Frau kocht gesund in der Küche

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Hochverarbeitete Lebensmittel: Wie ungesund sind sie wirklich und wie isst Du weniger davon?

Autor: Conny Wettcke

Veröffentlicht am: 28.10.2026

Hochverarbeitete Lebensmittel (englisch Ultra-Processed Foods, kurz UPF) sind industriell gefertigte Produkte aus zerlegten Zutaten und Zusatzstoffen, zum Beispiel Softdrinks, Chips, Fertiggerichte oder Wurstwaren. Wer viel davon isst, hat laut Auswertungen von Beobachtungsstudien ein höheres Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob die Verarbeitung selbst schadet oder eher das Nährstoffprofil der Produkte, ist unter Fachleuten allerdings noch umstritten.

In diesem Artikel erfährst Du, was als hochverarbeitet gilt, woran Du solche Produkte erkennst, was Studien zu Gesundheit und Gewicht zeigen und wie Du im Alltag Schritt für Schritt weniger davon isst, ohne auf Genuss zu verzichten.

Was sind hochverarbeitete Lebensmittel?

Der Begriff stammt aus der NOVA-Klassifikation, die Lebensmittel in vier Stufen von unverarbeitet (Stufe 1) bis hochverarbeitet (Stufe 4) einordnet. Maßstab sind der Verarbeitungsgrad, die Zahl der Zutaten und Zusatzstoffe sowie die Verpackung. Zur Stufe 4 zählen Produkte, die in mehreren industriellen Schritten entstehen: Lebensmittel werden in ihre Bestandteile zerlegt, diese chemisch verändert und dann mit kosmetischen Zusatzstoffen zu einem fertigen, besonders schmackhaften Produkt zusammengesetzt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt als typische Beispiele Süßwaren, Gebäck, frittierte Snacks, Wurstwaren, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte. Sie enthalten meist viel Zucker, Salz und gesättigte Fette, dafür wenig Ballaststoffe, Eiweiß und Mikronährstoffe. Schon in den frühen 2000er-Jahren stammte in Deutschland etwa die Hälfte der Energie, die Erwachsene aufnahmen, aus verarbeiteten und hochverarbeiteten Lebensmitteln.

Eine einheitliche, allgemein anerkannte Definition gibt es bislang nicht. NOVA erfasst außerdem nur die industrielle Verarbeitung, das Kochen zu Hause fällt heraus: Industriell hergestelltes Apfelmus landet laut Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in Stufe 3 oder 4, selbst gekochtes dürfte Stufe 1 entsprechen.

Woran erkennst Du hochverarbeitete Lebensmittel?

Der einfachste Test ist die Zutatenliste. Ein Produkt gilt als hochverarbeitet, wenn darin mindestens eine Zutat steht, die typisch für diese Gruppe ist. Dazu gehören industrielle Süßungsmittel und Fette, aufgespaltene Eiweiße sowie Zusatzstoffe wie Aromen, Farbstoffe, Emulgatoren und Verdickungsmittel, die in einer Haushaltsküche kaum vorkommen.

Als Faustregel gilt deshalb: Steht auf der Packung etwas, das Du zu Hause nie in den Topf geben würdest, ist das Produkt sehr wahrscheinlich hochverarbeitet. Auch eine lange Liste ist ein Hinweis, denn die Zahl der Zutaten und Zusatzstoffe gehört zu den Kriterien der Einordnung. Eine kurze Liste mit Zutaten, die Du aus Deiner Küche kennst, spricht dagegen.

Wie ungesund sind hochverarbeitete Lebensmittel?

Die Datenlage ist groß, aber überwiegend beobachtend. Ein Übersichtsartikel im British Medical Journal (BMJ) wertete 2024 insgesamt 45 gebündelte Analysen mit zusammen rund 9,9 Millionen Teilnehmenden aus. Ein hoher Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel ging bei 32 der untersuchten Gesundheitsfolgen (71 Prozent) mit einem höheren Risiko einher.

Als überzeugend stufte das Autorenteam die Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-bedingten Todesfällen (Risiko etwa 50 Prozent höher), Typ-2-Diabetes und häufigen psychischen Störungen wie Angst ein. Als stark nahelegend galten unter anderem eine höhere Gesamtsterblichkeit, Depressionen, Schlafprobleme und Adipositas.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um Zusammenhänge, nicht um bewiesene Ursachen. Die Qualität der Belege bewertete das Team nach dem GRADE-System meist als niedrig oder sehr niedrig, und eine Verzerrung durch andere Lebensstilfaktoren lässt sich in Beobachtungsstudien nie ganz ausschließen.

