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Wadenkrämpfe beim Fasten: Warum sie auftreten, was sofort hilft und wann Du zum Arzt solltest
Autor: Conny Wettcke
Veröffentlicht am: 02.11.2026
Wadenkrämpfe beim Fasten sind selten: In einer Beobachtungsstudie mit 1.422 Fastenden nach Buchinger nannten nur 0,35 Prozent der Befragten Muskelkrämpfe. Mögliche Auslöser sind Flüssigkeits- und Mineralstoffverschiebungen, ungewohnte Belastung und bestimmte Medikamente. Im Akutfall hilft Dehnen am besten, vorbeugend zählen eine feste Trinkmenge, Brühe und Saft nach Plan und eine ruhige Belastung.
In diesem Artikel erfährst Du, wie häufig Krämpfe beim Fasten vorkommen, was dahinterstecken kann, was im Akutfall hilft, ob Magnesium etwas bringt und wann Du ärztlichen Rat brauchst.
Wie häufig sind Wadenkrämpfe beim Fasten?
In der Studie begleiteten Pflegekräfte und Ärzte 1.422 Menschen durch ein Fasten nach Buchinger von 4 bis 21 Tagen. Sie nahmen täglich 200 bis 250 Kilokalorien zu sich, dazu Saft, Gemüsesuppe und etwa 3 Liter Wasser oder Kräutertee. Per Fragebogen nannten 0,35 Prozent der Fastenden Muskelkrämpfe, 4,33 Prozent Muskelschmerzen und 2,03 Prozent unruhige Beine.
Das Ergebnis stammt aus einer begleiteten Fastenkur mit festem Tagesablauf. Wie oft Krämpfe beim Fasten auf eigene Faust auftreten, sagt die Studie nicht. Trinkst Du zu wenig, schwitzt viel und belastest Dich ungewohnt stark, kommen genau die Situationen zusammen, in denen laut Leitlinie Krämpfe typischerweise auftreten.
Warum bekommst Du beim Fasten Wadenkrämpfe?
Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie unterscheidet Krämpfe ohne erkennbare Ursache (idiopathisch) von Krämpfen mit erkennbarer Ursache (symptomatisch). Beim Fasten kommen vor allem diese Auslöser infrage:
- Flüssigkeits- und Salzmangel: Als typische Situationen für symptomatische Krämpfe nennt die Leitlinie Flüssigkeitsmangel, niedriges Natrium im Blut sowie Kalzium- oder Magnesiummangel. Beim Fasten fallen feste Mahlzeiten als Mineralstoffquelle weg, und Darmentleerung oder Wandern kosten zusätzlich Wasser und Salz.
- Ungewohnte Belastung: Körperliche Arbeit und Sport, vor allem bei Hitze und in den ersten drei Wochen nach Trainingsbeginn, gelten als Auslöser. Eine lange Fastenwanderung ist für untrainierte Waden schnell zu viel.
- Medikamente: Zu den Arzneimitteln, die Muskelkrämpfe als mögliche Nebenwirkung haben, zählen laut Leitlinie unter anderem entwässernde Mittel (Diuretika), Statine, Betablocker, Kalziumantagonisten, Insulin und Kortikosteroide. Nimmst Du solche Mittel, kläre das Fasten vorher ärztlich ab (mehr dazu in Fasten und Medikamente) und setze nichts eigenmächtig ab.
- Vorerkrankungen: Krämpfe können mit einer Schilddrüsenunterfunktion, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie Nerven- und Gefäßleiden zusammenhängen.
Welcher Auslöser bei Dir den Ausschlag gibt, lässt sich im Einzelfall oft nicht sicher sagen.
Was hilft sofort bei einem Wadenkrampf?
Dehnen. Die Leitlinie empfiehlt im akuten Fall, den verkrampften Muskel zu dehnen oder die Gegenspieler statisch anzuspannen. So gehst Du vor:
- Stell Dich hin und belaste das verkrampfte Bein, die Ferse bleibt am Boden. Lehne Dich leicht nach vorn, bis Du die Dehnung in der Wade spürst.
- Alternativ im Sitzen oder Liegen: Strecke das Bein aus und ziehe die Fußspitze zu Dir heran. Das spannt die Muskeln vorn am Schienbein an, die Gegenspieler der Wade.
