 °C wären das etwa 0,75 bis 1,5 Liter mehr. Durst meldet sich bei Fieber oft spät, Du solltest also nicht auf ihn warten. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gelten individuelle Grenzen für die Trinkmenge, die Du mit Deinem Arzt festlegst.
Geeignet sind ungesüßte Tees wie Kamille, Fenchel oder Pfefferminze und stilles, leicht mineralisiertes Wasser. Wasser, Tee und Brühe sind auch beim Fasten Dein Standard, trinke sie warm und in kleinen Schlucken über den Tag verteilt.
Was hilft bei einer leichten Erkältung während der Kur?
- Ruhe statt Programm: Lass Training und lange Wanderungen ausfallen, bis der Infekt abgeklungen ist, und plane den Tag ruhiger.
- Temperatur im Blick: Miss morgens und abends. Steigt sie, ist das Dein Signal zum Pausieren und für den Anruf bei Arzt oder Fastenleitung.
- Medikamente vorher absprechen: Schmerz- und fiebersenkende Mittel können Beschwerden lindern. Beim Fasten gelten für Medikamente aber eigene Regeln, deshalb fragst Du vorher Arzt oder Apotheke.
- Keine Zusätze auf eigene Faust: Vitamin C und Echinacea werden manchmal empfohlen, ihr Nutzen lässt sich laut gesund.bund.de aktuell nicht zuverlässig bewerten.
Wann pausierst Du und wann gehst Du zum Arzt?
Pausiere und kläre es ärztlich, sobald eines davon zutrifft:
- Du hast Fieber, vor allem hohes Fieber.
- Die Beschwerden sind stark oder werden schlimmer.
- Du hast Brustschmerzen, Luftnot oder Atembeschwerden.
- Du bekommst starken Schwindel, Herzrasen oder Kreislaufprobleme. Die Konsensleitlinie führt höhergradige Herzrhythmusstörungen, schwere Elektrolytstörungen und einen Kreislaufeinbruch unter den Abbruchkriterien.
- Du kannst wegen Übelkeit oder Erbrechen kaum noch trinken.
Außerhalb der Praxiszeiten erreichst Du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Wie ein sanfter Ausstieg aussieht und welche weiteren Warnzeichen es gibt, erklärt unser Artikel Fasten abbrechen. Eine Pause ist kein Scheitern. Ist der Infekt vorbei, besprichst Du mit Deiner Fastenleitung, ob und wann ein neuer Anlauf sinnvoll ist, zum Beispiel mit Heilfasten in einem gut begleiteten Rahmen.
Zusammengefasst
Ob Fasten bei einer Erkältung hilft oder schadet, ist beim Menschen nicht geklärt. Die Mausstudien deuten je nach Erreger in beide Richtungen und geben keine Empfehlung für Dich. Bei einem leichten Infekt ohne Fieber entscheidest Du gemeinsam mit Fastenleitung oder Arzt, bei Fieber oder starken Beschwerden pausierst Du und holst ärztlichen Rat. Trinke ausreichend, denn Fieber erhöht den Wasserbedarf, und starte keine neue Kur, solange Du akut erkrankt bist.
Häufige Fragen
Kann ich fasten, um eine Erkältung loszuwerden?
Dafür gibt es beim Menschen keinen Beleg. Die Yale-Studie zeigt an Mäusen je nach Erreger gegensätzliche Effekte, und es fanden keine Versuche am Menschen statt. Ruhe, Wärme und genug Flüssigkeit sind die sicherere Wahl.
Darf ich mit Schnupfen eine Fastenkur beginnen?
Besser nicht. Verschiebe den Start, bis Fieber und Abgeschlagenheit vorbei sind. Erkältungen klingen in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst ab. Bist Du unsicher, sprich vorab mit dem Haus oder Deinem Arzt.
Kann ich bei Fieber weiterfasten?
Nicht auf eigene Faust. Hohes Fieber ist ein Anlass für ärztlichen Rat, und es erhöht Deinen Wasserbedarf. Pausiere und kläre das mit Arzt oder Fastenleitung.
Wie viel soll ich bei Erkältung und Fasten trinken?
Mit Fieber steigt der Bedarf. Als Faustregel gelten bei nieren- und herzgesunden Erwachsenen pro Grad über 37 °C zusätzlich 0,5 bis 1 Liter. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen legst Du die Trinkmenge mit Deinem Arzt fest.
Darf ich bei einer Erkältung Medikamente nehmen?
Das hängt vom Präparat ab. Schmerz- und fiebersenkende Mittel können Beschwerden lindern, beim Fasten gelten für Medikamente aber eigene Regeln. Sprich es deshalb vorher mit Arzt oder Apotheke ab.
Quellen
- Fasting Therapy: an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelineskarger.com ↗
- Erkältung: Symptome und Behandlunggesund.bund.de ↗
- Opposing Effects of Fasting Metabolism on Tissue Tolerance in Bacterial and Viral Inflammationpmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Study examines effects of fasting on infectionsnews.yale.edu ↗
- Warum die Ernährung bei Krankheit so wichtig istspektrum.de ↗
- Erkältunggesundheitsinformation.de ↗
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Wasserdge.de ↗
- Trinkmenge bei Krankheiten: Wie Flüssigkeit dem Körper hilft, schneller zu genesengesundheits-lexikon.com ↗