Zu einem ähnlichen Bild kommt die DGE. Gemeinsam mit dem Max Rubner-Institut wertete sie 37 Studien aus: Erwachsene mit hohem Verzehr haben danach wahrscheinlich ein höheres Risiko für Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Zusammenhang beruht aber weitgehend auf Querschnitt- und Kohortenstudien, und das Verzerrungsrisiko stuften die Fachleute bei 27 der 37 Studien als hoch ein. Konkrete Verzehrgrenzen nennt die DGE deshalb bisher nicht.

Machen hochverarbeitete Lebensmittel dick?

Ob die Verarbeitung selbst zum Zunehmen führt, lässt sich nur mit Experimenten prüfen. Das bekannteste stammt von den US-amerikanischen National Institutes of Health: 20 Erwachsene lebten jeweils zwei Wochen lang in einer Klinik und aßen abwechselnd eine hochverarbeitete und eine unverarbeitete Kost. Die angebotenen Mahlzeiten waren bei Kalorien, Energiedichte, Makronährstoffen, Zucker, Natrium und Ballaststoffen angeglichen, und die Teilnehmenden durften so viel essen, wie sie wollten. Bei der hochverarbeiteten Kost nahmen sie täglich rund 508 Kilokalorien mehr zu sich und legten etwa 0,9 Kilogramm zu, bei der unverarbeiteten verloren sie etwa 0,9 Kilogramm.

Eine britische Studie von 2025 ging einen Schritt weiter: 55 Erwachsene mit Übergewicht folgten jeweils acht Wochen lang zwei Kostformen, beide nach dem offiziellen britischen Ernährungsleitfaden (Eatwell Guide), einmal mit wenig verarbeiteten, einmal mit hochverarbeiteten Lebensmitteln. Mit beiden Kostformen nahmen sie ab, mit wenig verarbeiteter Kost aber etwa doppelt so viel (2,06 gegenüber 1,05 Prozent des Ausgangsgewichts).

Als wahrscheinlichste Erklärung gilt die höhere Energiezufuhr: In Interventionsstudien zeigten sich nachteilige Effekte bei hohem Verzehrsanteil vor allem auf das Körpergewicht, und die Hauptursache scheint die höhere Energiezufuhr durch hochverarbeitete Produkte zu sein. Eine hohe Energiedichte und weiche Texturen begünstigen eine höhere Energiezufuhr. Beide Studien waren allerdings klein und kurz. Sie zeigen, was in ein paar Wochen passiert, nicht, wie sich Dein Körper über Jahre verhält.

Sind alle hochverarbeiteten Lebensmittel gleich ungesund?

Nein, und genau das ist der Streitpunkt unter Fachleuten. Bei einer Arbeitstagung der DGE 2025 hieß es, ob ein Lebensmittel gesund oder ungesund sei, hänge von seinem Nährstoffprofil ab, nicht allein von seinem Verarbeitungsgrad. Kritisiert wird an NOVA, dass Rezeptur, Nährstoffverfügbarkeit und konkrete Verarbeitungsschritte weitgehend unberücksichtigt bleiben und pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten deshalb pauschal als hochverarbeitet eingestuft werden.

Die deutlichsten negativen Gesundheitseffekte sind laut einer Referentin der Tagung mit Erfrischungsgetränken und hochverarbeiteten Wurstwaren verbunden. Das BZfE empfiehlt, die Gruppe 4 stärker zu differenzieren und in Untergruppen aufzuteilen, um zu klären, welche Produkte das Risiko tatsächlich erhöhen.

Für Dich heißt das: Schau nicht nur auf das Etikett „verarbeitet“, sondern auf das Nährstoffprofil. Viel Zucker, Salz und gesättigte Fette bei wenig Ballaststoffen sind typisch für die Produkte, bei denen die Studien Risiken sehen.

Wie isst Du im Alltag weniger hochverarbeitete Lebensmittel?

Eine feste Obergrenze gibt es bislang nicht. Ein realistisches Ziel ist deshalb nicht Perfektion, sondern ein wachsender Anteil frisch zubereiteter Mahlzeiten. Diese Schritte helfen im Alltag:

Hilft eine Fastenwoche beim Neustart?

Manche Menschen nutzen eine begleitete Fastenwoche als bewussten Schnitt, um ihre Essgewohnheiten neu zu sortieren. Beim Basenfasten isst Du einige Tage rein basisch, also mit frischen, pflanzlichen Lebensmitteln statt Fertigprodukten, beim Heilfasten verzichtest Du weitgehend auf feste Nahrung. Eine Fastenwoche ersetzt keine dauerhafte Umstellung, kann aber ein Anstoß sein. Entscheidend ist, was danach auf den Teller kommt.

