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Fasten bei Depression: Was Studien zeigen und was Du vorher mit Deinem Arzt klären musst

Autor: Sebastian Wettcke

Veröffentlicht am: 06.11.2026

Fasten ist keine Behandlung gegen Depression, und für einen Nutzen gibt es bisher nur schwache Hinweise aus kleinen Studien. In der Patientenleitlinie zur Depression kommt Fasten als Behandlung nicht vor. Wenn Du depressiv bist oder Antidepressiva nimmst, sprich deshalb vorher mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt und setze Medikamente nie auf eigene Faust ab.

In diesem Artikel erfährst Du, was die Studien wirklich zeigen, warum Fasten bei Depression auch Risiken birgt, was bei Medikamenten wie Lithium gilt und was nach Leitlinie stattdessen hilft. Außerdem bekommst Du eine Anleitung, wie Du vorgehst, wenn Du trotzdem begleitet fasten möchtest.

Kann Fasten bei Depression helfen?

Möglich ist es, belegt ist es nicht. Die bisher wichtigste Untersuchung ist eine Pilotstudie der Medizinischen Hochschule Hannover: 21 stationär behandelte Patienten mit Major Depression und 28 gesunde Freiwillige tranken 72 Stunden lang nur Wasser. Bei den Patienten sank nach dem Fasten der seelische Teil des Depressionsfragebogens BDI-2 (die kognitiv-affektiven Symptome), besonders bei denen mit mittelschweren bis schweren Beschwerden.

Der Preis dafür: Die körperlichen Beschwerden stiegen, und die Stresshormone Noradrenalin, Cortisol und Aldosteron nahmen bei Patienten und Gesunden zu. Dazu kommen deutliche Grenzen. Die Studie ist klein, mehrere Teilnehmer schieden aus, 16 der 21 Patienten nahmen Medikamente, und die Depression wurde nur per Selbstauskunft erfasst. Die Autoren selbst sprechen von einer Pilotstudie.

Eine Übersichtsarbeit beschreibt mögliche Wirkwege, etwa Ketonkörper, den Wachstumsfaktor BDNF und Entzündungsbotenstoffe, betont aber, dass klinische Langzeitstudien noch fehlen. In einer Beobachtungsstudie mit 1.422 Fastenden einer Fastenklinik stieg das emotionale Wohlbefinden über 4 bis 21 Fastentage. Hier gilt jedoch: Die Studie untersuchte nicht gezielt Menschen mit Depression, das Wohlbefinden wurde mit einer einfachen Skala von 0 bis 10 erfragt, und es gab keine Kontrollgruppe.

Was empfiehlt die Leitlinie bei Depression?

Im Zentrum der Behandlung stehen Psychotherapie und Antidepressiva, bei einer schweren Depression ist die Kombination am wirksamsten. Dazu kommen ergänzende Möglichkeiten wie Bewegungs- und Lichttherapie.

Bewegung hat einen eigenen Stellenwert: Studien liefern Hinweise, dass körperliche Aktivität depressive Beschwerden verringern kann. Dafür sind keine sportlichen Höchstleistungen nötig, hilfreich ist vor allem regelmäßige Bewegung. Bei der Ernährung empfiehlt die Leitlinie eine ausgewogene, gesunde Kost und rät von Nahrungsergänzungsmitteln ab, solange kein Mangel festgestellt wurde.

Welche Risiken hat Fasten bei Depression?

Fasten ist eine Belastung für den Körper: In der Hannoveraner Studie stiegen Stresshormone und körperliche Beschwerden. Drei Punkte solltest Du außerdem kennen.

Lithium und andere Psychopharmaka

Die Fastenleitlinie von 2013 nennt Psychopharmaka, vor allem Neuroleptika und Lithium, unter den Medikamenten, die beim Fasten angepasst werden müssen. Bei Lithium spielt der Salzhaushalt eine Rolle: Ein Natriummangel kann eine Lithiumvergiftung auslösen, weil Lithium und Natrium in der Niere um die Rückresorption konkurrieren. Beim Fasten sind leichte Natriumabfälle möglich: In der Klinikstudie mit 1.422 Fastenden traten sechs Fälle eines leicht erniedrigten Natriumspiegels auf, die mit Kochsalz behandelt wurden. Erste Warnzeichen einer Lithiumvergiftung sind Muskelzucken, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Zittern der Hände. Wenn Du Lithium nimmst, gehört die Entscheidung über das Fasten deshalb in die Hände Deiner behandelnden Ärztin oder Deines Arztes.

Antidepressiva nicht eigenmächtig absetzen

Fasten ist kein Grund, Antidepressiva wegzulassen. Wer sie schlagartig absetzt, riskiert Absetzbeschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Übelkeit, Schwindel oder Unruhe, die oft innerhalb von 2 bis 4 Tagen auftreten. Außerdem kann die Depression zurückkehren, manchmal stärker als zuvor. Nach einer längeren Behandlung sollte das Ausschleichen mindestens 8 bis 12 Wochen dauern, und zwar ärztlich begleitet. Mehr zum Zusammenspiel von Fasten und Tabletten liest Du im Artikel Fasten und Medikamente.

Essstörungen

Wenn Du zusätzlich eine Essstörung hast, ist Fasten nicht sicher: Anorexie und andere Essstörungen gelten nach der Fastenleitlinie als Gegenanzeige.

Wann ist Fasten bei Depression tabu?

In diesen Situationen solltest Du nicht fasten:

Weitere Gegenanzeigen findest Du im Artikel Wer sollte nicht fasten?.

