Zwei Frauen mit Tee am Fenster

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Fasten bei Krebs: Warum Fachleute abraten und was zum Kurzzeitfasten bekannt ist

Autor: Sebastian Wettcke

Veröffentlicht am: 06.10.2026

Du oder jemand, der Dir nahesteht, hat die Diagnose Krebs bekommen und Du fragst Dich, ob Fasten helfen oder zumindest nicht schaden kann? Die Antwort zuerst: Fachleute raten Krebserkrankten vom Fasten ab, weil es bei ihnen zu einem ausgeprägten Mangel an wichtigen Nährstoffen kommen kann. Auch die S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung bei Krebs spricht sich gegen Fasten aus, weil es das Risiko für Mangelernährung erhöht. Kurzzeitfasten während der Chemotherapie wird zwar erforscht, ist aber keine gesicherte Behandlung.

In diesem Artikel erfährst Du, warum Fasten bei Krebs ein Risiko sein kann, was die Studien zum Kurzzeitfasten unter Chemotherapie bisher zeigen, was von Detox-Kuren nach der Behandlung zu halten ist und wie Du gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam zu einer guten Entscheidung kommst. Er ersetzt kein Gespräch mit Deinen Ärztinnen und Ärzten, sondern ordnet ein, was der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und die Leitlinie dazu sagen.

Darf man bei Krebs fasten?

Für gesunde Menschen können Fastenkuren wie das Heilfasten nach Buchinger vertretbar sein. Bei Krebserkrankten ist die Lage anders: Es kann zu einem ausgeprägten Mangel an wichtigen Nährstoffen kommen, deshalb raten Fachleute ihnen davon ab, zu fasten. Das gilt auch für Saft- und Teefasten, denn die meisten Krebserkrankten verlieren schon durch die Erkrankung und die Therapie an Gewicht. Wenn sie zusätzlich fasten, kann das eine Mangelernährung begünstigen.

Der Unterschied zu Gesunden liegt also nicht in der Fastenmethode, sondern darin, dass der Körper bei Krebs ohnehin unter Druck steht und Reserven braucht, die er beim Fasten nicht bekommt.

Warum ist Fasten bei Krebs riskanter als bei Gesunden?

Der Kern des Problems heißt Mangelernährung. Sie bedeutet, dass Dein Körper zu wenig Energie und Nährstoffe bekommt. Fasten bei Krebs kann so zu ungewolltem Gewichts- und Muskelverlust führen. Die S3-Leitlinie rät deshalb von Fasten, ketogenen Diäten und sogenannten Krebsdiäten ab, da sie die Ernährung einschränken und damit das Risiko von Mangelernährung und Gewichtsverlust erhöhen. Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohen Komplikationen, Therapieversagen und im schlimmsten Fall der Tod durch Mangelernährung.

Kann Fasten Krebs heilen?

Das ist nicht belegt. Studien, die die Wirkung spezieller Krebsdiäten eindeutig belegen, fehlen. Der Krebsinformationsdienst weist außerdem darauf hin, dass jede sehr einseitige Form der Ernährung eher schadet. Eine Fastenkur ersetzt deshalb nie die empfohlene Krebsbehandlung.

Was zeigen Studien zum Kurzzeitfasten während der Chemotherapie?

Hier wird es differenzierter, denn es gibt tatsächlich Forschung. Aus Zellkulturversuchen und Studien an Tiermodellen gibt es vielversprechende Hinweise auf einen möglichen Nutzen von Kurzzeitfasten unter Chemotherapie. Für den Menschen hielt der Krebsinformationsdienst es 2017 aber noch für zu früh, um Aussagen über eine mögliche Wirkung zu machen. Die bisherigen Pilotstudien sind klein: eine Studie von 2015 mit 13 Brustkrebspatientinnen, eine von 2016 mit 20 Krebspatienten.

Die bekannteste deutsche Untersuchung stammt von der Charité und dem Immanuel Krankenhaus in Berlin. In dieser randomisierten Crossover-Pilotstudie fasteten Frauen mit Brust- oder Eierstockkrebs in manchen Chemotherapie-Zyklen von 36 Stunden davor bis 24 Stunden danach. Erlaubt waren Wasser, Kräutertee und bis zu 350 Kilokalorien Gemüsesaft oder Brühe pro Tag. In den Zyklen mit Fasten fiel die durch die Chemotherapie bedingte Verschlechterung der Lebensqualität geringer aus, und es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf.

Diese Ergebnisse darfst Du aber nicht überbewerten. Ausgewertet wurden 34 Frauen. Teilnehmen konnten nur Frauen mit einem BMI von mindestens 19. Die Studienautoren betonen selbst, dass größere randomisierte Studien nötig sind, um die Ergebnisse zu bestätigen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die alle vorliegenden Studien untersucht hat, sieht dafür, dass Fasten die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringert, bisher keine Belege. Wer sich für Kurzzeitfasten unter Chemotherapie interessiert, dem empfiehlt der Krebsinformationsdienst, an einer klinischen Studie teilzunehmen.

Was ist mit Detox und Entgiften nach der Chemotherapie?

Nach einer Behandlung wünschen sich viele, den Körper zu „entgiften“. Wissenschaftlich belegt ist bisher nicht, dass sogenanntes Entgiften den Körper von Schadstoffen befreit. Die meisten Medikamente zur Chemotherapie baut der Körper innerhalb weniger Stunden oder Tage von ganz allein ab.