Solche Kuren findest Du zum Beispiel in Baden-Württemberg mit dem Schwarzwald. Unser Stammhaus, das Hotel Therme in Bad Teinach, ist ein reines Fastenhaus und begleitet Dich beim Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten. Fasten ist nicht für jeden geeignet: Wenn Du schwanger bist oder stillst, eine Vorerkrankung wie Diabetes hast, Medikamente nimmst oder Erfahrung mit einer Essstörung hast, sprich vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Kurz gesagt: Hochverarbeitete Lebensmittel sind nicht per se Gift, aber ein hoher Anteil davon in der Ernährung geht in Studien mit mehr Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher, und die Experimente deuten auf eine höhere Kalorienaufnahme als wahrscheinlichen Weg hin. Offen ist noch, wie viel davon an der Verarbeitung selbst liegt und wie viel am Nährstoffprofil. Du musst nicht von heute auf morgen alles selbst kochen: Starte bei den Getränken, mach Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte zur Basis und lies die Zutatenliste. Jeder Schritt zu mehr frisch zubereiteten Mahlzeiten zählt.

Häufige Fragen

Was zählt als hochverarbeitetes Lebensmittel?

Hochverarbeitet sind Produkte der NOVA-Stufe 4. Die DGE nennt Süßwaren, Gebäck, frittierte Snacks, Wurstwaren, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte als Beispiele. Erkennen kannst Du sie an Zutaten und Zusatzstoffen, die in einer normalen Küche nicht vorkommen.

Ist jedes verarbeitete Lebensmittel ungesund?

Nein. Nach Einschätzung von Fachleuten bei der DGE-Arbeitstagung entscheidet das Nährstoffprofil, nicht allein der Verarbeitungsgrad. Außerdem erfasst NOVA nur die industrielle Verarbeitung, das Kochen zu Hause zählt nicht mit.

Wie viele hochverarbeitete Lebensmittel sind noch in Ordnung?

Dafür gibt es bislang keine wissenschaftlich abgeleitete Obergrenze. Die DGE hält dafür erst weitere Beobachtungs- und vor allem Interventionsstudien für nötig. Als Orientierung dienen die DGE-Empfehlungen: überwiegend pflanzliche Lebensmittel essen und Süßes, Salziges und Fettiges eher stehen lassen. Je mehr frische Zutaten auf Deinem Teller landen, desto besser.

Sind Fleischersatz und Pflanzendrinks hochverarbeitet?

Nach der NOVA-Einteilung werden pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten meist pauschal als hochverarbeitet eingestuft. Bei pflanzlichen Milchalternativen rät die DGE, auf ausreichend Calcium, Jod sowie die Vitamine B2 und B12 zu achten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass bei Kindern, Schwangeren und Stillenden Nährstoffdefizite entstehen können, wenn nicht angereicherte Produkte regelmäßig Kuhmilch ersetzen.

Nehme ich ab, wenn ich weniger hochverarbeitete Lebensmittel esse?

Das ist möglich, aber kein Selbstläufer. In der britischen Studie nahmen die Teilnehmenden mit wenig verarbeiteter Kost nach acht Wochen im Schnitt etwa 2 Prozent ihres Gewichts ab, mit hochverarbeiteter Kost rund 1 Prozent. Das ist ein Unterschied, aber kein Wunder, und ob er auf Dauer trägt, zeigen so kurze Studien nicht.

Quellen

  1. Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: umbrella review of epidemiological meta-analysesBMJ · 2024 · abgerufen am 28.10.2026doi.org ↗
  2. Wie wirken stark verarbeitete Lebensmittel auf die Gesundheit?Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · 2023 · abgerufen am 28.10.2026dge.de ↗
  3. Hochverarbeitete Lebensmittel: DGE-Arbeitstagung beleuchtet kontroverses ThemaDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · 2025 · abgerufen am 28.10.2026dge.de ↗
  4. Was sind eigentlich hochverarbeitete Lebensmittel?Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) · 2025 · abgerufen am 28.10.2026bzfe.de ↗
  5. Ultra-processed foods: what they are and how to identify themPublic Health Nutrition · 2019 · abgerufen am 28.10.2026doi.org ↗
  6. Ultra-Processed Diets Cause Excess Calorie Intake and Weight GainCell Metabolism · 2019 · abgerufen am 28.10.2026doi.org ↗
  7. Ultraprocessed or minimally processed diets following healthy dietary guidelines on weight and cardiometabolic health: a randomized, crossover trialNature Medicine · 2025 · abgerufen am 28.10.2026doi.org ↗
  8. Gut essen und trinken: die DGE-EmpfehlungenDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · abgerufen am 28.10.2026dge.de ↗

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