Wie gehst Du vor, wenn Du trotzdem fasten möchtest?

Wenn Deine Depression leicht bis mittelschwer ist und Dein Arzt grundsätzlich zustimmt, ist eine ärztlich begleitete Fastenkur der sicherste Weg, etwa nach der Methode Heilfasten. Die Fastenleitlinie verlangt, dass Fastenmaßnahmen von Ärzten oder Therapeuten begleitet werden, die in Fastentherapie geschult sind, und dass der Fastenverlauf regelmäßig ärztlich überwacht wird. So gehst Du vor:

  • Sprich zuerst mit Deiner behandelnden Ärztin oder Deinem Therapeuten. Kläre Medikamente, Zeitpunkt und Abbruchkriterien, bevor Du buchst.
  • Faste nur in einer stabilen Phase, nicht mitten in einer Krise oder während einer Medikamentenumstellung.
  • Such Dir eine Begleitung, die Deine Vorerkrankung kennt. Das Hotel Therme in Bad Teinach im Schwarzwald ist ein reines Fastenhaus mit Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten. Sprich vor der Buchung offen über Deine Vorerkrankung und Deine Medikamente. Eine Übersicht findest Du bei den Fastenhotels in Baden-Württemberg.
  • Beobachte Deine Stimmung. Wie sich Stimmungsschwankungen beim Fasten üblicherweise zeigen, liest Du in Stimmung beim Fasten. Wird das Tief tiefer, bleibt es bestehen oder kommen dunkle Gedanken auf, brich das Fasten ab und such ärztliche Hilfe.

Wo bekommst Du bei Depression Hilfe?

Wenn Du Dich niedergeschlagen fühlst oder Gedanken hast, Dir etwas anzutun, warte nicht auf das Ende einer Fastenkur. Die Telefonseelsorge ist kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr wählst Du den Notruf 112. Gesetzlich Versicherte bekommen über den Terminservice 116117 einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde.

Fazit: Fasten bei Depression nur mit ärztlicher Rücksprache

Fasten kann das Wohlbefinden heben, und eine kleine Pilotstudie liefert erste Hinweise darauf auch bei Depression. Es bleibt aber ein Experiment mit offenen Fragen und echten Risiken, etwa bei Lithium, beim Absetzen von Medikamenten und bei Essstörungen. Die belegten Bausteine der Behandlung sind Psychotherapie, Medikamente und Bewegung. Willst Du fasten, dann begleitet, mit Wissen Deines Arztes und nur in einer stabilen Phase.

Häufige Fragen

Kann Fasten eine Depression heilen?

Nein, für eine Heilung gibt es keinen Beleg. Die Hannoveraner Pilotstudie zeigte nach 72 Stunden Fasten eine Besserung der seelischen Symptome bei Patienten mit mittelschweren bis schweren Beschwerden, aber nur in einer sehr kleinen Gruppe. Die Leitlinie empfiehlt Psychotherapie, Antidepressiva und Bewegung.

Darf ich beim Fasten Antidepressiva weiternehmen?

Lass Antidepressiva nicht eigenmächtig weg und ändere die Einnahme nur nach Absprache mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Ein plötzliches Absetzen kann Beschwerden und einen Rückfall auslösen. Die Fastenleitlinie zählt Psychopharmaka zu den Medikamenten, die beim Fasten angepasst werden müssen.

Warum fühle ich mich beim Fasten niedergeschlagen?

Viele Fastende berichten von Stimmungsschwankungen. Ein möglicher Faktor ist die Stressreaktion des Körpers: In der Hannoveraner Studie stiegen die Stresshormone bei allen Teilnehmern. Hält das Tief an oder verstärkt es sich, brich das Fasten ab und sprich mit Deinem Arzt.

Hilft Bewegung bei Depression mehr als Fasten?

Für Bewegung nennt die Patientenleitlinie Hinweise auf eine Wirkung und empfiehlt sie als Baustein der Behandlung. Lass Dich vorab ärztlich beraten, welche Bewegung für Dich passt. Für Fasten gibt es keine vergleichbare Empfehlung.

Quellen

  1. Impact of fasting on stress systems and depressive symptoms in patients with major depressive disorder: a cross-sectional studyScientific Reports · 2022 · abgerufen am 06.11.2026pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
  2. Unipolare Depression: Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie, Version 3.0Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF) · 2024 · abgerufen am 06.11.2026nvl-programm.de ↗
  3. Antidepressiva: Was ist beim Absetzen zu beachten? (Patientenblatt zur NVL Unipolare Depression)Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF) · 2022 · abgerufen am 06.11.2026nvl-programm.de ↗
  4. A review of effects of calorie restriction and fasting with potential relevance to depressionProgress in Neuro-Psychopharmacology and Biological Psychiatry · 2021 · abgerufen am 06.11.2026doi.org ↗
  5. Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsPLOS ONE · 2019 · abgerufen am 06.11.2026journals.plos.org ↗
  6. Fasting Therapy - an Expert Panel Update of the 2002 Consensus GuidelinesForschende Komplementärmedizin · 2013 · abgerufen am 06.11.2026karger.com ↗
  7. LithiumintoxikationDocCheck Flexikon · abgerufen am 06.11.2026flexikon.doccheck.com ↗
  8. Telefonseelsorge: kostenfrei und rund um die Uhr erreichbarTelefonseelsorge Deutschland · abgerufen am 06.11.2026telefonseelsorge.de ↗

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