- Halte die Spannung und atme ruhig weiter, bis der Krampf nachlässt.
- Lockere die Wade danach durch Ausschütteln und sanftes Gehen. Wärme und leichte Massage empfinden viele als angenehm. Eine Studienbasis dafür gibt es allerdings nicht: Die Leitlinie zählt sie zu den Maßnahmen, die empirisch ohne Studiengrundlage angewendet werden.
Trinken beendet den Krampf übrigens nicht: Getrunkene Flüssigkeit erreicht den Körperkreislauf erst nach etwa 15 Minuten und kommt für den akuten Krampf in der Regel zu spät. Sie gehört zur Vorbeugung, nicht zur Soforthilfe.
Wie beugst Du Wadenkrämpfen beim Fasten vor?
- Halte Deine Trinkmenge ein: In der Studie waren es etwa 3 Liter Wasser oder ungesüßte Kräutertees täglich. Verteile sie über den Tag, statt abends alles nachzuholen.
- Nimm Brühe und Saft ernst: Beim Buchinger Fasten gehören ein Glas Saft mittags und eine Gemüsesuppe abends zum Tagesplan, in der Studie je 250 Milliliter. Sie bringen Salz und Mineralstoffe zurück, die Dein Körper sonst kaum aufnimmt. Welche Mineralstoffe beim Fasten besonders zählen, erklärt der Artikel Elektrolyte beim Fasten.
- Dehne vor dem Schlafengehen: Bei nächtlichen Wadenkrämpfen empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Dehnübungen der Waden. In einer randomisierten Studie mit 80 Personen senkten drei Minuten Dehnen vor dem Zubettgehen die nächtlichen Krämpfe um 1,2 Episoden pro Nacht, zwei weitere Studien fanden dagegen keinen Effekt oder waren nicht aussagefähig. Die Datenlage ist uneinheitlich, Dehnen ist unter den nicht medikamentösen Maßnahmen aber am ehesten sinnvoll. Die Leitlinie beschreibt die Übung so: mehrmals am Tag im Stand nach vorn beugen, die Fersen bleiben am Boden, die Arme stützen sich an einer etwa einen Meter entfernten Wand ab.
- Gehe die Bewegung ruhig an: Beim Fastenwandern wählst Du ein Tempo, bei dem Du Dich noch unterhalten kannst, und machst regelmäßig Pausen. Dehne die Waden nach jeder Etappe.
Wer nicht allein losziehen möchte, fastet in einem Haus mit erfahrener Begleitung. Das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald ist ein reines Fastenhaus in Baden-Württemberg mit Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten.
Hilft Magnesium gegen Wadenkrämpfe beim Fasten?
Bei Krämpfen ohne nachgewiesenen Mangel wahrscheinlich nicht. Ein Cochrane-Review von 2020 wertete elf randomisierte Studien mit 735 Teilnehmenden aus. Bei älteren Menschen mit Krämpfen ohne erkennbare Ursache (fünf Studien, 271 Teilnehmende) halten die Autoren einen klinisch bedeutsamen Schutz durch Magnesium für unwahrscheinlich. Leichte Nebenwirkungen wie Durchfall traten unter Magnesium tendenziell häufiger auf.
Auch die Neurologen-Leitlinie bewertet die Wirksamkeit von Magnesium bei Krämpfen ohne erkennbare Ursache als nicht ausreichend belegt, ein messbarer Magnesiummangel sollte aber ausgeglichen werden. Bei Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Myasthenie soll Magnesium nicht eingesetzt werden, und Durchfall kann die Einnahme begrenzen. Studien speziell an Fastenden, die den Nutzen von Magnesium gegen Krämpfe prüfen, haben wir bei der Recherche nicht gefunden.
Ob bei Dir ein Mangel vorliegt, klärt eine Blutuntersuchung, die in der Basisdiagnostik neben Magnesium auch Natrium, Kalium und Kalzium umfasst. Zur Orientierung: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr 350 Milligramm Magnesium am Tag für Männer und 300 Milligramm für Frauen. Gute Quellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, Nüsse, Samen und Fisch, und bei üblicher Ernährung ist ein Mangel selten. Beim Fasten isst Du davon wenig, mit dem Kostaufbau kommen sie nach und nach zurück.
Wann solltest Du Wadenkrämpfe ärztlich abklären lassen?
