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Fasten bei Fibromyalgie: Was Studien zu Schmerzen zeigen und was Du vorher klären musst
Autor: Reiner Wettcke
Veröffentlicht am: 04.11.2026
Kann Fasten bei Fibromyalgie helfen? Möglicherweise kurzfristig, nachgewiesen ist es aber nicht. Eine Berliner Pilotstudie mit 48 Betroffenen fand nach einer Fastenkur im Krankenhaus zum Ende des Aufenthalts bessere Werte bei Beschwerden und Schmerzen als in einer Vergleichsgruppe ohne Fasten. Eine zweite Untersuchung mit 176 Betroffenen sah ebenfalls Verbesserungen, hatte aber keine Vergleichsgruppe. Fasten ist deshalb keine etablierte Standardtherapie bei Fibromyalgie und ersetzt keine Behandlung.
In diesem Artikel erfährst Du, was Fibromyalgie ist und was bei ihr nach heutigem Wissen hilft, was die beiden Fastenstudien genau zeigen und wo ihre Grenzen liegen, wann Du lieber nicht fasten solltest und was Du beachten musst, wenn Du es mit ärztlichem Einverständnis trotzdem versuchen möchtest.
Was ist Fibromyalgie und was hilft nach heutigem Wissen?
Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung. Typisch sind neben den Schmerzen eine schnelle Erschöpfung sowie Schlaf- und Konzentrationsprobleme. In Deutschland sind etwa 2 Prozent der Erwachsenen betroffen, Frauen häufiger als Männer, und die Diagnose wird meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr gestellt. Die Schmerzverarbeitung im Gehirn ist bei der Erkrankung gestört, gefährlich ist sie aber nicht: Die Organe sind gesund, und die Lebenserwartung ist nicht verkürzt.
Zu den Bausteinen der Behandlung zählen laut IQWiG leichte Bewegung wie Radfahren oder Walking, bestimmte Medikamente (Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin helfen in Studien einem Teil der Betroffenen) sowie Psychotherapie und bei starken Beschwerden eine multimodale Schmerztherapie. Auch zur Bewegung gibt es Daten: Ein Cochrane-Review mit 13 Studien und 839 Teilnehmenden fand, dass Ausdauertraining die Schmerzen leicht verringern und die körperliche Funktion leicht verbessern kann. Die Qualität der Belege stufte das Autorenteam allerdings als niedrig ein.
Was zeigen die Studien zum Fasten bei Fibromyalgie?
Dazu gibt es bislang wenig belastbare Forschung. Zwei Untersuchungen aus Berlin, an denen beide Andreas Michalsen beteiligt war, fassen wir hier zusammen. Das Fasten war in beiden Fällen Teil eines größeren Behandlungsprogramms im Krankenhaus.
Pilotstudie 2013: Fasten im Vergleich zur Standardbehandlung
In der ersten Studie wurden 48 Betroffene zwei Wochen lang stationär behandelt. 28 von ihnen erhielten ein integratives Programm mit einer Fastenkur nach der Buchinger-Methode über 7 bis 8 Tage, im Schnitt mit etwa 350 Kilokalorien am Tag. 20 Betroffene bekamen die übliche rheumatologische Behandlung ohne Fasten. Daneben erhielten beide Gruppen unter anderem Physiotherapie, Wasser- und Wärmeanwendungen, Bewegung und Psychotherapie.
Die Krankheitsschwere wurde mit dem Fibromyalgia Impact Questionnaire (FIQ) erfasst, einer Skala von 0 bis 100, bei der niedrigere Werte besser sind. Bis zum Ende des Aufenthalts sank der Wert in der Fastengruppe im Schnitt von 54,3 auf 38,0 Punkte, in der Vergleichsgruppe von 68,0 auf 59,1. Der bereinigte Unterschied von 11,2 Punkten war statistisch signifikant. Auch bei Schmerzen, Schlafqualität und Ängstlichkeit zeigte sich zum Ende des Aufenthalts ein Vorteil für die Fastengruppe.
Bei der Nachuntersuchung nach insgesamt zwölf Wochen war der Unterschied beim FIQ auf 6,7 Punkte geschrumpft und nicht mehr statistisch signifikant. Das Autorenteam nennt die Ergebnisse selbst vorläufig: Das Fastenprogramm könnte bei schwerer Fibromyalgie kurzfristig überlegen sein, nach zwölf Wochen war aber keines der beiden Programme klar besser. Dazu kommen Schwächen im Design: Die Betroffenen konnten die Abteilung selbst wählen, und die Vergleichsgruppe war schon zu Beginn stärker beeinträchtigt (FIQ 68,0 gegenüber 54,3). Das Team fordert deshalb größere randomisierte Studien.