Einläufe und starkes Abführen schwächen den Körper sogar, weil Betroffene zu viel Flüssigkeit und zu viele Salze verlieren. Entgiften ist deshalb keine ratsame Methode, um sich von einer Chemotherapie zu erholen, und sollte, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Anleitung erfolgen. Was beim Fasten tatsächlich im Körper passiert und warum von „Giften“ meist keine Rede sein kann, erklären wir in unserem Beitrag zum Entschlacken und Entgiften.

Was ist stattdessen sinnvoll?

Statt zu fasten, geht es bei Krebs darum, Gewicht und Kräfte zu halten. Hast Du schon Gewicht verloren, solltest Du kalorienreduzierte Kost nur nach Absprache mit Deinen Ärzten erwägen. Droht eine krankheitsbedingte Mangelernährung, kann eine medizinische Ernährungstherapie nötig sein.

Praktisch heißt das für Dich:

  • Sprich mit Deinem Onkologen oder Deiner Onkologin, bevor Du Deine Ernährung umstellst, auch bei Kurzzeit- oder Intervallfasten.
  • Frag in Deinem Behandlungszentrum nach einer Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie.
  • Beobachte Dein Gewicht und sprich ungewollten Gewichtsverlust früh an.
  • Verzichte nie auf eine empfohlene Behandlung zugunsten einer Fastenkur oder Diät.

Und nach der Behandlung oder bei Krebs in der Vorgeschichte?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort. Ob und wann eine Fastenkur wieder in Frage kommt, hängt von der Krebsart, dem Behandlungsstand, Deinem Gewicht und Deinem Ernährungszustand ab. Darüber entscheidest Du gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam, bevor Du Dich für eine Kur anmeldest.

Wenn Du später eine begleitete Fastenkur planst, nenne dem Fastenleiter Deine Krankengeschichte offen. Welche Vorerkrankungen gegen eine Fastenkur sprechen, steht in unserem Beitrag Wer sollte nicht fasten? Wie Medikamente und Fasten zusammenspielen, erklärt der Artikel Fasten und Medikamente.

Fazit

Fasten ist bei Krebs kein Selbstversuch. Fachleute raten Erkrankten ab, weil Mangelernährung die Behandlung gefährden kann, und dass Fasten Krebs heilt, ist nicht belegt. Kurzzeitfasten unter Chemotherapie wird in Studien untersucht, bleibt aber bis auf Weiteres ein Thema für klinische Studien und die ärztliche Entscheidung. Sprich deshalb vor jeder Ernährungsumstellung mit Deinem Behandlungsteam.

Häufige Fragen

Kann Fasten Krebs heilen oder die Behandlung ersetzen?

Das ist nicht belegt. Studien, die die Wirkung spezieller Krebsdiäten eindeutig belegen, fehlen. Eine Fastenkur ersetzt keine Krebsbehandlung.

Darf ich während einer Chemotherapie fasten?

Fachleute raten Krebserkrankten davon ab, zu fasten. Kurzzeitfasten unter Chemotherapie wird erforscht, ist aber noch kein Standard. Wenn Dich das Thema interessiert, besprich es mit Deinem Onkologen und frag nach laufenden klinischen Studien.

Ist Intervallfasten bei Krebs eine Alternative?

Auch zum Kurzzeit- und Intervallfasten bei einer Chemotherapie gibt es bisher nur eine begrenzte Anzahl beweiskräftiger Studien. Wie Intervallfasten bei gesunden Menschen funktioniert, kannst Du auf der Methodenseite nachlesen. Bei einer Krebserkrankung gehört die Entscheidung in ärztliche Hände.

Was tun, wenn ich schon Gewicht verloren habe?

Sprich es früh bei Deinem Behandlungsteam an. Kalorienreduzierte Kost kommt dann nur nach Absprache mit den Ärzten in Frage, und bei drohender Mangelernährung kann eine medizinische Ernährungstherapie nötig sein.

Quellen

  1. Diäten bei KrebsKrebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum · 2024 · abgerufen am 06.10.2026krebsinformationsdienst.de ↗
  2. Ernährung bei Krebs: Keine Empfehlung für Krebsdiätenaponet.de · 2026 · abgerufen am 06.10.2026aponet.de ↗
  3. Detox: Entgiften nach einer Chemotherapie?Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum · 2021 · abgerufen am 06.10.2026krebsinformationsdienst.de ↗
  4. Ernährungsmythen bei KrebsKrebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum · 2016 · abgerufen am 06.10.2026krebsinformationsdienst.de ↗
  5. Kurzzeitfasten während der ChemotherapieKrebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum · 2017 · abgerufen am 06.10.2026krebsinformationsdienst.de ↗
  6. The effects of short-term fasting on quality of life and tolerance to chemotherapy in patients with breast and ovarian cancer: a randomized cross-over pilot studyBMC Cancer · 2018 · abgerufen am 06.10.2026bmccancer.biomedcentral.com ↗
  7. Kurzzeitfasten macht Chemo wohl wirksamer und verträglicherÄrzte Zeitung · 2018 · abgerufen am 06.10.2026aerztezeitung.de ↗

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