Ein einzelner Krampf, der sich durch Dehnen löst, ist in der Regel kein Notfall. Lass die Krämpfe abklären, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Sie treten wiederholt oder sehr stark auf und stören Deinen Schlaf. Die Leitlinie empfiehlt, symptomatische Ursachen auszuschließen: mit einer Blutuntersuchung auf Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Blutzucker, Nierenwerte und Schilddrüsenwert sowie einem Check der Medikamente.
- Dazu kommen Herzklopfen, Herzstolpern, starker Schwindel oder ausgeprägte Schwäche. In der Fastenstudie dokumentierten die Ärzte in Einzelfällen Herzrhythmusstörungen sowie niedrige Natrium- und Kaliumwerte im Blut, niedriges Natrium wurde mit Kochsalz ausgeglichen. Solche Werte bemerkst Du nicht selbst, deshalb gehören Beschwerden dieser Art in ärztliche Hände.
- Ein Bein schmerzt dauerhaft, ist geschwollen oder gerötet. Dann steckt womöglich kein Muskelkrampf dahinter, sondern eine Gefäßerkrankung: Venen- und Arterienleiden zählen laut Leitlinie zu den Faktoren, die Krämpfe fördern. Lass das zeitnah abklären.
- Zu den Krämpfen kommen Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche, denn auch Nervenerkrankungen können Krämpfe auslösen.
- Du nimmst Medikamente, die Krämpfe verursachen können. Sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, bevor Du etwas änderst.
Rezeptpflichtiges Chinin ist nur für sehr häufige oder sehr schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe vorgesehen, die sich anders nicht behandeln lassen, und gehört in ärztliche Hand.
Fasten ist nicht für jeden geeignet. Bei Herz-, Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Schwangerschaft oder Essstörungen sprich vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Fazit
Wadenkrämpfe beim Fasten sind selten und meist gut in den Griff zu bekommen: Dehne den Muskel im Akutfall, halte Deine Trinkmenge ein, nimm Brühe und Saft nach Plan und gehe die Bewegung ruhig an. Magnesium auf Verdacht bringt bei Krämpfen ohne nachgewiesenen Mangel nach heutiger Studienlage wenig. Kommen Herzklopfen, Schwindel, Schwäche oder einseitige Beinschmerzen dazu oder wiederholen sich die Krämpfe, gehören sie in ärztliche Hände.
Häufige Fragen
Warum bekomme ich nachts Wadenkrämpfe beim Fasten?
Für nächtliche Wadenkrämpfe empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Dehnübungen der Waden. Beim Fasten kommen als Auslöser Flüssigkeits- und Salzverluste, eine ungewohnt anstrengende Tour am Tag oder Medikamente infrage. Trinke tagsüber Deine Menge und dehne die Waden vor dem Schlafengehen.
Muss ich bei Wadenkrämpfen das Fasten abbrechen?
Ein einzelner Krampf, der sich durch Dehnen löst, ist in der Regel kein Grund zum Abbrechen. Treten die Krämpfe gehäuft auf oder kommen Herzklopfen, starker Schwindel oder Schwäche dazu, sprich mit Deiner Fastenleitung oder Deinem Arzt. Gemeinsam entscheidet Ihr, ob Du weiterfasten kannst.
Sind Magnesiumtabletten beim Fasten sinnvoll?
Nur, wenn ein Mangel festgestellt wurde. Bei Krämpfen ohne erkennbare Ursache ist der Nutzen von Magnesium nicht ausreichend belegt, und Durchfall kann die Einnahme begrenzen. Bei Nierenschwäche oder Herzrhythmusstörungen soll Magnesium nicht eingesetzt werden. Sprich die Einnahme vorher mit Deinem Arzt ab.
Welche Lebensmittel liefern nach dem Fasten wieder Magnesium?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, Nüsse, Samen sowie Fisch und Meeresfrüchte als gute Quellen. Beim Kostaufbau kommen sie nach und nach wieder auf den Teller, schwer verdauliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte erst später.
Quellen
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsjournals.plos.org ↗
- Crampi/Muskelkrämpfe, S1-Leitlinie (AWMF 030/037)register.awmf.org ↗
- Magnesium for skeletal muscle crampspmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Magnesiumdge.de ↗