Beobachtungsstudie 2024: 176 Betroffene ohne Vergleichsgruppe
Die zweite Studie begleitete 176 Menschen mit Fibromyalgie, die stationär im Rahmen eines naturheilkundlichen Gesamtprogramms 3 bis 12 Tage mit weniger als 600 Kilokalorien am Tag fasteten. Bis zur Entlassung sank der FIQ im Mittel um 13,7 Punkte, die Schmerzintensität um 1,1 Punkte, und die Lebensqualität stieg. Die Verbesserungen bei Schmerz und Lebensqualität blieben laut Studie auch in den Nachbefragungen nach 3, 6 und 12 Monaten bestehen, die Besserung von Ängstlichkeit und depressiver Stimmung dagegen nur während des Klinikaufenthalts. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.
Weil es keine Vergleichsgruppe gab, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen, wie viel davon am Fasten selbst liegt und wie viel an den übrigen Anwendungen, der Gruppe und dem Abstand zum Alltag. Schon 2010 schrieb der Arzneimittelbrief, kleinere Studien hätten günstige Wirkungen des Fastens bei Fibromyalgie und chronischen Schmerzsyndromen gefunden, weitere Studien seien aber dringend nötig. Anders sieht es bei der rheumatoiden Arthritis aus: Dort belegten mehrere randomisierte Studien nach 7 bis 10 Tagen Fasten eine Besserung der Gelenkbeschwerden. Mehr dazu liest Du im Beitrag Fasten bei Rheuma.
Warum könnte Fasten die Beschwerden lindern?
Genau weiß man es nicht. Der Arzneimittelbrief nennt als möglichen Hintergrund, dass sich die Stimmung beim Fasten häufig bessert, vermutlich durch mehr verfügbares Serotonin im Gehirn, und dass experimentell eine schmerzdämpfende Wirkung im zentralen Nervensystem nachgewiesen wurde. Ob das bei Fibromyalgie die entscheidende Rolle spielt, ist offen. Erwarte deshalb keine garantierte Wirkung.
Wann solltest Du bei Fibromyalgie nicht oder nur mit ärztlicher Begleitung fasten?
Eine Fibromyalgie schließt das Fasten nicht automatisch aus, die allgemeinen Regeln gelten aber auch für Dich. Wer eine Essstörung wie Magersucht oder Bulimie hat, sollte nicht fasten. In einer großen Klinikstudie galten außerdem Auszehrung, fortgeschrittene Funktionsschwäche von Nieren, Leber oder Hirngefäßen, Demenz sowie Schwangerschaft und Stillzeit als Ausschlussgründe für ein Buchinger-Fasten. Ob bei Dir weitere Gründe dagegen sprechen, klärt Deine Ärztin oder Dein Arzt. Mehr dazu liest Du im Beitrag Wer sollte nicht fasten.
Besonders wichtig sind Medikamente. Fasten kann die Wirkung zahlreicher Arzneimittel verändern und eine angepasste Dosis nötig machen, deshalb sollte bei Medikamenteneinnahme nur unter ärztlicher Aufsicht gefastet werden. Auch die DGE betont, dass medikamentöse Anpassungen in jedem Fall zu berücksichtigen sind. Nimmst Du gegen die Fibromyalgie Medikamente wie Amitriptylin, Duloxetin oder Pregabalin, besprich vorher mit Deiner Ärztin, wie Du sie während der Fastenzeit einnimmst, und setze nichts eigenmächtig ab. Was Du sonst vorab klären solltest, steht in Fasten und Medikamente.
Auch die ersten Fastentage können anstrengend sein. In der Pilotstudie gaben in beiden Gruppen rund 35 Prozent leichte Nebenwirkungen an, in der Fastengruppe vor allem Schwindel, leichte Kopfschmerzen und Müdigkeit, meist in den ersten Fastentagen. 24 von 28 Fastenden würden wieder fasten. Da Schlaf und Erschöpfung bei Fibromyalgie ohnehin oft schwierig sind, plane die Fastenzeit ruhig und mit Puffer. In einer Klinikstudie mit 1422 Fastenden waren Schlafstörungen mit 14,9 Prozent das häufigste leichte Symptom.
Worauf solltest Du achten, wenn Du trotzdem fasten möchtest?
Wenn Deine Ärztin oder Dein Arzt nichts dagegen hat, helfen Dir diese Punkte:
- Begleitet statt allein fasten. Die DGE empfiehlt, Heilfasten von Ärztinnen, Ärzten oder Therapeuten betreuen zu lassen, die in Fastentherapie zertifiziert sind. Sie verweist auf Leitlinien, nach denen Fastentherapie am besten in einer Gruppe unter ärztlicher Betreuung stattfindet.
- Kurz und sanft planen. In der Pilotstudie dauerte das Fasten 7 bis 8 Tage. In der größeren Beobachtungsstudie waren es 3 bis 12 Tage. Als Standard nennt die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung 7 bis 10 Tage, plus einen Entlastungstag davor und drei Tage zum Normalisieren des Essens danach.
- Bewegung nicht streichen. Leichter Sport wie Radfahren oder Walking verbessert laut IQWiG das Wohlbefinden bei Fibromyalgie. Passe Tempo und Dauer beim Fasten an Dein Befinden an.
- Wärme einplanen. Viele Betroffene empfinden Thermalbäder, Saunen und sanfte Massagen als wohltuend. Ob Sauna beim Fasten für Dich passt, klärst Du vorher mit Deiner Ärztin oder der Fastenleitung.
- Die Zeit danach mitplanen. In der Pilotstudie war der Vorsprung der Fastengruppe nach zwölf Wochen nicht mehr signifikant. Das IQWiG hält eigene Strategien im Alltag, etwa regelmäßige Pausen, für möglicherweise den wichtigsten Faktor für das Wohlbefinden.
Wenn Du nicht allein fasten möchtest: Unser Stammhaus, das Hotel Therme in Bad Teinach, ist ein reines Fastenhaus im Schwarzwald in Baden-Württemberg mit Buchinger Fasten, Basenfasten und Heilfasten, Fastenleitung und Thermalwasser. Sprich vorher mit Deiner Ärztin und teile dem Haus vor der Buchung Deine Diagnose und Deine Medikamente mit.
Kurz gesagt: Fasten ist bei Fibromyalgie keine etablierte Therapie, aber zwei Berliner Studien deuten darauf hin, dass ein ärztlich begleitetes Fasten im Rahmen eines Klinikprogramms Beschwerden und Schmerzen kurzfristig lindern kann. Die Belege sind dünn: eine kleine, nicht randomisierte Pilotstudie, deren Vorsprung nach zwölf Wochen nicht mehr signifikant war, und eine Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe. Die Basis der Behandlung bleiben Bewegung, passende Medikamente und bei Bedarf Psychotherapie. Wenn Du fasten möchtest, dann nur nach Rücksprache mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, mit Blick auf Deine Medikamente, am besten begleitet und mit realistischen Erwartungen.
Häufige Fragen
Kann Fasten Fibromyalgie heilen?
Nein. Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung. Die bisherigen Studien zeigen allenfalls eine Linderung von Beschwerden, keine Heilung, und der Vorsprung der Fastengruppe in der Pilotstudie war nach zwölf Wochen nicht mehr signifikant.
Kann Fasten die Beschwerden zunächst verschlimmern?
Leichte Nebenwirkungen sind möglich. In der Berliner Pilotstudie gaben in beiden Gruppen etwa 35 Prozent leichte Nebenwirkungen an, in der Fastengruppe vor allem Schwindel, leichte Kopfschmerzen und Müdigkeit. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Wirst Du schwächer statt stabiler oder hältst Du Beschwerden nicht aus, sprich mit der Fastenleitung oder Deiner Ärztin und brich im Zweifel ab.
Wie lange sollte man bei Fibromyalgie fasten?
Eine feste Empfehlung für Fibromyalgie gibt es nicht. In der Berliner Pilotstudie dauerte das Fasten 7 bis 8 Tage. In der größeren Beobachtungsstudie waren es 3 bis 12 Tage. Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung nennt als Standarddauer 7 bis 10 Tage. Wie lang es bei Dir sinnvoll ist, legst Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt fest.
Darf ich meine Medikamente beim Fasten weiternehmen?
Setze Medikamente niemals eigenmächtig ab. Fasten kann die Wirkung zahlreicher Arzneimittel verändern, deshalb sollte bei Medikamenteneinnahme nur unter ärztlicher Aufsicht gefastet werden. Deine Ärztin oder Dein Arzt entscheidet, ob und wie Du Deine Mittel anpasst.
Quellen
- In-Patient Treatment of Fibromyalgia: A Controlled Nonrandomized Comparison of Conventional Medicine versus Integrative Medicine including Fasting Therapypmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Effects of Prolonged Medical Fasting during an Inpatient, Multimodal, Nature-Based Treatment on Pain, Physical Function, and Psychometric Parameters in Patients with Fibromyalgiapmc.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Fibromyalgiegesundheitsinformation.de ↗
- Aerobic exercise training for adults with fibromyalgiapubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↗
- Indikationen für das Heilfastender-arzneimittelbrief.com ↗
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjectsjournals.plos.org ↗
- Heilfastendge.de ↗












